Österreich droht eine Rezession durch die Corona-Pandemie

ATX Bulle Baer Oesterreich RED – Wiener Börse

Über das Ausmaß, inwieweit die Corona-Pandemie die österreichische Wirtschaft treffen wird, ist man sich derzeit noch uneins. (Foto: Wiener Börse AG)

Dass der weltweite Konjunktureinbruch auch Österreich betrifft, ist mittlerweile Tatsache. Jedoch bei den Auswirkungen, wie groß die Rezession auch sein wird und inwieweit die Corona-Pandemie die österreichische Wirtschaft trifft und treffen wird, gehen die Prognosen für 2020 auseinander.

Eine vorsichtige Schätzung des WIFO (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung) rechnet mit einem Rückgang des BIP um 2,5%, und das IHS (Institut für Höhere Studien) prognostiziert mindestens -2%. Zum Vergleich: Die OeNB (Österreichische Nationalbank) sprach Ende 2019 noch von einem Wachstum von 1,1% für das Wirtschaftsjahr 2020.

Das Corona-Hilfspaket im Detail

Die wirtschaftspolitischen und gesundheitspolitischen Maßnahmen der Regierung sind notwendig, werden aber ein Loch in das Budget reißen. Einerseits aufgrund der wirtschaftlichen Einbußen und andererseits wegen der hohen Neuverschuldung, um das Corona-Hilfspaket zu finanzieren. Es wurde ein 38 Mrd. € schwerer Finanzschutzschirm für Österreich von der Bundesregierung beschlossen. 15 Mrd. € davon sollen genutzt werden, um Arbeitsplätze und Standorte zu sichern. Aus einem Härtefallfonds können klein- und mittelständische Unternehmen eine Unterstützung von bis zu 6.000 € in bar beantragen, die nicht zurückgezahlt werden muss.

Aus dem Corona-Hilfsfonds können Unternehmen mit zwei Instrumenten unterstützt werden. Einerseits können Kredite aufgenommen werden, für die die Republik Österreich bis 90% der Gesamtsumme haftet. Der Kredit kann bis zur Summe des Quartalsumsatzes des Unternehmens beantragt werden. Die Laufzeit beträgt maximal 5 Jahre. Werden solche Kredite von Unternehmen beantragt, dürfen nur stark eingeschränkte Boni an das Management fließen, und in diesem Jahr müssen die Dividendenzahlungen gestrichen werden. Andererseits gibt es einen staatlichen Zuschuss für Unternehmen, die mindestens 40% Umsatzrückgang verzeichnen.

Wird Unternehmen dieser Zuschuss gewährt, müssen sie einen Teil des zuvor genannten Kredites nicht mehr zurückbezahlen. Bis zu 75% der Fixkosten wie Miete, Strom, Zinsaufwendungen und auch verderbliche und saisonale Ware, die mindestens 50% des Wertes verloren hat, müssen dann nicht mehr zurückgezahlt werden. Die FACC beantragte bereits solch einen besicherten Kredit in Höhe von 60 Mio. € und streicht im Zuge dessen auch die Dividende für dieses Jahr.

Die strengsten Maßnahmen und die ersten Lockerungen

In den Medien sticht Österreich mit starken Schlagzeilen heraus. Zuerst führt das Land die strengsten Beschränkungen in Europa ein, dann verkündet der Bundeskanzler Anfang April erste Lockerungen. Österreich handelte schnell und führte bereits am 16. März eine Ausgangsbeschränkung ein. Maßnahmen wie Schließung der Bildungseinrichtungen, Restaurants, Reha- Zentren und aller nicht für die Infrastruktur notwendigen Geschäfte folgten. Mittlerweile gibt es auch in Teilen der Öffentlichkeit eine Maskenpflicht. Nach diesen strengen Maßnahmen verblüffte Kanzler Kurz, als er erste Lockerungen verkündete.

Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit

Das speziell für die Corona-Krise entwickelte Kurzarbeitsmodell wurde nach anfänglichen Startschwierigkeiten sehr gut angenommen. Die Regierung hat den Topf auf 5 Mrd. € aufgestockt. Das erste Budget für die Kurzarbeit betrug 400 Mio. €, dann gab es von der Regierung eine Erhöhung auf 1 Mrd. €. Als dieser Rahmen ausgeschöpft war, präsentierte Finanzminister Blümel eine Erhöhung des Budgets auf 3 Mrd. €, später auf 5 Mrd. €. Allein bis Anfang April haben über 23.000 Unternehmen einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt, und bis dahin wurden rund 400.000 Arbeitsplätze durch das Modell gesichert.

In Österreich ist die Kurzarbeit vorerst auf 3 Monate beschränkt. Die Arbeitnehmer müssen über den Kurzarbeitszeitraum durchschnittlich mindestens 10% ihrer Arbeitsleistung erfüllen und erhalten je nach Höhe des Einkommens zwischen 80 und 90% des Nettoentgeltes. Der Arbeitgeber muss vorerst die Lohnkosten tragen und kann dann vom Arbeitsmarktservice die Kosten für die nicht erbrachten Leistungen zurückfordern. Somit trägt der Arbeitgeber teilweise nur 10% der Kosten. Jedoch haben die Unternehmen vorübergehend eine nicht unerhebliche Liquiditätsbelastung, da die Löhne und Gehälter vorfinanziert werden müssen.

AMAG Austria Metall hat für den Standort Ranshofen seit April Kurzarbeit angemeldet, sowie auch FACC und Polytec. Trotz des Corona-Kurzarbeitsmodells ist die Arbeitslosenquote auf ein Rekordhoch geschnellt. Ende März war es am massivsten, es gab über 50% mehr Arbeitslose als zum Vormonat. Besonders hart hat es den Westen Österreichs getroffen, hier sind besonders viele Menschen aus der Branche Beherbergung und Gastronomie betroffen.

Betroffenheit nach Branchen

Nach einer Analyse der Österreichischen Nationalbank (OeNB) sind folgende Branchen von den Corona-Maßnahmen am stärksten betroffen: Beherbergung & Gastronomie, Reisebüros & Reiseveranstalter, sonstige persönliche Dienstleistungen, Luftfahrt und Dienstleistungen aus Sport & Unterhaltung. Im Vergleich zur Wirtschafts- und Finanzkrise 2009, bei der hauptsächlich die Nachfrage zurückging, sind in der Corona-Krise sowohl die Nachfrage- als auch die Angebotsseite betroffen.

Der private Konsum ist während der Eindämmungsmaßnahmen um 38% zurückgegangen. Die Reisebüros und -veranstalter müssen Umsatzeinbußen von teils 80% verkraften. Im Grundstücks- und Wohnungswesen erwartet die OeNB einen deutlichen Rückgang der Transaktionen von Immobilien, vor allem im Bereich der Gewerbeimmobilien. Die Umsätze aus Vermietung sind abhängig vom vermieteten Immobilienbestand und sind nicht unmittelbar vom Rückgang betroffen. Kurzfristig können die Mieteinnahmen von Mietstundungen beeinträchtigt werden.

Aufgrund eines Gesetzbeschlusses haben private Mieter die Möglichkeit der Mietstundung. Menschen, bei denen durch die Corona- Pandemie ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt wurde, haben für die Bezahlung der Mieten für April, Mai und Juni bis Ende des Jahres Zeit. Diese Prognosen und Gesetzesänderungen können durchaus Einfluss auf Unternehmen wie CA Immobilien Anlagen AG, IMMOFINANZ AG und UBM Development AG haben.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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