Online-Broker: Charles Schwab schluckt Mitbewerber TD Ameritrade für 26 Mrd. USD

Aktien Kurse – katjen – shutterstock_563607403

Übernahmen mit einem Volumen im zweistelligen Milliardenbereich sind immer etwas Besonderes. Ein solcher Megadeal wurde gestern in den USA bekanntgegeben. (Foto: katjen / Shutterstock.com)

In den USA steht die nächste Übernahme im zweistelligen Milliardenbereich an: Zwei führende Unternehmen des amerikanischen Discount-Broker-Marktes, die Charles Schwab Corporation (Schwab) und die TD Ameritrade Holding Corporation (Ameritrade), haben gestern bekanntgegeben, dass sie eine Übernahmevereinbarung unterzeichnet haben.

Per Allstock-Transaktion zum Marktführer

Schwab mit Hauptsitz in San Francisco will die kleinere Ameritrade aus Omaha/Nebraska in einem reinen Aktientausch (Allstock-Transaktion) für sagenhafte 26 Mrd. USD übernehmen. Ameritrade-Anleger erhalten für ihre Papiere jeweils 1,084 Schwab-Aktien, was einer Prämie von 17% auf das volumengewichtete 30-tägige Durchschnittspreis-Austauschverhältnis vom 20. November 2019 entspricht.

Nehmen die Ameritrade-Anleger das Angebot an, entsteht der mit Abstand größte Billig-Anbieter auf dem US-amerikanischen Broker-Markt. Das sieht auch Walt Bettinger, seines Zeichens Präsident und CEO von Schwab, so: “Mit dieser Transaktion werden wir die einzigartige Gelegenheit nutzen, ein Unternehmen mit der Seele eines Herausforderers und den Ressourcen eines großen Finanzdienstleistungsinstituts aufzubauen, das einzigartig positioniert ist, um die Anlage-, Handels- und Vermögensverwaltungsbedürfnisse der Anleger in jeder Phase ihrer Finanzreisen zu erfüllen”.

Durch die Übernahme von Ameritrade erhält Schwab rund 12 Millionen neue Kundenkonten, 1,3 Billionen US-Dollar an Kundenvermögen und 5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Das neue Unternehmen hat eine Marktkapitalisierung bzw. Börsenwert von rund 88 Mrd. USD. Zum Vergleich: Der Börsenwert der seit längerem schwächelnden Deutschen Bank liegt aktuell bei nur 12,6 Mrd. USD!

Markt begrüßt Zusammenschluss

Die Anleger reagierten positiv auf den vereinbarten Deal: Die Aktienkurse beider Unternehmen zogen am gestrigen Montag deutlich an. An der New Yorker Börse (NYSE) stiegen die Schwab-Papiere um +2,28% und lagen bei Börsenschluss bei 49,32 USD. Der Kurs von Ameritrade kletterte sogar um +7,58% und schloss bei 51,78 USD. Es spricht also alles für einen reibungslosen Deal-Ablauf.

Starker Konkurrenzkampf und Kostendruck

Auf dem US-Discount-Brokermarkt herrscht seit Jahren ein starker Konkurrenzkampf. Anbieter wie Ameritrade, Schwab, Fidelity, E*TRADE, Interactive Brokers, Merrill Edge und TradeStation liefern sich einen Preiswettkampf und locken ihre Kunden mit Null-Dollar-Gebühren im Online-Handel.

Kosteneinsparungen spielen daher auch eine wichtige Rolle bei der Ameritrade-Übernahme. Schwab geht davon aus, dass die Übernahme „zu niedrigeren Betriebskosten im Verhältnis zu den Kundenvermögen führen wird, was dazu beiträgt, verbesserte Fähigkeiten zur Kundenzufriedenheit zu finanzieren, die Wettbewerbsposition des Unternehmens zu verbessern und seinen finanziellen Erfolg zu steigern.“

Aber nicht nur Größenvorteile in Form von Skaleneffekten werden nach der erfolgten Übernahme zur Kostenreduzierung beitragen. Es wird auch zu Entlassungen kommen, wie Schwab auf seiner Internetseite unumwunden zugibt.

Charles Schwab mit Übernahmeerfahrung

Für Schwab ist die Übernahme von Ameritrade nicht die erste Akquisition in diesem Jahr. Bereits im Sommer gab der Discount-Broker bekannt, dass er Vermögenswerte der USAA Investment Management Co. einschließlich Brokerage und verwalteter Portfoliokonten für 1,8 Mrd. USD in bar übernehmen wird.

Wie es weitergeht

Stimmen die Ameritrade-Aktionäre und auch die Aufsichtsbehörden dem Übernahme-Deal zu, soll die Akquisition in der zweiten Jahreshälfte 2020 abgeschlossen werden. Das fusionierte Unternehmen wird seinen Hauptsitz auf den neuen Campus von Schwab in Westlake/Texas haben. Beide Unternehmen sind bereits in der Region um Dallas-Fort Worth stark vertreten. Die Schwab-Niederlassung am bisherigen Firmensitz in San Francisco soll als Zweigstelle weitergeführt werden. Ob der Ameritrade-Standort in Omaha langfristig erhalten bleibt, ist offen.

Bankautomat – totojang1977 – shutterstock_363549257

Franken & Euro - Entwicklung, Wechselkurse & Tipps für erfolgreiche AnlagestrategienEinige Anleger haben durch die Aufhebung der Franken-Euro-Bindung zum Teil viel Geld verloren – unter Umständen können sie sich wehren. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.