OMV vs. Chevron, zwei Öl-Aktien mit Potenzial

Chevron Logo RED_shutterstock_81710530_Denis Kuvaev

OMV trennt sich von weniger profitable Randgeschäften, Chevron konzentriert sich auf das Ölgeschäft und verringert damit die Abhängigkeit vom Erdgas. (Foto: Denis Kuvaev / shutterstock.com)

OMV hat im 1. Halbjahr von Sondereffekten profitiert. Bei einem Umsatzwachstum von 4,9% stieg der Gewinn um 38%.

Beflügelt hat ein Sonderertrag von mehr als 400 Mio € aus dem Verkauf von Randaktivitäten. Aufgrund geringerer Ölpreise und Fördermengen kam es aber in der wichtigen Sparte Exploration und Produktion zu einem Ergebnisrückgang um 10% auf 1,25 Mrd €.

Die tägliche Öl- und Gasproduktion sank um 1% auf 299.000 Barrel. Dank deutlich höherer Cashflows konnten die Nettoschulden auf 2,2 Mrd € halbiert werden. Der Konzern hat keine konkrete Jahresprognose abgegeben.

Die Raffineriemargen werden aber wegen der nachlassenden Nachfrage deutlich geringer ausfallen. Ein Unsicherheitsfaktor ist auch die politische Lage in Nordafrika und Nahost. In Libyen wurde die Produktion schon wieder unterbrochen.

Zyklische Bereiche werden verkleinert, das Fördergeschäft ausgebaut

Mittelfristig will OMV sein hoch zyklisches Raffinerie- und Marketinggeschäft deutlich verkleinern. Dagegen wird der Ausbau des Fördergeschäfts beschleunigt, und zwar vorrangig in politisch stabilen Regionen. Aktuell ist OMV dabei, der norwegischen Statoil wesentliche Beteiligungen in der Nordsee für mehr als 2 Mrd € abzukaufen.

Mit dem Deal sichert sich OMV 320 Mio Barrel an Öl- und Gasreserven. Vor diesem Hintergrund ist die Steigerung der Produktion auf 350.000 Barrel bis 2016 realistisch. Die größte Investition der Konzerngeschichte wird aus eigener Kraft gestemmt und soll schon nächstes Jahr einen Ergebnisbeitrag von 375 Mio € liefern.

Der Ausbau des Fördergeschäfts ist zwar strategisch zu begrüßen, der Nordsee-Deal aber nicht ganz billig.

Unternehmensporträt

Der österreichische Öl- und Gaskonzern gliedert sich in die Bereiche Raffinerie & Marketing, Exploration & Produktion sowie Erdgas. Zur Gruppe gehören daneben integrierte Kunststoff- und Chemieunternehmen. Der Konzern betreibt 4.432 Tankstellen in 13 Ländern. Der Staat ist zu 31,5% an OMV beteiligt.

Chevron Logo RED_shutterstock_681838189_Jonathan Weiss

Diese Aktie steht bei Value-Investoren auf der EinkaufslisteValue-Investoren brauchen einen langen Atem. Eine Unterbewertung kann sich extrem lange hinziehen. Das gilt auch für diesen US-Ölwert, der aber sehr attraktiv bewertet ist. › mehr lesen

Chevron hat mit seinen Halbjahreszahlen nicht ganz so stark enttäuscht wie die Konkurrenz

Verantwortlich für die Rückgänge war ein sehr schwaches 2. Quartal. In diesem Zeitraum schrumpfte der Umsatz um 8,4%, und der Gewinn brach um gut ein Viertel ein. Belastet hatten der gesunkene Ölpreis sowie höhere Kosten für die Wartung und Reparatur einzelner Raffinerien.

Dennoch wurde die Quartalsdividende um 11% auf 1 $ pro Aktie angehoben und für 1,25 Mrd $ eigene Aktien zurückgekauft. Der Konzern kann es sich leisten. Die Bilanz ist mit einer Eigenkapitalquote von 59% und liquiden Mitteln von aktuell 22,3 Mrd $ im Branchenvergleich ausgesprochen robust.

Chevron-Aktie schneidet besser ab als die Konkurrenz

Betrachtet man die Entwicklung der Aktie, stellt man fest, dass Chevron auf lange Sicht besser abschneidet als die unmittelbaren Konkurrenten Exxon, Royal Dutch Shell, BP oder Total. Der Grund: Chevron profitiert davon, dass er sich stärker auf das profitable Ölgeschäft konzentriert und die Erschließung neuer Vorkommen forciert.

So ist die tägliche Öl- und Gasproduktion im 1. Halbjahr auch nur um 0,6% auf 2,61 Mio Barrel zurückgegangen. Und auch der Gewinnrückgang im Upstream-Geschäft fiel mit 7,9% geringer aus als im gesamten Konzern.

Erdgas spielt nur eine untergeordnete Rolle, weil es sich kaum noch rentiert. Vor allem in den USA sind die Gaspreise stark gefallen, weil Fracking zu einem Überangebot geführt hat.

Das 1. Halbjahr und besonders das 2. Quartal waren nur eine Momentaufnahme. In einem konjunkturell besseren Umfeld wird der Ölpreis wieder anziehen und für profitables Wachstum sorgen.

Unternehmensporträt

Chevron Corp. ist einer der weltgrößten Energiekonzerne und der zweitgrößte Ölproduzent der USA. Mit seinen Geschäftsfeldern deckt Chevron die gesamte Palette der Industrie ab, von der Exploration und Produktion über den Transport, die Raffinierung bis hin zur Vermarktung von Öl und Gas. Daneben fördert Chevron Kohle und stellt petrochemische Produkte her.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.