Österreich schafft die Kehrtwende

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Österreich zählte zu den EU-Ländern mit der schwächsten Wirtschafts-Entwicklung. Doch im letzten Jahr konnte das Land wieder aufschließen. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Die österreichische Volkswirtschaft litt in den vergangenen Jahren unter einem Reformstau und einem v. a. für Unternehmer teuren Sozialsystem.

Rückblick 2016: Österreich schließt auf

Vor wenigen Jahren war Österreich noch eines der Länder der Eurozone mit dem schwächsten Wachstum.

Die Stimmung lockerte sich 2016 auf: Im vergangenen Jahr konnte die Alpen-Republik wieder aufschließen.

Während die Euro-Zone ein durchschnittliches BIP-Wachstum von 1,7% erzielte, verzeichnete Österreich ein Wachstum von 1,5%.

Getragen wurde diese positive Entwicklung von dem Dienstleistungs-Sektor, der sich erneut besser als die produzierende Industrie entwickelte.

Auch Österreicher leisteten einen bedeutenden Beitrag zum Wachstum.

Anfang 2016 wurde die größte Steuerreform verabschiedet. Der private Konsum stieg in der Folge um 1,5% an. Besonders positiv entwickelten sich die Anlagen-Investitionen.

Investitionen in Fahrzeuge (+14,5%), Maschinen (+3,6%) und Bauinvestitionen (+1,3%) zogen mit einem Zuwachs von insgesamt 2,9% so stark wie zuletzt 2011 an.

Ausblick 2017: Überdurchschnittliche Entwicklung

Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung prognostiziert ein Anhalten der soliden Aufschwung-Phase.

Der private Konsum, der von der günstigen Arbeitsmarktlage profitiert, wird auch 2017 ein vorrangiger Wachstumstreiber sein.

Verfolgt man österreichische Nachrichten, klingt „günstige Arbeitsmarktlage“ und „Österreich“ wie ein Widerspruch.

Fakt ist, dass die Anzahl unselbstständig Beschäftigter seit 2009 im kontinuierlichen Aufstieg ist.

Da das Bevölkerungs-Niveau im Allgemeinen steigt, kletterte jedoch auch die Arbeitslosen-Quote bis zum 3. Quartal 2016 auf Rekordhöhe.

Im 4. Quartal 2016 und im 1. Quartal 2017 erholte sich die Arbeitslosen-Quote erstmals seit 2011.

Während die Wirtschaftskammer Österreich von einem BIP-Wachstum von 2,0% ausgeht, rechnet die OECD mit 1,5%.

Damit könnte Österreich 2017 wieder stärker als der Eurozonen-Durchschnitt wachsen.

Aufgrund der sich erholenden Rohstoffpreise wird darüber hinaus mit einem Aufschwung Rohstoff exportierender Länder gerechnet.

Aufgrund dieser Entwicklung soll der zuletzt enttäuschende österreichische Außenhandel wieder in Fahrt kommen.

Arbeitsmarktdaten treiben Privat-Konsum an

Die österreichische Wirtschaft konnte 7 Jahre in Folge neue Arbeitsplätze schaffen. Die Anzahl selbstständig Beschäftigter stieg von rund 3,2 Mio. im Jahr 2009 auf 3,6 Mio. im März 2017.

Seit dem 4. Quartal 2016 werden darüber hinaus mehr Arbeitsplätze geschaffen, als zusätzliche Arbeitnehmer auf den Markt kommen.

Die Folge ist eine Verbesserung der zuletzt stark gestiegenen Arbeitslosen-Quote.

Die Wirtschaftskammer Österreichs geht von einem Beschäftigungs-Zuwachs von 1,6% für das laufende Jahr aus.

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt in Verbindung mit der Anfang 2016 verabschiedeten Steuer-Reform treiben den Privat-Konsum an.

Das Netto-Einkommen je Arbeitnehmer verzeichnete mit 3,9% den stärksten Anstieg der vergangenen 30 Jahre.

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Je nach Prognose sollen die Ausgaben der Österreicherinnen und Österreicher zwischen 1,5 und 1,8% wachsen.

Profitieren könnte davon Agrana , eines der führenden Zucker-Unternehmen Zentral- und Osteuropas.

Österreichische Unternehmen sind optimistisch

Die Ergebnisse der Wirtschaftsbarometer-Umfrage sprechen für sich.

Mehr als 3.000 Unternehmen wurden über Umsatz-Erwartungen, Arbeitsmarkt-Entwicklungen und geopolitische Situationen in Absatzländern befragt.

Auch wenn die Firmen damit rechnen, dass 2017 herausfordernder als 2016 wird, ist die Stimmung insgesamt positiv.

Der Großteil der befragten Konzerne möchte die aktuelle Beschäftigungszahl beibehalten. 15% planen eine Expansion des Personalstandes.

Besonders positiv ist die Stimmung im Dienstleistungs-Sektor: Es wird ein Plus von 3,8% erwartet.

Waren-Exporteure rechnen mit rund 1%. Insgesamt würde der Außenhandel damit 190 Mrd. € erwirtschaften. Das wäre ein neuer Rekord.

Langfristig stabile Inflations-Entwicklung

In Österreich spukte es nie, Mario Draghis Deflations-Gespenst. Bis auf das Jahr 2000 (0,9%) rutschte die Inflationsrate in den vergangenen Jahrzehnten nie unter 1%.

In den letzten 5 Jahren betrug die Preissteuerung konstant zwischen 1,5 und 2,3% und befindet sich damit bereits im Zielkorridor der EZB.

Trotz fallender Energiepreise im vergangenen Jahr stieg das allgemeine Preisniveau um 1,5%. Grund dafür waren die Mietpreise.

Die Wirtschaftskammer Österreichs rechnet mit einer anhaltenden Stabilität der Inflations-Entwicklung in Österreich.

Niedrigzins-Niveau im Land der Bausparer

Das Niedrigzins-Nniveau stellt sich in der Alpen-Republik als besonders problematisch heraus.

Österreich ist das Land der Bausparverträge und Sparbücher. Aktien sind mit einer Aktionärs-Quote von 5% so unbeliebt wie in keinem anderen Land der EU.

Die Inflationsrate in Österreich ist seit Jahren höher als die Zinsen auf Spareinlagen. Die Folge: Der reale Zinsverlust summiert sich auf Milliarden.

Im vergangenen Jahr zeichnete sich eine leichte Veränderung des Sparverhaltens ab:

2016 ist die Zahl der neu abgeschlossenen Sparbücher erstmals gesunken, während die Investitionen in Wohnbauten gestiegen sind.

Die steigende Nachfrage nach Wohnungen als Investitions-Objekte wirkt sich positiv auf Immobilien-Firmen wie die CA Immobilien Anlagen AG oder die UBM Realitätenentwicklung AG aus.

Österreich wird sich positiv entwickeln

Die Alpen-Republik hat zum Jahresauftakt 2017 bewiesen, dass sie auf dem richtigen Weg ist; Österreich verzeichnet ein solides Wachstum in den wichtigsten Bereichen.

Insbesondere die positiven Arbeitsmarktdaten sprechen für eine nachhaltige Kehrtwende.

Die Effekte der Steuer-Reform 2016 klingen zwar langsam ab, der kräftige Realeinkommens-Schub wird jedoch längerfristige Impulse setzen. Ein Ende des Niedrigzins-Niveaus ist nicht absehbar.

Der reale Zinsverlust wird sich also noch auf unbestimmte Zeit negativ auf die Konsum-Ausgaben der Österreicher auswirken.

Investitionen in Wohnraum-Projekte als Alternative zu Zinsverlusten wirken positiv auf die Vermögens-Entwicklung der Privat-Personen – und damit auf deren Konsum-Verhalten.

Fahrzeug-, Maschinen- und Ausrüstungs-Investitionen der Firmen ziehen ebenfalls kräftig an. Insgesamt ist die österreichische Wirtschaft auf Wachstumskurs.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.