Osram-Aktie: Finanzinvestoren legen Milliardenofferte auf den Tisch

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Osram-Aktie: Traditionskonzern erhält Milliardenofferte von US-Finanzinvestoren. Nach wiederholten Gewinnwarnungen erhält die Aktie wieder Auftrieb. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Mit der gerade vorgelegten Übernahmeofferte der Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle für Osram könnte ein weiterer deutscher Traditionskonzern die Börse bald verlassen. Dabei kommt der Deal für die Anleger ziemlich ungelegen. Stand die Aktie Anfang 2018 noch bei knapp 80 Euro, notieren die Papiere nun trotz des jüngsten Kurssprungs bei 33 Euro und damit auf dem tiefsten Niveau der vergangenen fünf Jahre.

Osram im Portrait

Die Geschichte der Osram Licht AG beginnt vor dem ersten Weltkrieg. Das Fantasiewort Osram ist eine Schöpfung aus den Elementen Osmium und Wolfram, welche für Glühfäden der ersten Glühbirnen verwendet wurden. Heute ist Osram weit mehr als einen Hersteller von Glühbirnen. Der Konzern ist mittlerweile einer der führenden Lichthersteller weltweit.

Das Produktportfolio des 110 Jahre alten Traditionskonzerns reicht von Hightech-Anwendungen auf der Basis halbleiterbasierter Technologien wie Infrarot oder Laser, bis hin zu vernetzten intelligenten Beleuchtungslösungen in Gebäuden und Städten. 2018 erzielten weltweit rund 26.000 Mitarbeiter einen Umsatz von über 4,1 Milliarden Euro.

Dabei werden die Produkte des Konzerns sowohl für Endkunden als auch professionelle Anwender entwickelt. Die Systeme werden in einer Vielzahl von Bereichen eingesetzt. So werden beispielsweise für die Automobilindustrie Lichtquellen und -systeme für Front-, Rück-, Signal- und Innenbeleuchtung und Sensorik hergestellt. Aber auch in Displays, Mobiltelefonen, in den Bereichen Projektion und Unterhaltung oder Industrie und Medizin kommen Produkte von Osram zum Einsatz.

Zweites Quartal leicht über den Erwartungen

Nach einem verpatzten Jahresstart hatte die Konzernführung des Lichtspezialisten seine Investoren auf eine mögliche Verfehlung der Jahresziele bereits eingestimmt. Im zweiten Quartal lief es dann aber etwas besser als befürchtet. So schmolz der Umsatz um 8% auf 862 Millionen Euro zusammen. Gleichzeitig sackte der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zwar um 56% auf 70 Millionen Euro in den Keller. Das war aber weniger schlimm als nach der Gewinnwarnung im März von den Anlegern befürchtet worden war.

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Finanzinvestoren bieten 35 Euro je Aktie

Im Rahmen des vorgelegten Übernahmeangebots bieten Bain Capital und Carlyle den Investoren 35 Euro je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 23% auf Durchschnittskurs der vorherigen drei Monate. Damit wird der Traditionskonzern mit 3,4 Milliarden Euro bewertet. Die Annahmefrist läuft bis Ende September. Damit der Deal wirklich durchgeht, müssen aber 70% der Aktionäre ihre Zustimmung erteilen. Der Vorstand hat bereits angekündigt, auch die 2,66 Millionen Aktien anzudienen, die der Konzern selbst hält. Das entspricht 2,6% aller Stimmrechte.

Keine Strategieänderung geplant

Die beiden Bieter machten umfangreiche Zusagen an das Osram-Management und die Belegschaft. Die zwei US-Firmen sicherten zu, die Standorte “der wesentlichen Unternehmensbereiche” und Arbeitsplätze zu erhalten und Neuinvestitionen zu unterstützen. Damit scheinen die 26.000 Mitarbeiter zumindest kurzfristig nicht mit gravierenden Änderungen rechnen zu müssen. Zugleich soll die Strategie, nämlich die Fokussierung auf den Bereich „Optohalbleiter“ beibehalten werden. Sogar der Vorstand soll im Amt bleiben.

Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen die Offerte

Unterdessen loben der Osram-Vorstand und Aufsichtsrat die Offerte. Allerdings ist fraglich, wie die Großaktionäre zu dem Angebot stehen, das nahe dem Fünfjahrestief liegt. Die drei größten Anteilseigner sind Goldman Sachs (10,70%), Allianz Global Investors (10,29%) und Credit Suisse (8,07%). Die Allianz hatte die 5%-Schwelle im Oktober 2017 überschritten zu Kursen von 65 Euro und dürfte mit einem Verkauf einen deutlichen Verlust realisieren.

Auch zahlreiche Privatanleger dürften sich in der Zwickmühle befinden. Zwar war im Herbst noch über alternative Bieter spekuliert worden (bspw. AMS), aber die wiederholten Gewinnwarnungen dürften das Investoreninteresse deutlich geschmälert haben. Die beiden Finanzinvestoren greifen für Osram tief in die Tasche, da der Deal zu zwei Drittel aus Eigenmitteln finanziert werden soll. Der Glaube an die langfristigen Perspektiven von Osram ist in jedem Fall vorhanden. Wer als Anleger ebenfalls an eine Erholung des konjunkturabhängigen Geschäfts der Münchener glaubt, dürfte aber wenig Grund haben, gerade auf dem niedrigen Kursniveau seine Aktien anzudienen.

Davon scheint auch der Markt überzeugt zu sein. Aktuell notiert die Aktie nämlich mit 33 Euro noch gut 2 Euro unter dem Niveau des Übernahmeangebots.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.