Österreichs Konjunktur wird durch ein schwächeres, internationales Umfeld gebremst

ATX Bulle Baer Oesterreich RED – Wiener Börse

Die allgemeinen Prognosen für den Welthandel sind rückläufig, und somit leiden die internationalen Handelsbeziehungen. (Foto: Wiener Börse AG)

Die Prognosen der Zentralbank für das BIP-Wachstum sind vergleichsweise gering. Nicht nur für Österreich, sondern für gesamt Europa. Für 2020 und 2021 wird ein Wachstumsplus von 1,4% im realen BIP erwartet. Es ist zwar eine Wachstumsabschwächung, aber keine Rezession wie in manch anderen EU-Ländern. Österreich liegt im Vergleich über den Wachstumsraten der Eurozone und der Europäischen Union. Die Prognosen des BIP-Wachstums für 2020 liegen sogar leicht über den Prognosen für Deutschland. Die allgemeinen Prognosen für den Welthandel sind rückläufig, und somit leiden die Internationalen Handelsbeziehungen.

Diese Situation bringt auch Unsicherheiten für Unternehmen mit internationalen Absatzmärkten wie AMAG oder FACC. Auf Österreich hat es aus aktueller Sicht noch geringere Auswirkungen wie auf andere Länder. Grund hierfür sind die starken Handelsverflechtungen nach Zentral- und Südosteuropa, auch bei der IMMOFINANZ ersichtlich. Diese Regionen zählen noch immer zu den Wachstumsregionen in Europa. Somit profitiert Österreich einerseits von der geografischen Lage zu diesen Regionen und andererseits von den starken Handelsverbindungen dorthin.

Konjunkturampel zeigt im Export Rot

Dem Arbeitsmarkt- und Dienstleistungssektor geht es sehr gut. Aber nach zwei Jahren der Hochkonjunktur sieht man erste Eintrübungen. Das internationale Umfeld macht es dem österreichischen Exportgeschäft nicht einfach. Aufgrund der wirtschaftlichen Wachstumseinbußen von Deutschland und Asien verzeichnet der Exportmarkt einen ersten Einbruch. Die Industrie leidet zuerst, wenn der Export betroffen ist. Dieses wirtschaftliche Umfeld trifft auch Unternehmen wie Agrana. Zusätzlich setzt der Investitionszyklus der Wirtschaft leicht zu.

Über die vergangenen Jahre sind die Bruttoanlageinvestitionen gut gewachsen. Dieser Investitionszyklus neigt sich dem Ende zu, und die Bruttoanlageinvestitionen gehen zurück. In Zahlen ausgedrückt, wo 2016 die Bruttoanlageinvestitionen noch um 4,2% gestiegen sind, waren es 2018 nur noch 3,5%, und für 2019 werden nur noch 2,7% Wachstum prognostiziert.

Nachfrage am Wohnbaumarkt ist gesättigt

Signifikant ist der Wohnbaubereich, der auch im EU-Vergleich hervorsticht. Die Wohnbauinvestitionen haben deutlich zugenommen, werden aber voraussichtlich 2020 und 2021 wieder abnehmen. Wohnungsbau ist momentan der dominierende Investitionsbereich in der Alpenrepublik. Annahme für die voraussichtliche Abnahme der Investitionen sind die Anzahl der Baubewilligungen.

Nach langer Zeit ist die Anzahl der Baubewilligungen erstmals wieder rückläufig. Die Zahl der Wohnungsfertigstellungen wird aber noch steigen, da der Indikator der Baubewilligungen eine Vorlaufzeit von rund 2 Jahren hat. In den letzten Jahren gab es eine erhöhte Nachfrage am Wohnungsmarkt. Zwar langsam aber doch tritt eine Sättigung ein. Dieser Überhang wird im Jahr 2020 abgebaut sein. Außer in der Hauptstadt Wien; hier wird weiterhin eine Wohnungsnachfrage bestehen.

Niedrige Arbeitslosenquote und hoher Privat-Konsum

Nach einem Absturz der Arbeitslosenquote in das europäische Mittelfeld, hat sich die Arbeitslosenquote erstaunlich positiv entwickelt. Die Alpenregion bewegt sich im EU-Vergleich mit einer niedrigen Arbeitslosenquote von unter 5% im Spitzenbereich. Das Land ist je nach Statistik meist unter den Top fünf EU-Ländern mit geringer Arbeitslosenquote zu finden. Auch mit einer geringen Jugendarbeitslosigkeit kann das Land punkten. Der private Konsum ist als tragende Säule des BIP-Wachstums interessant. Das Haushaltseinkommen in der Alpenrepublik wird 2019 um 2,2% wachsen.

Der Privatkonsum wird weiterhin um 1,6% wachsen. Wir fragen uns, woher das wachsende Einkommen kommt. 2019 sind die Arbeitnehmerentgelte stark angestiegen, aufgrund der starken Lohnsteigerungen. In den guten Lohnabschlüssen spiegelt sich die gute Konjunktur wider. Ein weiterer Grund für den erhöhten Privatkonsum ist die Sparquote. Die Österreicher sparen weniger. Aufgrund der leicht sinkenden Sparquote wird der Privatkonsum in den nächsten Jahren gestützt.

Staatshaushalt im Überblick

Im Jahr 2018 hatte die Alpenrepublik erstmals seit Jahren kein Defizit im Haushaltssaldo zu verbuchen. An diesen positiven Entwicklungen im Budgethaushalt möchte man anknüpfen. Jedoch sind die Prognosen von Finanzministerium und Österreichischer National Bank unterschiedlich. Mit Prognosen von einem Budgetüberschuss von 0,1 und 0,5% des BIP.

Aufgrund der politischen Ungewissheit bezüglich Regierungskonstellation und künftiger Steuerreformierungen können hier nur schwer Prognosen getroffen werden. Die Schuldenquote sollte sich über die nächsten Jahre verringern. Einerseits ist die nominelle Wachstumsrate leicht höher als die Zinsen der alten Staatsverschuldung, andererseits hat die neue Staatsverschuldung sogar einen Negativzins. Aufgrund dessen verringert sich die Schuldenlast sozusagen zu einem geringen Teil automatisch.

Die Politik kehrt in die Normalität zurück

Die Ibiza Affäre um den damals amtierenden Vizekanzler sorgte für internationales Aufsehen. Die ÖVP-FPÖ-Koalition ist daraufhin im Mai zerbrochen. Danach wurde erstmals in Österreich ein Kanzler mit einem Misstrauensvotum abgewählt. Somit war Kurz abgesetzt, und Bundespräsident Van der Bellen musste eine Expertenregierung bestellen.

Österreich betrat Neuland mit der ersten Expertenregierung. Kurz vor den Neuwahlen im September warf ein Spesenskandal der FPÖ die Umfragewerte durcheinander. Die FPÖ musste beim Wahlergebnis einen großen Rückschlag hinnehmen. Mit über 37% gewannen die türkisen Konservativen die Wahlen, und Kurz ist zurück an der Spitze als Bundeskanzler. Kurz hat eine Auswahl an drei Regierungspartnern, SPÖ (Rot), FPÖ (Blau) und den Grünen. Erst mit der Regierungsbildung wird der neue politische Kurs ersichtlich werden.

Fazit: Wachstum mit unsicheren Faktoren

Die österreichische Wirtschaft schlägt sich wacker in einem eher schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Zu den Favoriten aus der Alpenrepublik zählt die CA Immobilien Anlagen AG. Die schwierigen weltwirtschaftlichen Bedingungen bringen gewisse Unsicherheiten für die Unternehmen mit sich, was sich in den sonst meist nur durchschnittlich prognostizierten Kursentwicklungen widerspiegelt.

Für das Land stehen die überwiegenden Prognosen auf Wachstum. Die wesentlichen Indikatoren zeigen in die positive Richtung. Trotzdem gibt es eine Reihe von abwärts gerichteten Unsicherheiten aus dem Weltwirtschaftsraum, Europa und innenpolitischer Sicht. Im Großen und Ganzen bietet Österreich als Wirtschaftsstandort jedoch ein solides Umfeld.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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