Online-Medien: BuzzFeed übernimmt HuffPost

Wall Street – shutterstock_267083465 Matej Kastelic

Der US-Online-News-Sektor wird derzeit von einer Übernahmewelle überrollt. Letztes Beispiel ist die Übernahme der HuffPost durch den News-Anbieter BuzzFeed. (Foto: Matej Kastelic / Shutterstock.com)

Der US-amerikanischen Online-News-Sektor wird momentan von einer Übernahmewelle überrollt. Nach diversen Übernahmen im letzten Jahr hat es in der vergangenen Woche das auch in Deutschland bekannte News-Portal HuffPost erwischt.

Die in New York beheimatete HuffPost wird von ihrer Muttergesellschaft Verizon Media an das ebenfalls in New York ansässige Newsportal BuzzFeed Inc. verkauft. Dies gaben Verizon Media und BuzzFeed Inc. in einer gemeinsamen Presseerklärung am Donnerstag bekannt.

Zusätzlich wurde vereinbart, dass Verizon Media eine Minderheitsbeteiligung an BuzzFeed erhält und weiter in das kombinierte Unternehmen investieren wird. Konkrete Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht. Die Übernahme hatte keine größeren Auswirkungen auf dem Kurs der Verizon-Aktie. BuzzFeed befindet sich in Privatbesitz.

Aufstieg und Fall

Online-Nachrichtenportale haben noch vor wenigen Jahren einen regelrechten Boom durchlaufen. So wurde die im Jahre 2005 gegründete Huffington Post (heute: HuffPost) nur sechs Jahre nach der Gründung vom US-Internetprovider AOL für damals stolze 315 Mio. US-Dollar (USD) übernommen.

In 2012 erhielt die Huffington Post als erste Online-Zeitung den renommierten Pulitzer-Preis für ihre herausragenden journalistischen Leistungen. 2013 wurde in Kooperation mit dem Burda-Verlag auch eine deutschsprachige Version der Huffington Post gestartet, die allerdings im März 2019 wieder eingestellt wurde.

Im Jahr 2015 erwarb der Telekommunikationsriese Verizon AOL für 4,4 Mrd. USD und übernahm damit auch die Huffington Post. Die Bemühungen von Verizon, das digitale Mediengeschäft zu verbessern, scheiterten, und 2018 schrieb Verizon den Wert für einen Großteil dieses Geschäfts ab.

Werbeeinnahmen brechen weg

Online-Zeitungen wie BuzzFeed und HuffPost finanzieren sich hauptsächlich durch Werbeeinnahmen. Als sich die Leser vor einigen Jahren noch in Scharen die Nachrichten, Lifestyle- und Unterhaltungsinhalte der Online-Zeitungen anguckten, florierte das Geschäft.

Doch die Konkurrenz um die lukrativen Werbebudgets wurde durch den kometenhaften Aufstieg der großen Social-Media-Portale wie Facebook und Google immer härter und für die Online-Magazine blieb nur noch ein kleiner Teil des Kuchens übrig.

Hinzu kam, dass auch die Attraktivität der Internet-Zeitungen in den letzten Jahren deutlich nachgelassen hat. Laut US-Marktforschungsagentur Comscore hatte BuzzFeed im Oktober 2019 noch etwa 85 Mio. Einzelbesucher. Ein Jahr später fiel dieser Wert um 23% auf nur noch 69 Mio. Visitors. Die HuffPost-Seiten wurden im Oktober 2019 noch von 37,8 Mio. Leser besucht. Ein Jahr später sank dieser Wert um 5% auf nur noch 36. Mio. Visitors.

Doch im Gegensatz zur HuffPost scheint die wesentlich größere BuzzFeed die nachlassenden Werbeeinnahmen besser verkraften zu können. So kündigte der BuzzFeed-Chef Peretti in einem Interview im Wallstreet Journal an, dass das Unternehmen in diesem Jahr zum ersten Mal seit Jahren wieder einen Gewinn erzielen wird.

Dies ist allerdings nicht auf eine Steigerung der Einnahmen, sondern auf massive Einsparungen zurückzuführen. So hat BuzzFeed durch Entlassungen, Beurlaubungen und andere Kürzungen die Kosten um 30 Mio. USD senken können.

Zahlreiche Übernahmen im US-Online Geschäft

Der Einbruch bei den Werbeeinnahmen traf die US-New-Media-Branche heftig. So kam es in diesem Sektor schon im letzten Jahr zu einer deutlichen Konsolidierung.

Im September 2019 gab Vox Media bekannt, dass es den kleineren Mitbewerber New York Media übernehmen werde. Im Oktober 2019 schluckte Vice Media Refinery29 für 400 Mio. USD und im gleichen Monat gab GroupNine Media Inc. die Übernahme des Online-Magazins PopSugar bekannt.

Wie es weitergeht

Jonah Peretti, Gründer und Geschäftsführer von BuzzFeed und einer der Co-Gründer der Huffington Post, wird das kombinierte Unternehmen leiten. BuzzFeed News und HuffPost werden als getrennte, eigenständige Nachrichtenorganisationen agieren. HuffPost wird auch weiterhin als offizieller Verlagspartner von Verizon Media fungieren.

Die Übernahme bedarf noch der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörden. Über den möglichen Abschlusstermin der Übernahme machten die beteiligten Parteien keine Angaben.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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