Opec+ übt Balanceakt am Ölmarkt

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Den Preis stabilisieren, ohne die Konkurrenz zu sehr erstarken zu lassen – diesen Balanceakt versuchen die Opec+ Staaten zu meistern. (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

Für die Opec und ihre Verbündeten ist es ein Mikado-Spiel: Vorsichtig und bedacht müssen sie ihre koordinierten Beschlüsse vollziehen, um einerseits den Ölpreis zu stabilisieren, andererseits aber auch die in den vergangenen Jahren erstarkte US-Konkurrenz nicht zu sehr profitieren zu lassen.

Als es dem Ölkartell und weiteren Öl fördernden Staaten, darunter Russland, nach dem dramatischen Preisverfall von Sommer 2014 bis Frühjahr 2016 erstmals gelang, sich auf eine gemeinsame Förderkürzung zu verständigen, wurde das als ebenso überraschender wie großer Erfolg der bereits totgesagten Opec aufgefasst, schließlich hatten die Staaten zuvor eher als Konkurrenten agiert und sich kaum auf eine gemeinsame Linie verständigen können.

Die konzertierten Maßnahmen verfehlten ihre Wirkung nicht: Der Ölpreis zog an und stabilisierte sich, wenn auch auf geringerem Niveau als im Sommer 2014. Das Ganze hatte allerdings einen Nebeneffekt.

Höherer Ölpreis unterstützt US-Frackingindustrie

Während der Phase dreistelliger Ölpreise waren in den USA etliche Frackingfirmen an den Start gegangen und hatten mit Hilfe der ebenso umstrittenen wie kostspieligen Fördermethode begonnen, zum einen den eigenen Ölbedarf der USA weitgehend unabhängig von der Opec zu decken und zum anderen als neuer Global Player auf dem weltweiten Ölmarkt in Erscheinung zu treten.

Mit dem Preisrutsch verschwanden viele dieser Firmen wieder, da sie nicht mehr wirtschaftlich arbeiten konnten – nahmen jedoch ihr Geschäft wieder auf, als der Ölpreis durch die Opec+ Aktionen zulegte. Parallel wurde Fracking durch eine Optimierung der hierfür benötigten Technologien immer günstiger möglich, sodass die Schwelle der Wirtschaftlichkeit auch bei etwas geringerem Ölpreisniveau noch gehalten werden konnte.

Opec+ in der Zwickmühle

Inzwischen sind die US-Firmen in der Lage, ab einem Ölpreis von gut 40 Dollar je Barrel Gewinn zu machen. Für die Opec+ ergibt sich daraus ein Balanceakt: Einerseits haben sie ein substanzielles Eigeninteresse an stabilen und nicht zu niedrigen Ölpreisen, immerhin hängt ein Großteil ihrer Staatsfinanzen vom Ölgeschäft ab.

Andererseits fürchten sie – nicht ganz unbegründet –, dass bei zu hohen Ölpreisen die US-Frackingfirmen jene Angebotslücken schließen könnten, die die Opec+ Staaten bewusst offenhalten wollen durch ihre selbstauferlegten Förderkürzungen. Damit würde der preisstabilisierende Effekt ihrer Maßnahmen wieder verwässert, zugleich würden sich die USA einen größeren Marktanteil sichern.

Für die Opec und ihre Verbündeten, die lange Zeit das Maß der Dinge am Ölmarkt waren, ist das auch nach ein paar Jahren noch immer eine vergleichsweise neue Situation. Man wird noch austarieren müssen, welche Kürzungspotenziale erforderlich sind, um den Ölpreis einerseits zu stabilisieren, ohne andererseits die US-Konkurrenz allzu sehr erstarken zu lassen und ihr selbstgewählt, aber unfreiwillig Marktanteile zu überlassen.

Vorerst haben sich die Opec+ Staaten, abgesehen von Mexiko, darauf verständigt, die Drosselung ihrer Ölförderung, die bereits im Mai und Juni Bestand hatte, auf Juli auszuweiten. Der Ölpreis konnte infolgedessen zulegen – und bewegt sich nun rund um die Schwelle jener 40 Dollar je Barrel, die die US-Firmen benötigen, um wirtschaftlich handlungsfähig zu bleiben.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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