Panalpina: Frachtdienstleister weist DSV-Übernahme-Angebot zurück

Übernahme Symbolbild Puzzlestücke_shutterstock_701748778_NicoEINino

Der Panalpina-Großaktionär lehnt die DSV-Milliardenofferte als unzureichend ab. Geht der Bieter noch einmal höher? (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Die Übernahme des  Schweizer Logistikkonzern Panalpina wird zu den angebotenen Konditionen zunehmend unwahrscheinlich: Der Haupteigentümer des Baseler Logistikkonzerns – die Ernst-Göhner Stiftung (EGS) –  hat dem Übernahmeangebot des dänischen Konkurrenten DSV A/S am Wochenende eine klare Absage erteilt.

Nach dem vergeblichen Buhlen um die Gunst des ebenfalls Schweizer Übernahme-Kandidaten Ceva Logistics AG könnte dies die zweite Übernahme-Niederlage für die Dänen in wenigen Monaten werden.

Hauptaktionär setzt auf Panalpina-Kurs

In einer aktuellen Pressemitteilung bestätigt die Panalpina, dass der Stiftungsrat der EGS den Vorstand gebeten hat, das Übernahmeangebot der DSV Gruppe  abzulehnen. Der Stiftungsrat ist davon überzeugt, „dass Panalpina für ihre Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter mit ihrer Strategie als Konsolidierer mehr Wert schaffen kann, als die veröffentlichte unverbindliche Kaufofferte von DSV.“

Die EGS hält knapp 46 % der Panalpina-Aktien und ist damit der mit Abstand größte Anteilseigner von Panalpina. Weitere Panalpina-Anteilseigner stehen dem Kaufangebot jedoch offen gegenüber. So haben in der Vergangenheit sowohl Cevian Capital als auch Artisan Partners die intensive Prüfung eines Zusammenschlusses gefordert. Beide Investmentgesellschaften verfügen zusammen allerdings nur über gut 22 % der Panalpina-Aktien.

Aktienkurs gibt nach

Am 16. Januar hatte Panalpina mitgeteilt, dass ein unverbindliches Übernahmeangebot des dänischen Logistik-Konzerns DSV vorliege. Die Dänen boten 170 CHF pro Panalpina-Aktie, die teilweise in eigenen Aktien sowie in Bar gezahlt werden sollten. Daraufhin stieg der Kurs der Panalpina-Aktie von 137 CHF zwischenzeitlich auf über 180 CHF an – überstieg das DSV-Angebot also. Dies ist ein Hinweis darauf, dass der Markt eine aufgestockte oder eine Konkurrenz-Offerte erwartete.

Nach dem Bekanntwerden der Angebotsabsage durch die EGS gab der Panalpina-Kurs jedoch deutlich nach. Am Nachmittag verzeichnete die Aktie nur noch einen Wert von rund 160 CHF. Das entspricht einen Tagesverlust von gut 10% bei einer insgesamt stabilen Entwicklung des Schweizer Aktienindexes SMI. Dies deutet darauf hin, dass die Aktionäre befürchten, dass der Deal ins Wasser fällt.

Wie geht es weiter?

Ob die DSV sich mit der Absage ihres Kaufangebots abfinden oder aber das eigene Übernahmeangebot erhöhen wird, ist ungewiss. Geht es nach Logisitk-Größe Klaus Michael Kühne, ist die Panalpina bereits jetzt hoffnungslos überbewertertet. Allerdings ist die DSV schon seit geraumer Zeit auf Brautschau in der Logistikbranche und hat sich bereits vergeblich um die Übernahme von Ceva Logistics bemüht. Eine zweite Niederlage wäre für das Management dementsprechend schlecht.

Und der dänische Logistikkonzern hat in Sachen Übernahmen durchaus Erfolge vorzuweisen. So erwarb die DSV im Jahre 2016 den US-Konzern UTi Worldwide, der rund 23.000 Mitarbeiter in 58 Ländern beschäftigte. Damit wurde die DSV, was den Umsatz angeht, zum fünftgrößten Transport- und Logistikunternehmen der Welt.

Zudem hat es den Anschein, dass auch die DSV-Aktionäre den Management-Kurs unterstützen. Nach Abgabe der Erstofferte legte das Papier zu. Häufig verliert die Aktie des Bieters in der Erstreaktion, da Geld abfließt und das Risiko steigt.   Es bleibt also spannend.

Übernahme Symbolbild Puzzlestücke_shutterstock_701748778_NicoEINino

Übernahme-Glossar: Diese Fachbegriffe sollten Sie kennen (Teil 1)In den nächsten beiden Ausgaben meines Newsletters möchte ich Ihnen ein Helferlein zur Hand geben. Ich habe die gängigen Fachbegriffe rund um das Thema Übernahme für Sie in einem Glossar zusammengefasst. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.