Oslo Børs-Aktie: Euronext erhöht Angebot

Nasdaq Logo RED_shutterstock_611856299_andersphoto

Der Bieterkampf um die Oslo Boerse geht in die heiße Phase. Euronext gibt sich nicht geschlagen und übertrumpft die Nasdaq-Offerte. (Foto: andersphoto / shutterstock.com)

Im Übernahmekampf um die Osloer Börse ist eine neue Runde eingeläutet worden: Bieter Euronext hat am heutigen Montag sein bisheriges Angebot von 145 auf 158 Norwegische Kronen je Aktie erhöht.

Damit überbietet die in Amsterdam ansässige Euronext nur wenige Stunden vor dem Ender der Annahmefrist des bisherigen Angebots die Offerte des US-amerikanischen Börsenbetreibers Nasdaq.

Der Konkurrent warf vor 11 Tagen seinen Hut in den Ring und sicherte sich mit 152 Norwegischen Kronen je Aktie die Gunst des Übernahme-Kandidaten.

Euronext bekräftigt Interesse

Euronext ist die größte Mehrländerbörse Europas und betreibt Börsen bzw. Finanzdienstleistungen an den Standorten Amsterdam, Brüssel, Dublin, Lissabon, London und Paris. In einer aktuellen Pressemitteilung betont Euronext sein großes strategisches Interesse.

Ziel ist es, mit der Übernahme der Osloer Börse auch im skandinavischen Finanzmarkt Fuß zu fassen: „Euronext beabsichtigt, die starke Position der Osloer Börse in Skandinavien weiter auszubauen. Die Übernahme und Weiterentwicklung der Osloer Börse wird zum Vorteil der Kunden, Mitarbeiter und des norwegischen Finanzmarktes sein“, so Euronext.

Identität soll erhalten bleiben

„Wir sind davon überzeugt, dass ein Zusammenschluß mit Euronext der Osloer Börse deutlichere und größere Vorteile als andere Angebote bieten wird“, so Stéphane Boujnah, CEO und Vorstandsvorsitzender von Euronext.

„Die Osloer Börse wird als Bestandteil des dezentralen Euronext-Konzerns auch zukünftig ihre Identität und Integrität beibehalten.“ Darüber hinaus sicherte Boujnah der Osloer Börse und dem Land Norwegen nach erfolgter Übernahme eine angemessene Beteiligung an den Entscheidungsgremien des Euronext-Konzerns zu.

Wall Street – shutterstock_267083465 Matej Kastelic

Nasdaq konsolidiert, aber die Rally läuft weiter„Aufwärts geht es!“ Das sagt unser Optionen-Profi Rainer Heißmann und zeigt, dass die Kursverluste der Nasdaq keine Trendwende bedeuten. › mehr lesen

Mehrheit der Aktionäre votiert für Euronext

Laut eigenen Angaben hat Euronext bereits die Mehrheit der Investoren für das eigene Angebot gewinnen können. So haben Anteilseigner, die zusammen 50,5 % des Aktienkapitals der Osloer Börse halten, dem Euronext-Angebot verbindlich und unwideruflich zugestimmt. Von diesen haben sich 22 Investoren mit einem Kapitalanteil von 38 % bereit erklärt, ihre Zustimmung zum Euronext-Angebot auch bis Ende 2019 aufrecht erhalten zu wollen.

Aufsichtsrat hat sich für Nasdaq ausgesprochen

Höheres Angebot, über 50% gesichert: Augenscheinlich, scheint Euronext hier der klare Favorit zu sein. Doch seien Sie sich nicht zu sicher, dass hier der Gewinner bereits gekürt wurde. Denn auch das aufgestockte Euronext-Angebot hat nicht die Unterstützung des Managements der Osloer Börse.

So erklärte Bente Landsnes, Chefin der Osloer Börse, dass sie in Abstimmung mit dem Verwaltungsrat weiterhin für das Angebot der Nasdaq votiere. Auch die zwei größten Investoren der Osloer Börse, die norwegische DNB-Bank und der norwegische Rententräger KLP, hatten sich bereits vor einigen Tagen öffentlich für das Nasdaq-Angebot ausgesprochen.

Heute bekräftigte die DNB Bank, dass eine Übernahme durch die Nasdaq nach wie vor unterstützt werde. Die höhere Euronext-Offerte ändere garnichts.

Ausgang ungewiss

Wie es im Bieterwettkampf weitergeht, ist ungewiss. Denkbar ist, dass die Nasdaq trotz anhaltender Management-Unterstützung das Angebot noch einmal aufstockt. Die ersten Investoren setzen bereits auf so ein Szenario. Um 16:30 Uhr stand die Oslo Bors-Aktie mit 162 Kronen 4 Kronen über dem aktuellen Euronext-Angebotspreis.

Letzendlich werden aber auch die norwegischen Finanzbehörden ein entscheidendes Wörtchen mitzureden haben. Dabei könnte es eine Rolle spielen, dass der Euronext-Übernahme-Plan keine Unterstützung des Oslo Bors-Managements hat, also feindlich ist. Gut möglich, dass hier erneut der Sieger eines Bieterkampfes nicht derjenige ist, der das höchste Gebot abgegeben hat.

Insgesamt könnte für Anleger nun ein guter Zeitpunkt gekommen sein, um die Gewinne vom Tisch zu räumen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.