Osram-Aktie: Übernahmekrimi beschäftigt die Aufsicht

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AMS und Osram: Der Übernahmekrimi geht in die nächste Runde. Die IG Metall macht kräftig Stimmung gegen den Deal und schaltet die Aufsicht ein (Foto: lovelyday12/AdobeStock)

Wer dachte, dass mit dem Scheitern der Annahmeschwelle bei der AMS-Offerte eine mögliche Übernahme von Osram erledigt ist, hat sich heftig getäuscht. Der österreichische Sensorspezialist legte vor ein paar Tagen einfach ein neues Angebot auf den Tisch: Zwar ist der Preis der Gleiche, aber die Mindestschwelle wurde tiefer angesetzt.

Geht es nach den Aktionären, dann ist der Deal aber keinesfalls sicher. Der Kurs notiert bei 40 Euro und damit weiterhin 1 Euro unter der Übernahmeofferte. Nun macht auch die Gewerkschaft mächtig Stimmung gegen die Transaktion und wirft den Österreichern vor, dass sie das Übernahmegesetz austricksen.

AMS der einzige Bieter

Im Rahmen des neuen Übernahmeangebots bietet AMS 4,6 Milliarden Euro für den fast dreimal größeren Osram-Konzern. Zugleich wurde die Mindestannahmeschwelle von 62,5 auf 55% gesenkt.

Die Österreicher sind die einzigen Bieter. Die Finanzinvestoren Advent und Bain Capital haben kein Angebot mehr vorgelegt. AMS ist bereits der größte Aktionär Osrams und hält 19,99% an dem Lichtkonzern.

Das nun angekündigte neue Angebot soll nach der erhofften Zustimmung der deutschen Finanzaufsicht Bafin spätestens Ende Oktober beginnen. AMS geht davon aus, dass die Übernahme in der ersten Hälfte des Jahres 2020 abgeschlossen wird.

IG Metall legt lange Liste auf den Tisch

Im Rahmen der Übernahmegespräche hat die IG Metall eine umfangreiche Forderungsliste den Österreichern auf den Tisch gelegt. So plädiert die Gewerkschaft auf den Verzicht von betriebsbedingten Kündigungen und den Erhalt der paritätischen Mitbestimmung. Darüber hinaus verlangen die Arbeitnehmervertreter von AMS auch zehnjährige Garantien für Standorte und Portfolio.

Gleichzeitig hat die IG Metall die BaFin eingeschaltet und fordert, das Übernahmeangebot nicht zuzulassen, da die Offerte die gesetzlich geforderte Sperrfrist ((§ 26 des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes (WpÜG)) umgehe. Für Sie zum Hintergrund: Nach dem Scheitern des ersten Übernahmeversuchs hätte AMS eigentlich ein Jahr warten müssen, bevor ein neues Angebot lanciert werden darf. Die Sperrfrist soll ein Zielunternehmen vor zu langer Unsicherheit schützen.

Doch der Chiphersteller umging die Vorschrift, in dem das zweite Angebot von einer Tochtergesellschaft initiiert wurde. Die Rechtmäßigkeit wird derzeit von Experten geprüft.

AMS mit starkem dritten Quartal

Unterdessen berichtete der Chiphersteller starke Zahlen für das abgelaufene Quartal. So kletterten die Umsätze um 41 % auf 645 Millionen Dollar in die Höhe. Für die ersten neun Monate ergibt sich damit ein Gesamtumsatz von 1,43 Milliarden Dollar, was ebenfalls deutlich über dem Vorjahresniveau liegt (1,10 Mrd. Dollar). Zeitgleich vervielfachte sich das operative Ergebnis (EBIT) von 6 auf 164 Millionen Dollar. Unter dem Strich blieb ein Nettoergebnis von 174 Millionen Dollar hängen (Vorjahreszeitraum: 103 Millionen Dollar).

Apple Schlüsselkunde Nummer 1

Allerdings ist der österreichische Chiphersteller weiter stark von seinem größten Kunden Apple abhängig, der zuletzt weiterhin für 45% der Gesamtumsätze verantwortlich war. Für den Smartphone-Giganten liefert AMS unter anderem die Sensorik für die 3D-Gesichtserkennung. Während sich das Sentiment im Konsumentengeschäft und im Bereich Smartphones positiv zeigte, entwickelten sich die Geschäfte im Segment Automobil und Industrie eher schleppend.

Auch wenn die Konzernführung keine Prognose für 2020 gewagt hat, zeigte sich das Management zuletzt aufgrund positiver Smartphone-Volumina für den weiteren Geschäftsverlauf zuversichtlich.

Fazit: Ob es wirklich zu einer regulären Übernahme kommt, ist äußerst ungewiss. AMS könnte auch den Anteil auf über 30% aufstocken und damit die Wartefrist umgehen. Dann wäre ein Pflichtangebot fällig, dass sich am gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate orientieren würde. Ob der Deal dann wirklich wertschaffend ist, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt. Die Österreicher haben keine Erfahrung mit der Integration eines so großen Zukaufs, die angepeilten 300 Millionen Euro an Synergieeffekten müssen erst einmal realisiert werden und die Finanzierung birgt ein hohes Risiko.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.