Osram-Aktie: Lichtspezialist zittert um Jahresprognose

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Lichtspezialist Osram mit finsterer Prognose. Die Jahresziele wackeln und die Anleger hoffen weiter auf eine Übernahme. (Foto: lovelyday12/AdobeStock)

Nachdem sich im Dezember bei Osram alles um die aufkeimenden Übernahmegerüchte gedreht hat, rücken nun wieder handfeste Unternehmensnachrichten bei Osram in den Vordergrund. Dabei dürfte das, was der Lichtspezialist gerade berichtet hat, den Anlegern überhaupt nicht schmecken. Die Konzernführung sieht nämlich die bisherige Jahresprognose in Gefahr.

Damit könnte auch eine mögliche Übernahme in weite Ferne rücken und sich das Trauerspiel für die Anleger fortsetzen. Im vergangenen Jahr musste der Lichtspezialist bereits zweimal bei seinen Gewinnprognosen zurückrudern. Der Aktienkurs hatte sich zwischenzeitlich halbiert, bevor die angefachten Übernahmegerüchten dem Kurs wieder neues Leben eingehaucht haben.

Osram im Portrait

Die Geschichte der Osram Licht AG beginnt vor dem ersten Weltkrieg. Das Fantasiewort Osram ist eine Schöpfung aus den Elementen Osmium und Wolfram, welche für Glühfäden der ersten Glühbirnen verwendet wurden. Heute ist Osram weit mehr als einen Hersteller von Glühbirnen. Der Konzern ist mittlerweile einer der führenden Lichthersteller weltweit.

Das Produktportfolio reicht von Hightech-Anwendungen auf der Basis halbleiterbasierter Technologien wie Infrarot oder Laser, bis hin zu vernetzten intelligenten Beleuchtungslösungen in Gebäuden und Städten. 2017 erzielten weltweit rund 26.400 Mitarbeiter einen Umsatz von über 4,1 Milliarden Euro.

Dabei werden die Produkte des Konzerns sowohl für Endkunden als auch professionelle Anwender entwickelt. Die Systeme werden in einer Vielzahl von Bereichen eingesetzt. So werden beispielsweise für die Automobilindustrie Lichtquellen und -systeme für Front-, Rück-, Signal- und Innenbeleuchtung und Sensorik hergestellt. Aber auch in Displays, Mobiltelefonen, in den Bereichen Projektion und Unterhaltung oder Industrie und Medizin kommen Produkte von Osram zum Einsatz.

Jahresstart geht kräftig in die Hose

Nach einem verpatzten Jahresstart wird die Konzernführung des Lichtspezialisten vorsichtiger und stimmt seine Investoren auf eine mögliche Verfehlung der Jahresziele ein. Im ersten Quartal ist der vergleichbare Umsatz der fortgeführten Aktivitäten um rund 15% auf 828 Millionen Euro gesunken. Allein in der wichtigen Sparte der optischen Halbleiter waren die Umsätze um 16,9% zurückgegangen.

Besonders schwach war die Entwicklung der operativen Gewinnmarge (EBITDA). Hier mussten die Münchener einen Rückgang von über 7 Prozentpunkten auf 11,3% verkraften.

Alle Geschäftsbereiche mit schwacher Entwicklung

Dabei dürfte die Anleger vor allem das Ausmaß der Schwäche enttäuscht haben. Denn alle drei Geschäftsbereiche zeigten sich ausgesprochen schwach. Die Gründe für die Probleme sind vor allem konjunktureller Natur. Insbesondere im Dezember hat sich laut Unternehmensangaben der Rückgang in der Automobilindustrie oder bei mobilen Geräten wie Smartphones beschleunigt.

Die Argumente dürften Ihnen wahrscheinlich bekannt vorkommen. Osram führt, ähnlich wie zahlreiche andere Großkonzerne, die anhaltenden Zollstreitigkeiten, die Wachstumsschwäche in China und die allgemeinen politischen Unsicherheiten als Gründe für den Einbruch an.

Osram setzt den Rotstift an

Um die Jahresprognose noch zu erreichen (0-3% Umsatzwachstum; bereinigte EBITDA-Marge von 12-14%), greift die Firmenführung zu drastischen Maßnahmen. Alleine im Werk in Regensburg (Optohalbleiter) sollen 300 Arbeitsplätze und damit fast 11% der gesamten Belegschaft gestrichen werden.

Bereits im vergangenen Sommer hatte Osram Sparpläne vorgelegt, mit denen der Konzern seine Kosten bis zum Jahr 2020 um 130 bis 140 Millionen Euro reduzieren will. Unter anderem sollen die Ausgaben in der Verwaltung um rund 20% eingespart werden. Auch im Einkauf und bei der Forschung will Osram die Effizienz steigern.

Fazit: Die neuen Aussagen kommen zwar wenig überraschend, sind aber dennoch eine Enttäuschung. Osram bekommt die Krise bei den Autoherstellern deutlich zu spüren. Zugleich ist der Konzern mit seinen Sensoren in einem interessanten Wachstumsfeld (Fahrerassistenzsysteme) positioniert. Operativ sind die Münchener jetzt jedenfalls in der Bringschuld. Sollte nicht die Verlässlichkeit der Prognosen steigen und der Lichtspezialist mit seiner Geschäftsentwicklung die Kurve kriegen, dürfte auch die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme wieder sinken.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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