Pandemie-Profiteure im Profil: Amazon

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Onlineshopping ist mehr als ein Trend. Das veränderte Kaufverhalten verstärkt sich durch die Pandemie. Amazon profitiert, Anleger auch. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Viele Branchen haben 2020 unter der Corona-Krise und den damit verbundenen Einschränkungen gelitten, doch es gibt auch Profiteure der Pandemie, deren Geschäft gerade durch Lockdown und Co. zusätzlich angekurbelt wurde. Einer dieser Pandemie-Profiteure ist Amazon.

Der Versandhandelsriese war auch schon vor Corona auf der Überholspur unterwegs, doch die Pandemie hat dem Unternehmen gleich in mehrfacher Hinsicht einen weiteren Wachstumsschub verpasst.

Da ist zum einen Amazon selbst, beziehungsweise das, was die meisten Kunden kennen: der gigantische Onlineshop, dessen Umsatz von Jahr zu Jahr im Allgemeinen und im Weihnachtsgeschäft ganz besonders kräftig zulegt.

Großteil der E-Commerce-Umsätze landet bei Amazon

In Zeiten geschlossener Geschäfte und viel Zeit zuhause sind etliche Verbraucher dazu übergegangen, vermehrt online zu bestellen – Amazon ist ein extremer Profiteur dieser Entwicklung, mehr als 40 Prozent der im Bereich E-Commerce umgesetzten Milliardenbeträge landen bei Amazon, dessen Gründer Jeff Bezos sein ohnehin beträchtliches Vermögen allein 2020 nahezu verdoppeln konnte und mit geschätzten 180 Milliarden Dollar als reichster Mensch der Welt gilt.

Besonders hohe Umsätze generiert Amazon seit einigen Jahren vor allem am Black Friday und Cyber Monday – die beiden Aktionstage, das Wochenende dazwischen sowie jeweils die Woche davor und danach sind längst zu einer riesigen Rabattschlacht geworden, die dank Amazon auch Europa erreicht hat. Mit teils stündlich wechselnden Sonderangeboten lockt der Handelsriese seine Kunden während dieser Zeit vor den Bildschirm – und verzeichnet dabei Umsätze im zweistelligen Milliardenbereich.

Diese werden nicht nur über Amazons selbst betriebenen Handel generiert, sondern auch über die Gebühren, die das Unternehmen von Drittanbietern einfährt, die die Verkaufsplattform Amazon Marketplace nutzen – entweder als Ergänzung oder als Ersatz für ihren eigenen Onlineshop.

Marketplace: Rettung für Einzelhändler, Goldgrube für Amazon

Viele kleinere Händler sind froh über die bestehende Infrastruktur, die sie bei Amazon mitnutzen können, sowie die Reichweite, die darüber generiert werden kann. Dafür nehmen sie dann auch höhere Abschläge an Amazon in Kauf.

Gerade in Zeiten der Pandemie, als etliche Einzelhändler von heute auf morgen ihre Geschäfte schließen mussten ohne klare Perspektive, wann und wie es weitergeht, war gut beraten, wer bereits einen Onlineshop etabliert hatte. Wer hingegen erst jetzt auf den fahrenden Zug aufspringen wollte, um zumindest einen Teil der Umsätze zu retten, war nicht selten auf Plattformangebote angewiesen – und in diesem Segment zählt Amazon nun einmal zu den unangefochtenen Platzhirschen.

Ein weiteres Standbein, das bei Amazon schon seit einigen Jahren einen Großteil der Gesamtumsätze beisteuert, ist der Bereich Amazon Web Services, kurz AWS. Die Web-Dienstleistungen werden vor allem von Geschäftskunden rege in Anspruch genommen – und das umso mehr, als 2020 plötzlich ganze Betriebe kurzfristig ins Homeoffice umziehen und die dafür erforderliche Infrastruktur bereitstellen mussten.

Amazon auf Rekordkurs

Nachdem die vorangegangenen Quartale bereits glänzende Gewinne geliefert haben, deutet alles darauf hin, dass Amazon seiner Jahresbilanz mit dem Schlussquartal ein Sahnehäubchen aufsetzt, inklusive Kirsche. Nicht nur Vorstandschef Bezos wittert ein Rekordjahr, auch Anleger und Analysten sind schwer begeistert von der Entwicklung des Onlineriesen.

Fast 430.000 Beschäftigte hat Amazon allein 2020 neu eingestellt, weltweit beschäftigt das Unternehmen inzwischen rund 1,2 Millionen Menschen und ist drauf und dran, der größte Arbeitgeber des Globus zu werden.

Nachhaltige Veränderung im Kaufverhalten

Wenig spricht dafür, dass die Erfolgsgeschichte allzu bald abreißt. Zum einen hatte sich das Kaufverhalten der Menschen bereits lange vor Corona zugunsten des Online-Versandhandels verlagert, zum anderen ist die Pandemie trotz anlaufender Impfungen längst nicht ausgestanden.

Mindestens für das erste Halbjahr 2021 rechnen die meisten Experten weiterhin mit Einschränkungen. Amazon wird demnach weitere Monate Zeit haben, seine Marktführerschaft weiter auszubauen und auch zusätzliche Kunden für sich zu gewinnen, sowohl private Schnäppchenjäger als auch Firmenkunden auf der Suche nach AWS-Lösungen. Die Rekordserie von Amazon, sie dürfte sich auch auf absehbare Zeit weiter fortsetzen.

Amazon Aktie: Auf Kurs in Richtung 4.000 Dollar?

Gleiches gilt für die Amazon Aktie. Die hat sich an der Nasdaq im Laufe der vergangenen zwölf Monate um rund 80 Prozent verteuert und kostete in dieser Woche mehr als 3.200 US-Dollar. Bei schwindelerregenden knapp 1,6 Billionen US-Dollar liegt der Börsenwert von Amazon zum Jahresende 2020.

Analysten gehen davon aus, dass sich Aktienkurs und Marktkapitalisierung weiterhin prächtig entwickeln werden. Die Amazon Aktie steht überall auf den Einkaufslisten, die Kursziele liegen bei 4.000 Dollar (UBS) und zum Teil sogar noch höher. So gehen die Experten von JP Morgan und Goldman Sachs von 4.100 beziehungsweise 4.200 Dollar als Kursziel aus.

Zu Beginn des Jahres 2020 kostete das Papier nicht einmal 2.000 Dollar. Somit zählt Amazon eindeutig zu den Profiteuren der Pandemie.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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