Oil Search lehnt Woodside-Offerte ab

In der vergangenen Woche habe ich Ihnen über die Öl- und Gaspreisschwäche berichtet und die daraus resultierenden Folgen für das Übernahme-Geschäft. Dabei haben Sie erfahren, dass ein niedriger Ölpreis Unternehmen mit hohen Förderkosten quasi zu Zusammenschlüssen zwingt.

Erst am Wochenende meldeten sich Analysten zum Thema „Öl und Gas“ wieder zu Wort. Es zeigte sich zur Preisperspektive allerdings kein klares Bild.

Während Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs einen Preis von 20 US-Dollar für möglich halten (allerdings nicht im Basis-Fall), rechnen viele andere Analysten damit, dass es im kommenden Jahr wieder bergauf geht mit den Preisen.

Doch auch wenn angenommen wird, dass im kommenden Jahr der Ölpreis im Durchschnitt bei 50 oder 60 Dollar, wird das die Branche weltweit zu Zusammenschlüssen zwingen.

Am vergangenen Montag wurde angenommen, dass nach der Woodside-Offerte für Oil Search der Startschuss für eine Konsolidierung im australischen Gassektor gefallen ist. Doch dem ist offenbar (noch) nicht so. Denn der Übernahme-Kandidat hat das Milliarden-Angebot als unzureichend zurückgewiesen.

Woodside will Zugang zu lukrativen Flüssiggas-Projekten bekommen

Als Reaktion auf die niedrigen Energie-Preise wollte Woodside Petroleum für 8 Mrd. Dollar Oil Search übernehmen. Über Größeneffekte wollte Woodside die Effizienz steigern, um damit dem Preisdruck entgegen zu wirken.

Woodside steht schon länger unter Druck und musste bereits Projekte mangels Wirtschaftlichkeit einstellen. Mit dem Deal wollte der Konzern Zugang zu Flüssiggas-Projekten in Papua Neuguinea bekommen, deren Wirtschaftlichkeit auch jetzt noch gegeben ist. Problem: Oil Search lehnte genau deswegen ab.

Angebot zu niedrig: Übernahme-Kandidat will mehr Geld

Der Übernahme-Kandidat teilte mit, dass die Offerte nicht dem fairen Wert der Projekte entspricht. Wichtige Aktionäre hatten zuletzt ebenfalls den Preis als zu niedrig erachtet.

Woodside zeigte sich dennoch überrascht, dass die Gegenseite ohne Gespräche direkt einen Korb verpasste. So ganz überraschend dürfte die Ablehnung allerdings nicht sein. Im Moment handelt es sich eher um den typischen Preispoker, bei denen der Übernahme-Kandidat das Maximale rausholen will und der Bieter möglichst wenig zahlen will.

Deal nicht vom Tisch

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass in dem Übernahme-Kampf noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Vermutlich war das Erstgebot ein Testballon, um festzustellen wie Oil Search und die Aktionäre reagieren. Gut möglich, dass zeitnah eine höhere Zweitofferte folgt.

Der Woodside-Chef will sich auf jeden Fall diese Woche auf den Weg nach Papua-Neuguinea machen, um dort mit der Politik über deren Anteil an Oil Search und einem wichtigen Projekt zu sprechen.

In Abhängigkeit des Gesprächsausgangs könnte es eine Angebotsaufstockung geben.

Aktien der beteiligten Unternehmen reagieren kaum

Aktionäre beider Lager haben die Neuigkeiten gelassen aufgenommen. Normalerweise wäre anzunehmen gewesen, dass eine Angebotsablehnung die Aktie des Übernahme-Kandidaten unter Druck setzt, doch wenn – wie im Falle von Oil Search – eine Angebotsaufstockung wahrscheinlich ist, dann kann die Aktie die Zugewinne verteidigen.

In einem leicht positiven australischen Handel verteuert sich das Oil Search-Papier um 0,54%. Woodside-Aktien notieren zum Handelsschluss unverändert. Alles ist möglich – auch der Einstieg eines weiteren Bieters.

14. September 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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