Ohne Volumen keine Charttechnik – so viel ist sicher!

Manchmal bin ich wirklich erstaunt, wie schnell die Zeit vergeht.

Es kommt mir nur wie Stunden vor, dass ich die letzten Vorbereitungen für das Weihnachtsfest getroffen habe und jetzt ist Weihnachten bereits wieder vorüber.

Ich hoffe, Sie hatten ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell am Heiligabend die Stadt ruhig wird.

Es fahren kaum noch Autos. Es finden sich kaum noch Fußgänger auf den Gehwegen. (Hundebesitzer wie ich sind da eine Ausnahme. Schließlich muss der vierbeinige Freund auch an Feiertagen seine „geschäftlichen Termine“ wahrnehmen.)

Ich bin ein großer Freund dieser Ruhe an den Weihnachtstagen. Es ist einfach sehr schön, wenn das hektische Treiben für wenige Tage zum Erliegen kommt.

Für einen charttechnisch arbeitenden Trader und Anleger ist das mit der Ruhe an der Börse während des Jahres hingegen so eine Sache.

Börse: Es muss eine Massenveranstaltung sein

Ruhe ist an der Börse ein zweischneidiges Schwert. Natürlich gab es besonders im Jahr 2011 Tage und Wochen am Aktienmarkt, die durchaus ein wenig ruhiger hätten sein dürfen.

Aber ein Charttechniker braucht „Volumen im Markt“. Das bedeutet, dass die Kurse unter möglichst hohen Umsätzen zu Stande kommen.

Nur so kann er die Massenpsychologie für seine Analysen auswerten. Schließlich geht es bei der Charttechnik nur um Psychologie. Und diese zeigt sich in ihrer reinsten und auch verlässlichsten Form nur dann, wenn möglichst viele Anleger beteiligt sind.

Volumen ungleich Volatilität

Verwechseln Sie aber bitte auf keinen Fall das Volumen, also die Menge der gehandelten Aktien, mit der Volatilität, also der Schwankungsbreite der Wertpapiere.

Ein Aktienmarkt, der viel Volumen aufweist, muss nicht zwangsläufig sehr volatil sein.

In der Regel ist es sogar so, dass ein hohes gehandeltes Volumen tendenziell den Markt beruhigt.

Denn dann findet sich schnell zu jedem Käufer ein Verkäufer und umgekehrt. Angebot und Nachfrage finden schnell zusammen. Auf diese Weise werden Kurssprünge vermieden.

Unterstützungen und Widerstände: Klarheit durch Volumen

Dadurch, dass ein hohes Volumen zufallsbedingte Kurssprünge gering hält, gewinnt der Chart an Aussagekraft.

Wenn eine Aktie von vielen Anlegern und Tradern mit hohen Stückzahlen gehandelt wird, sind Unterstützungen und Widerstände weitaus aussagekräftiger.

Es macht einen großen Unterschied aus, ob eine Aktie mit hohem Volumen ein neues Allzeithoch erreicht, oder ob sie nur von einer Handvoll Anleger mit minimalen Stückzahlen auf dieses Niveau „gehievt“ wird.

Im ersten Fall ist die Meinung vieler, dass diese Aktie neu bewertet werden muss. Somit wird der Kursanstieg zu einem verlässlichen charttechnischen Signal.

Im zweiten Fall könnte auch eine Manipulation interessierter Kreise dahinter stecken, die diese Aktie „pushen“ und eine charttechnische Falle (Bullenfalle) „bauen“ wollen.

So vermeiden Sie charttechnische Fallen

Sie merken schon: Es läuft alles auf das Volumen hinaus.

Sie sollten charttechnische Signale mit gebührender Skepsis betrachten, wenn sie unter stark sinkendem Volumen entstehen.

Wenn eine Aktie unter geringem Volumen eine Unterstützung unterschreitet oder einen Widerstand überschreitet, sollten Sie diesem Signal nicht blind folgen. Erst wenn es sich unter ansteigendem Volumen bestätigt, wird es „sicherer“.

Und: Sie sollten sich prinzipiell davor hüten, Aktien zu handeln, die immer wenig Volumen aufweisen.

Hier ist die Gefahr für den Privatanleger besonders groß, einer Aktienmanipulation zum Opfer zu fallen.

Volumen: Der Freund des Anlegers und Traders

Das Volumen ist also der beste Freund des Traders und Anlegers.

Und wenn dieses Volumen fehlt, sollten Sie am Markt nicht aktiv sein.

Gerade an Tagen wie diesen, an denen die meisten Marktteilnehmer im Urlaub sind, ist das an der Börse gehandelte Volumen so gering, dass viele Kurse mehr zufallsbedingt zustande kommen.

Meine Empfehlung an Sie:

In den nächsten Tagen sollten Sie mit sehr geringen Umsätzen am Aktienmarkt rechnen.

Da dürfte es sinnvoller sein, sich noch ein wenig Ruhe zu gönnen, bevor die Masse der Anleger wieder aktiv wird.

Denn mit ihnen kommt auch wieder das Volumen zurück, das Ihnen verlässliche Charttechnik-Signale beschert.

Und dann können auch Sie erholt wieder an den Markt zurückkehren.

27. Dezember 2011

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Jörg Mahnert
Von: Jörg Mahnert. Über den Autor

Jörg Mahnert, Jahrgang 1966, kam bereits in jungen Jahren in Kontakt mit der Börse. Bereits mit 18 Jahren betreute er sowohl eigene Depots als auch den familiären Aktienbesitz.

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