Olympus bricht zu neuen Ufern auf

Ein Bilanzskandal trieb das Unternehmen fast in den Ruin. Doch alles Geschichte, nun bricht man sogar zu neuen Ufern auf. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Kameras, also eigentlich Fotoapparate, sind ja zwischenzeitlich sehr aus der Mode gekommen. Jedes bessere Mobiltelefon oder gar jedes noch so simple Smartphone hat mittlerweile eine Zusatzkamera eingebaut.

Und dann kommt da auch noch Nokia um die Ecke und stellt am kommenden Donnerstag ein Smartphone vor, das mit einer 41-Megapixel-Kamera qualitativ die großen Digitalkameras angreift.

Ein Novum, das ein Handy einfach mal so nebenbei auch noch eine hochwertige Fotokamera bietet und damit das Mitführen von 2 Geräten unnötig macht.

Die Kombination wird vom Markt gut aufgenommen werden, darauf habe ich bereits vor einigen Wochen mehrfach hingewiesen.

Die Aktien von Nokia, die die Leser des Point&Figure-Trader auf meine Empfehlung hin frühzeitig gekauft haben, notieren zwischenzeitlich mit +19,6% (heute 11.50 Uhr) deutlich im Plus.

Aber hier soll jetzt nicht weiter von den Erfolgen des Point&Figure-Trader die Rede sein, nein, es soll um den Kamerahersteller Olympus gehen.

Bilanzfälschungsskandal vernichtet Milliarden an Firmenwert

Das japanische Unternehmen, den meisten unter uns als Hersteller digitaler Fotokameras in sämtlichen Preisspannen bekannt, hat in den letzten 24 Monaten schwere Zeiten hinter sich gebracht.

Ein Bilanzfälschungsskandal, mit dem die Führungsriege um den ehemaligen Konzernchef Kikukawa Spekulationsverluste in Höhe von 1,17 Mrd. Euro zu verschleiern versuchte, flog auf.

Der inzwischen verurteilte Ex-Manager musste gehen, die Bilanz wurde entsprechend  wertberichtigt.

Dier Skandal und seine Folgen blieben nicht ohne Auswirkung auf den Aktienkurs, das Unternehmen verlor Milliarden an Firmenwert, die Aktie sank von 25,00 € auf nur noch 4,25 €, ein Kursverlust von deutlichen  -83%.

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Doch offensichtlich war der dramatische Kursverfall nur Ausdruck einer allgemeinen Panik, denn nach dem Tief erholten sich die Kurse rasch wieder.

Mutige Aktionäre setzten auf den Markennamen und die bekannte Produktpalette aus Digitalkameras, Ferngläsern, Diktiergeräten, Mikroskopen und medizinischen Endoskopen.

Sony stärkt den Mitbewerber mit 500 Mio. Euro

Auch der Wettbewerb verfolgte den Niedergang interessiert und  nutzte die Schwäche für sich. Mit 500 Mio. Euro sicherte sich Mitte 2012 Sony einen nicht unbeträchtlichen Anteil an Olympus.

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Die Stärkung der Kapitaldecke war hochwillkommen, sicherte sie doch die begonnene Erholungsphase des Unternehmens ab.

Die Folgen des Sony-Einstiegs für den Aktienkurs sind nicht zu übersehen, die zögerliche Aufwärtstendenz in 2011 erhielt Mitte 2012 dann den notwendigen Schub.

Der Widerstand bei 13,50 € konnte überwunden werden, die Aktie der Olympus Corporation (WKN 856840, Ticker OLY1) wechselte in ein Point&figure-Kaufsignal mit einem Kursziel von 23,50 € (beschrifteter grüner Kreis).

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Das errechnete Kursziel wurde vor 6 Wochen erreicht, sogar um knapp 2,00 € übertroffen. Doch seither stagniert der Kurs bzw. hat leicht den Rückwärtsgang eingelegt, Sie sehen es an der 3-teiligen roten O-Säule im Chart.

Point&Figure-Kursziel erreicht, nun stockt der Kurs

Die Anleger wurden in den letzten Tagen vorsichtiger, denn Gerüchte um eine erneute Kapitalmaßnahme gingen im Markt um und ließen reichlich Raum für Spekulationen.

Doch nun ist die Katze aus dem Sack, Olympus benötigt frisches Geld zur Expansion. Durch den Verkauf neuer Aktien sollen 70-100 Mrd. japanische Yen (ca. 540-700 Mio. Euro) eingesammelt werden.

Das Management um den neuen Konzernchef Shuichi Takayama richtet das Unternehmen neu aus, und will mit frischen Mitteln  den zukünftigen Fokus auf die Sparte Medizintechnik legen und in Entwicklungs- und Schwellenländer expandieren.

Die Chancen, dass sich Olympus hier erfolgreich im Markt positionieren und behaupten kann sind sehr gut, im Bereich medizinischer Endoskope ist man mit einem Anteil von 70% bereits Weltmarktführer.

Und mit einem guten (Marken-)Namen lassen sich auch leicht weitere artverwandte Produkte vertreiben, gerade in bislang nicht erschlossenen neuen Märkten.

Das Management jedenfalls ist zuversichtlich, hier entsprechend erfolgreich agieren zu können und stellt bereits für das laufende Bilanzjahr einen Gewinn von 230 Mio. Euro in Aussicht, Tendenz steigend.

So recht scheint man dem Angebot und den Aussagen der Führungsspitze aber nicht zu trauen, die Investoren lässt die Offerte bislang kalt, sie warten ab, wie erfolgreich der Verkauf der neuen Aktien läuft und wer die Käufer sein werden.

Und so bleibt auch uns Point&Figure-Tradern nichts anderes übrig, als abzuwarten, nein, zu lauern. Nämlich auf den Ausbruch des Kurses über die Marke bei 25,00 €.

Denn mit deren Überspringen hätten wir zumindest einmal ein neues Point&Figure-Kaufsignal. Was das an Kursgewinnen bringen mag, das werden wir dann sehen.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.