Osram nach gescheiterter Übernahme vor ungewisser Zukunft

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Die geplante Übernahme des Beleuchtungsherstellers Osram durch ams ist geplatzt. Zumindest vorerst. (Foto: lovelyday12/AdobeStock)

Der Halbleiterhersteller ams aus Premstätten in der Steiermark hat das selbst gesetzte Ziel verfehlt, mehr als 62,5% der Anteil am MDAX-Wert Osram unter seine Kontrolle zu bringen. Trotz eines über mehrere Monate geschickt orchestrierten Übernahmeplans hat ams gerade einmal die Eigentümer von etwas mehr als der Hälfte der Osram-Aktien davon überzeugen können, das Übernahmeangebot von 41 Euro je Aktie anzunehmen.

Faktisch eine Sperrminorität

Dabei war es bis zuletzt völlig offen, wie das Ergebnis der Übernahmeofferte aussehen würde. Sogar mit einer Werbekampagne hat ams noch versucht, die zahlreichen Kleinanleger davon zu überzeugen, das Angebot anzunehmen. Doch weder bei ihnen noch bei den institutionellen Investoren war ams letztlich erfolgreich.

ams ist nun für ein Jahr gesperrt, eine neue Übernahmeofferte abzugeben. Eigentlich wäre dies also eine Steilvorlage für die Finanzinvestoren Bain Capital und Advent International, ihr eigenes Konkurrenzangebot nochmals vorzulegen. Allerdings ist dies wenig wahrscheinlich, weil ams durch eigene Zukäufe abseits des Übernahmeangebots bereits 19,99% der Osram-Aktien erworben hat. Auf Hauptversammlungen haben die Österreicher damit faktisch eine Sperrminorität, so dass die beiden Finanzinvestoren auf die Mithilfe von ams angewiesen wären. Ein höchst unwahrscheinliches Szenario.

Weltchampion als Ziel

Zumal ams noch längst nicht aufgegeben hat. Nicht nur, dass ams bei jeder sich bietenden Gelegenheit betont, der größte Einzelaktionär zu sein, bleibt es auch das ausgegebene Ziel, gemeinsam mit Osram einen global führenden Anbieter für optische Sensoriklösungen und Optoelektronik zu schaffen. Schließlich ist die Logik des Zusammenschlusses von Osram mit der kleineren ams weiterhin gegeben so der Vorstandsvorsitzende von ams, Alexander Everke.

Die Führungsetage von Osram sieht das jedoch anders. In einer Pressemitteilung betonte das Münchener Traditionsunternehmen, die Eigenständigkeit behalten und die Zukunft selbst gestalten zu wollen. Doch wenigstens habe man Gesprächsbereitschaft signalisiert, um auszuloten, wie eine sinnvolle und für beide Unternehmen vorteilhafte Kooperation im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben aussehen könnte.

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Ein wahres Bietergefecht

Noch im Juni sah alles nach einer geordneten Übernahme aus. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Osram-Vorstand mit den US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle nach langen Verhandlungen auf eine Übernahme und anschließende Sanierung des angeschlagenen Lichtkonzerns geeinigt. Im Gegenzug wurde versprochen, Osram in seiner bestehenden Form zu erhalten und Kapital für weitere Investitionen zur Verfügung zu stellen. Vorstand und Gewerkschaften waren gleichermaßen begeistert.

Als dann mit ams ein überraschender Wettbewerber auf den Plan trat, der sich Osram einverleiben wollte und das bisherige Übernahmeangebot um 10% überboten hatte, herrschte zunächst Unschlüssigkeit bei Osram, wie man das ams-Angebot einschätzen solle. Letztlich haben sich Osram-Vorstand und Aufsichtsrat nur widerwillig und unter Bezug auf das finanziell attraktivere Angebot dazu abringen lassen, das ams-Angebot anzunehmen.

Zum Schluss noch ein Kniff

Nachdem sich Carlyle weigerte, das ams-Angebot zu übertrumpfen, hat sich Bain kurzerhand mit Advent International verbündet. Bevor die neuen Partner jedoch ihrerseits ein höheres Übernahmeangebot abgeben konnten, hat ams die eigene Offerte nochmals deutlich aufgestockt, ohne dass dadurch die Angebotsfrist von neuem zu laufen begann. Damit blieb Advent für eine Buchprüfung schlicht zu wenig Zeit. Durch diesen Kniff ist es ams gelungen, die beiden Finanzinvestoren aus dem Bieterkampf vollends auszubooten.

Nach Ablauf des Bieterkampfes wird sich das Interesse der Investoren wieder auf die Finanzkennzahlen von Osram richten. Die wiederum alles anderes als zufriedenstellend aussehen. Nachdem die Unterstützung durch die Übernahmeangebote beendet ist, besteht daher die Gefahr weiterer Kursrückgänge. Der Kursverfall der letzten Tage könnte damit noch lange nicht beendet sein.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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