Oracle übernimmt Netsuite für 9,3 Mrd. Dollar

Mit einer Milliarden-Transaktion will der führende US-Software-Anbieter Oracle sein Geschäft in der Datenwolke ausbauen. 9,3 Mrd. Dollar bietet Oracle für den Cloud-Computing-Pionier Netsuite.

Schon seit mehreren Jahren wurde eine größere Oracle-Übernahme erwartet. Der letzte Große Wurf hieß PeopleSoft und fand vor 10 Jahren statt.

Software-Riese Oracle kaufte danach meist nur kleinere Übernahme-Kandidaten, doch der Erfolg der Strategie ließ zuletzt zu wünschen übrig.

Vorherige Geschäftszahlen zeigten, dass eine milliardenschwere Übernahme her muss, wenn Oracle die schwindenden Einnahmen im klassischen Software-Geschäft ausgleichen will.

Aktionäre des Übernahme-Kandidaten räumen ab

Der Deal erfreute dann auch die Oracle-Aktionäre. In einem schwächeren Markt gewinnt das Papier gegen den Trend leicht hinzu. Normalerweise verliert die Aktie des Bieters immer bei Übernahmen, da Geld abfließt und jede Übernahme auch ein Risiko ist.

In diesem Fall begrüßen Investoren die wegweisende Übernahme jedoch und akzeptieren auch, dass Oracle tief in die Tasche greifen muss.

Den Netsuite-Aktionären werden 109 Dollar je Aktie geboten, was einem Aufschlag von knapp 20% auf dem Schlusskurs vom Vortag bedeutet. Vom Tief im Februar ist die Aktie dank der Übernahme inzwischen mehr als 100% entfernt.

Langfrist-Investoren mit günstigem Timing können sogar 1.000% Gewinn einstreichen.

Interessenskonflikt wie bei Tesla/Solarcity?

Die Übernahme hat für Einige einen leicht faden Beigeschmack:

Netsuites größter Einzelaktionär ist ausgerechnet Oracle-Chef Larry Ellison. Der hält zusammen mit seiner Familie über Investment-Firmen 40% der Netsuite-Anteile und kommt jetzt in den Genuss der Übernahme-Prämie.

Nachdem Tesla-Chef Elon Musk für die von seinem Cousin geführte angeschlagene Solarcity eine Offerte vorlegte, könnte man auch Ellison Befangenheit oder Bereicherung vorwerfen.

Ellison ist allerdings schon jetzt 49 Mrd. Dollar schwer, was einen finanziellen  Interessens-Konflikt relativiert.

Wenn zudem betrachtet wird, dass Netsuite sehr gut aufgestellt ist und nicht eine Baustelle, dann kann ruhig davon ausgegangen werden, dass Ellison objektiv einen Deal auf die Vorteile für Oracle beurteilte.

Zudem stellt sich die Frage, welcher Alternativ-Deal für Oracle in Frage kommen würde, um das Cloud-Geschäft nennenswert nach vorne zu bringen?

Dass Ellison Netsuite gut kennt, der Technologie-Chef ein früherer Ellison-Vertrauter ist und der Netsuite-Chef Zach Nelson ehemaliger Oracle-Manager ist, ist also eher ein Plus. Bei Tesla/Solarcity war die Marktreaktion sehr negativ – hier legte die Bieteraktie zu.

Netsuite-Übernahme könnte weitere Deals nach sich ziehen

Nachdem in den Vorjahren viele Milliarden-Transaktionen im Cloud-Bereich durchgeführt wurden, war es zuletzt eher ruhig. Nennenswert war noch die Demandware-Übernahme durch Salesforce im Volumen von 2,8 Mrd. Dollar.

Häufig ist allerdings eine Großübernahme wie diese hier der Stein des Anstoßes. Gut möglich, dass nach der Netsuite-Übernahme die Schlagzahl im Cloud-Bereich wieder zulegt. Besonders Salesforce ist immer für einen Deal gut.

29. Juli 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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