Osram-Aktie: Gewinnwarnung lässt Aktienkurs kräftig abschmieren

Osram-Aktie: Gewinnwarnung lässt Aktienkurs kräftig abschmieren. Jahresprognose um 50% zurechtgestutzt. Lichtspezialist muss jetzt liefern (Foto: ParabolStudio / Shutterstock.com)

Auch wenn am Freitag die Welt nicht mehr ganz so duster aussah für den Lichtspezialisten Osram – die Kursentwicklung bleibt desaströs. Von ihrem Jahreshoch bei knapp 80 Euro im Januar hat sich die Aktie des MDAX-Konzerns mittlerweile deutlich entfernt. Trotz einer Gegenreaktion von +8% am Freitag liegen die Papiere mit 35 Euro deutlich im Minus. Ausschlaggebend für den jüngsten Kursrutsch war eine massive Gewinnwarnung des Konzerns.

Osram im Portrait

OSRAM ist einer der führenden Lichthersteller weltweit. Das Unternehmen bietet Beleuchtungsprodukte und -lösungen entlang der gesamten Lichtwertschöpfungskette an. Dazu gehören Lichtquellen (Glühlampen, Halogenlampen, Leuchtstofflampen, Hochdruckentladungslampen, LED und OLED), Vorschaltgeräte, Beleuchtungskomponenten sowie vollständige Leuchten, Lichtmanagementsysteme und Beleuchtungslösungen.

Diese werden sowohl für Endkunden als auch professionelle Anwender entwickelt. Die Systeme werden in einer Vielzahl von Bereichen eingesetzt. So werden beispielsweise für die Automobilindustrie Lichtquellen und -systeme für Front-, Rück-, Signal- und Innenbeleuchtung und Sensorik hergestellt. Aber auch in Displays, Mobiltelefonen, in den Bereichen Projektion und Unterhaltung oder Industrie und Medizin kommen Produkte von OSRAM zum Einsatz.

Gewinnwarnung sorgt für Kursdebakel

Trotz der führenden Marktposition häuften sich zuletzt die negativen Nachrichten bei Osram. Zuletzt stutzte der Lichtspezialist seine Jahresprognose vorzeitig kräftig zusammen. Statt einem Umsatzplus von 3 bis 5% wie bisher soll jetzt nur noch ein Zuwachs von 1 bis 3% rausspringen. Vor der ersten Prognosesenkung Ende April lag die Latte mit 5,5 bis 7,5 nochmals deutlich höher.

Ebenso schwach sieht es bei der Gewinnentwicklung aus. Der bereinigte operative Gewinn soll jetzt noch 570 bis 600 Millionen Euro betragen. Für Sie zum Vergleich: Bislang ist die Konzernführung noch von rund 640 Millionen Euro ausgegangen. Im Vorjahr waren es noch 695 Millionen Euro.

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Die Schätzung für das verwässerte Ergebnis je Aktie wurde noch deutlicher zurückgenommen. Mit nur noch 1 bis 1,2 Euro wurde die alte Schätzung um gut 50% nach unten revidiert.

Handelsbeschränkungen und die Automobilhersteller

Gründe für die jüngste Gewinnwarnung nannte der Lichtkonzern gleich mehrere. Neben Handels- und Vertriebsbeschränkungen wurden Planungsrisiken bei Automobilherstellern und Projektverschiebungen seitens der Osram-Kunden in den Bereichen Mobilfunk und Gewächshausbeleuchtung aufgeführt.

Osram tritt auf die Kostenbremse

Nach der schleppenden Geschäftsentwicklung verschärft der Konzern seinen Sparkurs. Sie müssen: Bereits im vergangenen Jahr wurde der Abbau von 600 bis 700 Arbeitsplätzen bekanntgegeben. Jetzt will das Unternehmen seinen Einkauf straffen und die Effizienz in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung verbessern.

Fazit: Nach mehrfacher Enttäuschung und einer kräftig zurechtgestutzten Prognose muss Osram jetzt liefern. Das Chartbild bleibt deutlich angeschlagen. Auch die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 bis 35 ist alles andere als günstig. Die Fokussierung auf LED-Halbleiter ist zwar grundsätzlich spannend und aussichtsreich.

Aber bis zur Vorstellung der neuen mittelfristigen Strategie im Herbst und der Präsentation der organisatorischen Neuaufstellung bleibt eine Investition in die Aktie ausgesprochen spekulativ. Osram muss jetzt liefern und zeigen, dass es sich auf die neue Marktsituation einstellen und ordentliche Renditen für die Anleger einfahren kann. Ob dies wirklich gelingt, dürfte sich erst in einigen Quartalen zeigen.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.