Österreich nimmt den Schwung ins erste Halbjahr 2018 mit

Besonders die Alpenrepublik Österreich wird von dem anziehenden Welthandel profitieren und weiterhin kräftig wachsen. (Foto: Wiener Börse AG)

Die Schlagzeilen sind überschattet von Protektionismus, Handelskriegen zwischen den USA vs. China, Europa vs. Russland, das Freihandelsabkommen TTIP ist Geschichte, und die politische Radikalisierung nimmt zu.

Dass sich von all dem die Weltwirtschaft jedoch nicht beeindrucken lässt, zeigt die jüngste Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF). Nach einem Wachstum von 3,75% im vergangenen Jahr, gehen die Währungshüter von 4% im laufenden Jahr aus. Auch die EZB revidierte ihre Prognose unlängst nach oben und rechnet neben einer soliden Entwicklung des Handels auch mit einer entsprechend positiven Entwicklung des BIPs. 2018 soll die Weltwirtschaft sogar um 4,75% zulegen.

Europa profitiert von der US-Steuerreform

Ein Grund für die positiven Aussichten ist die Steuerreform in den USA. Der IWF geht von einem Wachstumsschub von 0,5% in den USA alleine wegen der Steuerreform aus. Über eine erhöhte Importnachfrage wirkt die US-Steuerreform auch wachstumssteigernd auf den Euroraum. Darüber hinaus profitiert das Wachstum im Euroraum im Jahr 2018 von der anhaltend expansiven Wirkung der Geldpolitik, der Verbesserung am Arbeitsmarkt und der hohen Exportdynamik.

Die Eigenkapitalquoten haben sich seit der Finanzkrise deutlich verbessert. Der kleiner werdende Druck zur Entschuldung des Unternehmens- und Haushaltssektors wirkt sich positiv auf die Investitionsbereitschaft aus. Besonders die Alpenrepublik Österreich wird von dem anziehenden Welthandel profitieren. Global betrachtet das einzige Haar in der Suppe: Die Prognosen für die Schwellenländer blieben größtenteils unverändert.

Österreich die Exportnation

Mit einer Exportquote (Waren und Dienstleistungen) von 54% des BIPs erwirtschaftet Österreich mehr als die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung durch das Exportgeschäft. Seit dem EU-Beitritt im Jahr 1995 haben sich die Exporte von 61,8 Mrd. € auf 195,7 Mrd. € verdreifacht. In über 160 Branchen sind österreichische Unternehmen Weltmarktführer. 70% der Exporterlöse werden innerhalb der EU erzielt. Das Nachbarland Deutschland ist mit mehr als einem Drittel der globalen Exporte Österreichs der wichtigste Außenhandelspartner.

Mit 6,9% Exportanteil folgen mit großem Abstand die USA an zweiter Stelle. Der gefürchtete Ansteckungseffekt durch die BREXIT-Verhandlungen ist nicht eingetroffen. Das Wachstum im Vereinigten Königreich ist jedoch gehemmt, da vor allem Unternehmensinvestitionen aufgrund der Unsicherheiten ausbleiben oder in politisch stabileren Regionen durchgeführt werden.

Aufgrund des relativ geringen Außenhandels mit Großbritannien wird der BREXIT nur geringe Auswirkungen auf die österreichische Exportwirtschaft haben. 3,1% der gesamten Exporte landen aktuell im Vereinigten Königreich. Die robuste Entwicklung Deutschlands, die starken Wirtschaftsdaten aus den USA und das Anziehen der französischen Wirtschaft beeinflussten die österreichische Handelsbilanz positiv. Alleine 2017 kletterten die österreichischen Exporte um 8,5% auf 195,7 Mrd. €. Profiteure dieser Entwicklung sind vor allem Kapsch TrafficCom und Lenzing.

Wirtschaft baut Vertrauen auf

Ohne Vertrauen ist nachhaltiges Wirtschaftswachstum nicht möglich. Wenn Unternehmen mit herausfordernden Zeiten rechnen, werden Investitionen aufgeschoben und das Budget zurückgefahren. Dass Manager jedoch alles andere als besorgt in die Zukunft blicken, lässt sich anhand zahlreicher Vertrauensindikatoren belegen. Einige der wichtigsten Vorlaufindikatoren erreichten zum Jahresende 2017 historische Höchststände.

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Der Economic Sentiment Indicator (ESI) der Europäischen Kommission erzielte mit 119,3 Punkten im Dezember 2017 den höchsten Wert seit 1990. Der von der Bank Austria erhobene Einkaufs-Manager-Index verzeichnete mit 64,3 Punkten im selben Monat sogar den höchsten Wert seit Einführung des Index. Im 1. Quartal 2018 sind die Vertrauensindikatoren zwar etwas gesunken, liegen jedoch noch immer in Bereichen, die sehr starkes Wachstum signalisieren. Von diesem Vertrauen profitiert besonders UBM Realitätenentwicklung.

Österreich nimmt Schwung ins erste Halbjahr 2018 mit

Die aktuelle Hochkonjunkturphase wird sowohl von der Inlands- als auch der Auslandsnachfrage getragen. Die österreichische Exportwirtschaft kann angesichts der guten internationalen Konjunktur und der hohen Wettbewerbsfähigkeit ihren Absatz an Gütern und Dienstleistungen deutlich steigern. Im Inland lassen das starke Beschäftigungswachstum und steigende Löhne die Konsumausgaben der privaten Haushalte steigen.

Vor diesem Hintergrund investieren die heimischen Unternehmen vermehrt in die Erweiterung ihrer Produktionskapazitäten. Aktuell wird insbesondere in neue Maschinen investiert, aber auch die Bauinvestitionen befinden sich auf einem stetigen Wachstumspfad. Angesichts des krisenbedingt jahrelangen schwachen Wachstums besteht hier offensichtlich Nachholbedarf, wodurch der aktuelle Investitionszyklus außergewöhnlich kräftig ausfällt.

Gesamtjahresaussichten überzeugen

Die starke Dynamik hat dazu geführt, dass die österreichische Wirtschaft im Jahr 2017 erstmals seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise um 3% gewachsen ist. Der Ausblick für das 1. Halbjahr 2018 ist ebenfalls vielversprechend. Viele Konjunkturindikatoren liegen zu Jahresbeginn nur knapp unter ihren Höchstständen vom Jahresende 2017 und signalisieren damit eine Fortsetzung des starken Wirtschaftswachstums. Der starke Anstieg an gemeldeten offenen Stellen lässt eine weitere Verbesserung am Arbeitsmarkt erwarten, und die hohe Kapazitätsauslastung signalisiert eine anhaltende Notwendigkeit Investitionen zu tätigen.

Die Konjunkturdynamik wird daher auch in den nächsten Monaten sehr stark bleiben. Die Österreichische Nationalbank erwartet, dass die österreichische Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2018 um jeweils 0,8% gegenüber dem Vorquartal wachsen wird und damit etwa doppelt so stark wie im Durchschnitt seit dem Jahr 2000. Für das Gesamtjahr 2018 zeichnet sich damit ein zumindest gleich starkes Wirtschaftswachstum wie im vorangegangenen Jahr ab.

Robuster Bankensektor

Verhaltenes Wirtschaftswachstum infolge der Krise 2008, komplexe und kostenintensive Strukturen, das Niedrigzinsumfeld sowie die Herausforderungen durch die Digitalisierung erhöhten die Bereitschaft der österreichischen Banken, Anpassungen ihrer Geschäftsmodelle vorzunehmen. Restrukturierungen bei der Erste Group Bank, Raiffeisen Bank International sowie im Bereich der Volksbanken veränderten die Größe, die Geschäftsausrichtung und das Risikoprofil des österreichischen Bankensektors.

Die Finanzmarktstabilität ist seit der Krise 2008 deutlich gestiegen. So ging die Bilanzsumme seit dem Höchststand Mitte 2010 um knapp 20% zurück, die Auslandsforderungen um 37%, die Anzahl der Banken seit 2007 um ein Viertel auf 651 und die Zweigstellen um 12% auf 3.790.

Meine Favoriten

Von dem Investitionsbedarf, den starken Arbeitsmarktdaten und einer damit einhergehenden anziehenden Nachfrage nach Wohnimmobilien profitieren in erster Linie CA Immobilien Anlagen, Polytec und Porr. Mein Favorit ist die ams AG.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.