Pandemie-Profiteure im Profil: Zoom

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Vom Geheimtipp zum Börsenkracher: Die Zoom Aktie startete mit 65 Dollar ins Jahr und ist heute mehr als fünfmal so viel wert. (Foto: prima91 / Adobe Stock)

Viele Branchen haben 2020 unter der Corona-Krise und den damit verbundenen Einschränkungen gelitten, doch es gibt auch Profiteure der Pandemie, deren Geschäft gerade durch Lockdown und Co. zusätzlich angekurbelt wurde. Einer dieser Pandemie-Profiteure ist Zoom.

Vor einem Jahr waren das Unternehmen und seine Aktien eher ein Geheimtipp, doch wer vor zwölf Monaten hier investiert hat, konnte parallel zur Pandemie reich werden. Der Wert des Papiers hat sich seither vervielfacht, kurz vor Silvester liegt das Kursplus auf Jahressicht bei satten 430 Prozent.

Während andere Pandemie-Profiteure wie Amazon oder die Deutsche Post bereits seit Jahren von langanhaltenden Entwicklungen profitieren, die durch Corona lediglich zusätzlich verstärkt wurden, hatte Zoom vor einem Jahr kaum jemand auf dem Zettel.

Homeoffice statt Geschäftsreise: Zoom füllt die Lücke

Der Anbieter für Online-Videokonferenzen ist einer unter vielen in dem Segment, und doch profitierte er wie keiner seiner Konkurrenten von den Lockdown-Maßnahmen im Frühjahr. Etliche Firmen schickten ihre Belegschaft ins Homeoffice, Geschäftsreisen wurden auf ein absolutes Minimum zusammengestrichen.

Um mit Kollegen und Geschäftspartnern weiterhin Kontakt zu halten, benötigten die Firmen einen leistungsfähigen und zuverlässigen Dienstleister für Videotelefonie – und wurden fündig bei Zoom. Da sich der Zustand absehbar über mehrere Monate hinziehen würde, entschieden sich zahlreiche Firmenkunden für die Bezahlversion und statteten ihre Mitarbeiter mit Monatsabos aus. Inzwischen zählt Zoom mehr als 433.000 Geschäftskunden mit mehr als 10 Beschäftigten – das entspricht einem Anstieg von 485 Prozent binnen eines Jahres.

Q3-Bilanz offenbart schwindelerregendes Wachstum

Die schwindelerregende Wachstumskurve macht sich auch in den Bilanzen bemerkbar: Im dritten Quartal verzeichnete Zoom einen Umsatz in Höhe von 777 Millionen Dollar – nach knapp 167 Millionen im Vorjahreszeitraum. Noch rasanter aufwärts ging es beim Gewinn: Hier verzeichnete das Unternehmen einen Sprung von 2,2 Millionen Dollar in Q3 des Geschäftsjahres 2019 auf über 198 Millionen Dollar im Zeitraum von August bis Ende Oktober 2020. Für das laufende Schlussquartal peilt Zoom Erlöse zwischen 806 und 811 Millionen Dollar an – mehr als Analysten vorab erwartet hatten.

Trotz der starken Zahlen verzeichnete die Zoom Aktie nach Vorlage der Q3-Bilanz einen Kurseinbruch. Anleger machten ihre Gewinne zu Geld, auch Analysten zeigten sich unsicher, ob der Gipfel nicht schon erreicht sei.

Tatsächlich treibt die Aktionäre nachhaltig die Sorge um, der Hype um Zoom könnte mit den Entbehrungen der Corona-Pandemie vorübergehen. So brach das Papier zweistellig ein an dem Tag, als Biontech und Pfizer ankündigten, eine Marktzulassung für ihren Impfstoff gegen Covid-19 zu beantragen.

Zoom – nur dank und mit Corona erfolgreich?

Mit Impfstoff kein Corona, ohne Corona kein Zoom-Bedarf? Die Rechnung ist einfach, aber nicht unbedingt zutreffend. Zum einen haben viele Nutzer auch im privaten Bereich Gefallen an den Diensten des Videotelefonie-Anbieters gefunden und könnten auch weiterhin häufiger als zuvor darauf zurückgreifen, etwa um Familienangehörige in der Ferne zusammenzuschalten.

Zum anderen scheint es auch bei vielen Firmen ein grundlegendes Umdenken zu geben: Nachdem die Pandemie zu einer Quasi-Zwangsverordnung von Homeoffice geführt hat, haben viele Chefs und Mitarbeiter die Vorzüge dieser Arbeitsweise erkannt und wollen sie, zumindest teilweise oder als optionales Angebot, auch über die Corona-Beschränkungen hinaus aufrechterhalten.

Auch die Notwendigkeit von Geschäftsreisen rund um den Globus wurde durch die Lockdown-Erfahrungen relativiert. Zwar lässt sich manches nicht vermeiden, doch für vieles reicht auch die virtuelle Zusammenkunft – und für die Buchhaltung kommt ein Monatsabo bei Zoom auch günstiger als Tickets für Interkontinentalflüge.

Zoom Aktie: 2021 einen Gang zurückschalten?

Dementsprechend ist davon auszugehen, dass Zoom zwar sein märchenhaftes Wachstum aus dem Corona-Jahr 2020 kaum in solchem Ausmaß wird wiederholen können. Dennoch hat die Krise dem Unternehmen als Katalysator gedient und seine Bekanntheit enorm gesteigert. Zufriedene Kunden dürften Zoom auch weiterhin erhalten bleiben – selbst wenn der Impfstoff im Jahresverlauf 2021 wieder eine schrittweise Rückkehr in Richtung Normalität erlaubt.

Für die Zoom Aktie geht in dieser Woche ein extrem erfolgreiches Jahr zu Ende: Silvester 2019 kostete das Papier gerade einmal 65 Dollar. Wer dieses Geld damals investiert hat, freut sich heute über rund 350 Dollar – oder konnte im Oktober bereits 588 Dollar einstreichen, der bisherige Rekordwert der Zoom Aktie.

Mit einem Jahresplus von rund 430 Prozent gehört der frühere Underdog Zoom eindeutig zu den Profiteuren der Pandemie.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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