Österreichs Skihütten ächzen unter Personalmangel

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Ruhetage in Österreichs Skigebieten – zur Hochsaison? Das kann passieren, Grund: Personalmangel. Doch es droht noch weitaus Schlimmeres. (Foto: Pyty / shutterstock.com)

Der Dezember hat begonnen, in Österreich herrscht Hochsaison. Die Skiregionen erfreuen sich seit Jahren immer größerer Beliebtheit unter den Gästen, die von überall her in die Berge strömen. Besonders beliebt sind die österreichischen Skigebiete bei Touristen aus Deutschland. Sie machen den größten Anteil aus.

In diesem Jahr aber steht die Branche vor einem gewaltigen Problem: Der Ansturm der Touristen steht im Kontrast zu fehlendem Personal. Skilehrer gibt es zwar genug, doch laut Wirtschaftskammer müssen zahlreiche Betriebe zusätzliche Ruhetage einlegen – auch die ersten Skihütten sollen davon betroffen sein.

Beim Skiverleih, im Wellness-Bereich von Hotels sowie in der Gastronomie sind demnach aktuell rund 9.000 Stellen unbesetzt. Doch die Branche boomt, die Umsätze liegen pro Saison mittlerweile im zweistelligen Milliardenbereich – Tendenz: steigend.

Klimawandel setzt 2018 spürbare Akzente in Europa

Doch nicht nur Personalmangel macht den von Wintertourismus geprägten Regionen zu schaffen, auch der Klimawandel hinterlässt seine Spuren. So mussten bereits in den vergangenen Jahren immer wieder Skipisten gesperrt werden, weil einfach nicht genug Schnee lag. Die aktuell insgesamt wieder milden Temperaturen lassen auch für den Auftakt der diesjährigen Saison nicht viel Besseres erwarten.

Insgesamt sind 2018 auch hierzulande die Auswirkungen des Klimawandels deutlicher spürbar als in der Vergangenheit. Der Rekordsommer mit monatelangem Sonnenschein hinterlässt eine Dürre im Herbst, die Ernteausfälle begünstigt und wichtige Wasserstraßen wie den Rhein für zahlreiche Lastschiffe kaum mehr passierbar macht.

Das anhaltende Niedrigwasser führt bereits jetzt zu weiteren Effekten, etwa immensen Preisunterschieden an den Tankstellen: In Köln kostete der Liter Benzin Ende November fast 20 Cent mehr als in Hamburg, sofern die Tankstellen im Rheinland überhaupt noch Sprit anbieten konnten. Einige Zapfsäulen waren komplett geschlossen – aufgrund von Lieferengpässen wegen des niedrigen Rheinpegels.

Schlimmer als fehlende Kellner? Fehlender Schnee!

Von umso größerer Bedeutung ist die Klimakonferenz, die in dieser Woche im polnischen Kattowitz stattfindet. Denn obwohl sich die Vereinten Nationen bei ihrem Klimagipfel in Paris vor ziemlich genau drei Jahren auf ein vielbeachtetes gemeinsames Abkommen zur Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase verständigt hatten, ist seitdem das Gegenteil eingetreten. Die Emissionen haben weltweit sogar noch zugenommen.

Geht die Luftverschmutzung in diesem Tempo weiter, wird der Temperaturanstieg laut Meteorologen bis zum Jahr 2100 mindestens 3 Grad betragen im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. Die Zielvereinbarung von maximal 2 Grad ist schon jetzt kaum noch zu halten.

Durch die steigende Durchschnittstemperatur verändert sich das globale Klima nachhaltig, da beispielsweise Permafrostböden auftauen oder die Polkappen abschmelzen, was Meeres- und Luftströmungen beeinflusst, die für die Wetterentwicklung essenziell sind.

Bereits in ein bis zwei Generationen könnte dann der Personalmangel das geringste Problem der österreichischen Wintertourismusbranche sein. Schneemangel wäre auf Dauer wohl deutlich gravierender.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.