OK auch für Syngenta? EU-Kommission gibt Dow-Dupont-Fusion frei

Die 130 Mrd. Dollar-Fusion zwischen den beiden US-Chemie-Giganten Dow Chemical und Dupont hat eine wichtige Hürde genommen:

Die EU-Kommission teilte heute mit, dass einem Deal grundsätzlich nichts im Wege steht.

Wie erwartet, erfolgt die Deal-Freigabe allerdings nur, wenn die Fusions-Partner einen großen Teil der Dupont-Pestizid-Sparte verkauft.

Aktionäre begrüßen die Entscheidung: Gegen einen schwachen Gesamtmarkt können sich die Aktien der beiden Konzerne behaupten.

Aus 6 werden 3: Branchen-Konsolidierung in der Agrarchemie-Branche

Rückblick: Durch die Agrarchemie-Branche rollt eine Übernahme-Welle. 6 der 7 größten Anbieter suchen den Schulterschluss mit einem Rivalen.

Dow Chemical will mit Dupont fusionieren, Bayer mit Monsanto und Syngenta mit ChemChina.

Die Idee ist, dass durch die Fusionen erhebliche (Forschungs-)Synergien gehoben werden können und eine genauere Abstimmung von Saatgut und Pestizide-Einsatz den Erfolg für die Konzerne und die Landwirte erhöht.

Dow- und Dupont-Aktie trotzen dem schwachen Gesamtmarkt

Wenn es innerhalb der Branchen-Spitze zu einer Konsolidierung kommt, dann schauen die Wettbewerbs-Behörden genauer hin.

Umwelt und Gesundheit sind sensible Bereiche, weswegen bei der Fusions-Welle in der Agrarchemie ganz besonders genau hingeschaut wird.

Es ist offensichtlich, dass sich die Auswahl-Möglichkeiten für die Landwirte verringern.

Letztendlich konnten die beiden Konzerne die Bedenken allerdings ausräumen – auch weil neben der Pestizid-Sparte fast die gesamte Forschung von Dupont verkauft wird.

Dass die Aktien von Dow und Dupont heute trotz der Auflagen deutlich besser abschneiden als der Gesamtmarkt, zeigt Ihnen:

Die Investoren sehen dennoch einen erheblichen Mehrwert in der größten Chemiebranchen-Transaktion der Geschichte.

In den vergangenen 12 Monaten konnten beide Aktien um rund 30% zulegen.

Syngenta-Freigabe könnte als nächstes bekannt gegeben werden

Das Übernahme-OK gilt auch als wichtiger Fingerzeig für die beiden anderen Deals in der Branchen-Spitze:

In der Vorwoche machten Gerüchte die Runde, dass die EU in dieser Woche auch die Übernahme von Syngenta durch ChemChina durchwinken würde.

Die Freigabe-Entscheidung der 43 Mrd. Dollar schweren Übernahme entwickelte sich zur unbequemen Hängepartie für die Aktionäre.

Denn die Deal-Bekanntgabe erfolgte bereits im Februar 2016 und sollte eigentlich bis Dezember 2016 abgeschlossen sein.

Doch dann gab es immer wieder Verzögerungen, sodass eine zeitnahe Freigabe für die Aktionäre eine kleine Erlösung sein dürfte.

Was ist mit Bayer/Monsanto und BASF?

Wenn die beiden Übernahmen wasserdicht sind, wird die EU-Kommission noch den Fall Monsanto und Bayer prüfen.

Vielfach angenommen wird, dass ein OK bei Dow Chemical-Dupont und Syngenta-ChemChina auch eine Freigabe des deutsch-amerikanischen Zusammenschlusses bedeutet.

Doch bremst die EU-Kommission und verweist darauf, dass dann die neue Situation Ausgangs-Basis der Bewertung ist.

Zuletzt stellt sich noch die Frage, was die Konsolidierung für BASF bedeutet.

Nicht wenige Analysten sind der Ansicht, dass es die Ludwigshafener zukünftig schwerer in dem Bereich haben werden. Das muss aber nicht stimmen.

Die Zusammenschlüsse erfordern bei allen 3 Fusionen den Verkauf von Unternehmens-Teilen.

BASF könnte dadurch einiges zum Schnäppchenpreis ergattern und sich am Ende ohne Deal als heimlicher Sieger der Konsolidierungs-Welle entpuppen.

27. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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