Osram, Evonik und Talanx: Warten auf den Börsenstartschuss

Nach einer Achterbahnfahrt schloss der DAX fast auf Vortagesniveau.

Der DAX ging mit 6.775 Punkten aus dem Handel.

Tagesverlierer war im DAX die Daimler-Aktie. Das Minus von gut 4% ist jedoch nur ein optischer Effekt. Heute wurde die Dividende ausgeschüttet, daher kam es zum Dividen-Abschlag.

Deutlich besser als im DAX sah es in der zweiten Börsenreihe aus. Privatanleger nutzten die Börsenkorrektur für einige Schnäppchenkäufe. MDax und TecDax legten jeweils um rund 0,8% zu.

Groupon-Aktie weiter unter Druck

An der Wall Street in New York steht die Groupon-Aktie weiterhin unter Druck. Mit Kursen um 14,50 Dollar wurde das niedrigste Niveau seit Börseneinführung Ende 2011 erreicht.

Die rückwirkende Korrektur der Quartalzahlen war nicht nur peinlich, sondern löst jetzt auch gerichtliche Verfahren aus. Ein Groupon-Aktionär der ersten Stunde fühlt sich getäuscht und hat eine Klage eingereicht.

Besonders unangenehm: Der Kläger strebt den Status einer Sammelklage an. Dann könnten sich relativ einfach weitere Groupon-Aktionäre in das Verfahren einklinken. Das treibt die mögliche Schadenssumme für das junge Internet-Unternehmen nach oben.

Börsengänge sind eine Bereicherung

Da ich hier im Schlussgong in dieser Woche mehrfach negativ über Börsengänge (auch kurz „IPO“ genannt) berichtet habe, fragte ein Schlussgong-Leser, ob ich junge Börsenkandidaten grundsätzlich ablehne.

Meine Antwort: Börsengänge sind eine große Bereicherung. Wenn nicht immer wieder neue Unternehmen an die Börse gehen würden, würde der Kurszettel langsam ausbluten, da durch Übernahmen, Fusionen und Pleiten regelmäßig Unternehmen von der Börse verschwinden. Die Börse braucht daher frisches Blut.

Diese grundsätzlich positive Einschätzung bedeutet jedoch nicht, dass Privatanleger immer schon beim Börsengang auf der Käuferseite stehen müssen. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, zunächst einige Monate abzuwarten, bis das Unternehmen erste Zahlen präsentiert.

Die in dieser Woche hier im Schlussgong genannten Beispiele Groupon und Amalphi zeigen, dass die Abwarte-Strategie vor unangenehmen Überraschungen schützen kann.

Positives Beispiel SHW

Präsentiert sich ein junges Börsenunternehmen dagegen in Top-Form und bestätigt die in der IPO-Phase gemachten Versprechen, kann man immer noch einsteigen.

In meinem Börsendienst „Power-Depot“ habe ich zum Beispiel die Aktie des Autozulieferers SHW ein halbes Jahr nach dem Börsengang zum Kauf empfohlen.

Obwohl SHW gute Zahlen geliefert hatte, konnten wir im Januar gut 20% unter dem IPO-Kurs einsteigen. Ein schöner Deal, wie die Kursentwicklung seit Januar zeigt.

Interessante Börsenkandidaten 2012

Im laufenden Jahr können noch einige interessante Unternehmen die Börse erobern. Der weltweit „heißeste“ IPO-Kandidat ist das amerikanische Internet-Netzwerk Facebook.

Sehr gespannt bin ich in Deutschland auf die geplanten Börsengänge der Chemie-Unternehmen Evonik und H.C. Stark. Man kann nur hoffen, dass die Alt-Besitzer keine zu hohen Preise verlangen.

Da die Finanzkrise und die Übernahmewelle die Zahl der deutschen Finanzwerte reduziert haben, kann auch hier eine Belebung nicht schaden. Ein Börsen-Kandidat aus dieser Branche ist der Versicherungs-Konzern Talanx.

IPO-Experte Siemens

Schon lange auf der IPO-Warteliste steht die bekannte Siemens-Tochter Osram (Leuchtmittel). Der DAX-Konzern Siemens hat Erfahrung mit der Abspaltung von Tochtergesellschaften.

Vor gut 10 Jahren hat Siemens die Töchter Infineon und Epcos an die Börse gebracht. Epcos ist schon wieder von der Börse verschwunden, Infineon hat sich nach einer langen Leidenszeit wieder gefangen.

An der Börse wurde damals gemunkelt: Siemens bringt nur die unkontrollierbaren Sparten an die Börse und keine „Perlen“. Die Gefahr besteht natürlich immer.

Daher gilt auch beim Osram-Börsengang: Privatanleger sollten sich den IPO-Preis anschauen und dann entscheiden. Wer Zweifel hat, wartet erst einige Monate ab.

Gute Börsenstimmung ist Voraussetzung für IPO-Welle

Voraussetzung für neue Börsengänge ist, dass die Börsenstimmung in Deutschland gut bleibt. Das 1. Quartal lief bekanntlich phantastisch. Der DAX legte um über 15% zu.

Sollte der DAX im 2. Quartal das Kursniveau von 7.000 Punkten verteidigen oder sogar steigern können, ist das IPO-Fenster offen.

5. April 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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