Parrot-Aktie: Übernahme auf der Zielgeraden

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Firmengründer greift nach französischem Drohnenhersteller Parrot. Der Cash-Bestand liegt deutlich über dem Übernahmepreis. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Lange sah es aus, als könnte es eine französische Erfolgsgeschichte werden. Von 2005 bis 2012 explodierten die Umsätze des Drohnenherstellers regelrecht von 62,5 auf über 280 Millionen Euro. Zu Hochzeiten erzielte das Unternehmen zweistellige Gewinnmargen. Doch damit ist lange Schluss. Der hohe Konkurrenzdruck und die nachlassende Absatzdynamik bei Konsumentendrohnen ließen die Zahlen massiv einbrechen. Zuletzt verharrten die Franzosen sogar tief in der Verlustzone.

Das hinterließ auch seine Spuren im Aktienkurs. Vom Rekordhoch aus dem Jahr 2015 bei über 35 Euro ist die Aktie Lichtjahre entfernt. Im November rauschte das Papier bis auf knapp 1,50 Euro in die Tiefe bevor der Firmengründer Henry Seydoux seinen Anteil weiter aufstockte und ein Übernahmeangebot für Konzern auf den Tisch legte.

Verkauf des Automobilgeschäfts

Bevor ich auf das aktuelle Übernahmeangebot eingehe, möchte ich Ihnen den französischen Konzern noch einmal näher vorstellen. Denn hierzulande dürfte die Firma nur den wenigsten Anlegern bekannt sein. Parrot ist neben dem chinesischen Hersteller DJI einer der bedeutendsten Player im Markt für Drohnen.

Seit dem Verkauf des Automobilgeschäfts im vergangenen Jahr ist Parrot ausschließlich auf den Drohnenmarkt spezialisiert. Zuvor hatten die Franzosen auch Connectivity- und Infotainment-Lösungen entwickelt. Vor der Übernahme durch den Innenraumspezialisten Faurecia hatten beiden Firmen bereits im Rahmen einer Entwicklungskooperation zusammengearbeitet.

Massiv unter Druck

Doch der Drohnenmarkt gilt als hart umkämpft. In den zurückliegenden Jahren haben viele Hersteller bereits das Handtuch geschmissen (bspw. Lily Robotics, 3D Robotics). Dazu gesellen sich weitere Probleme. Zwar erwarten Experten, dass er Markt der Drohnen für Privatnutzer bis 2020 auf weltweit 4,6 Milliarden Dollar ansteigt. Drohnen für die gewerbliche Nutzung, wozu beispielsweise Feuerwehren oder Landwirte zählen, könnten bis dahin sogar einen Umsatz von 6,6 Milliarden Dollar erreichen.

Doch die rasanten Zuwachsraten haben in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Zudem drückt der Platzhirsch DJI aus China, der mehr als zwei Drittel des Marktes beherrscht, kräftig auf die Preise. Keiner kann so günstig produzieren. DJI produziert in seinen eigenen Fabriken, gilt technologisch als führend, ausgesprochen flexibel und drängt seine Wettbewerber mit Kampfpreisen aus dem Markt.

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Nur noch knapp über 100 Millionen Euro Jahresumsatz

Parrot hat bereits seit langem betont, dass im Markt für Konsumentendrohnen kein Geld zu verdienen ist und man sich daher auf gewerbliche Lösungen fokussiert. Dennoch waren die Zahlen zuletzt stark rückläufig. Im vierten Quartal gingen nach vorläufigen Informationen gerade einmal Umsätze in Höhe von 31 Millionen Euro durch die Bücher. Für Sie zum Vergleich: Ursprünglich hatte die Gesellschaft 35 Millionen Euro Umsatz im Schlussquartal angepeilt.

Auf Gesamtjahressicht kommt Parrot damit nur noch auf 109 Millionen Euro Umsatz. Der Umsatz mit Verbraucherdrohnen sank um rund 32% auf 53 Millionen Euro. Mit kommerziellen Geräten, Software und Dienstleistungen erzielte Parrot rund 44 Millionen Euro und damit um 5% mehr als im Vorjahrszeitraum. Unter dem Strich verbleibt ein satter Umsatzrückgang von 28%. Das schwache Bild zeigt sich auch bei der Gewinnentwicklung. Mit einem Jahresverlust von 65 Millionen Euro wurde der Vorjahreswert (-57,6 Millionen Euro) unterschritten.

Firmengründer bietet 3,20 Euro je Aktie

Die schwache Geschäftsentwicklung und den massiv gesunkenen Aktienkurs nutzte der Firmengründer im November für den Kauf eines 9,59%igen Aktienpakets für 3,20 Euro. Das entsprach einem Kursaufschlag von über 90%. Damit hält Seydoux über seine Beteiligungsgesellschaft mittlerweile 45,7% aller Aktien. Für die restlichen Aktionäre bietet der Gründer und Vorstand ebenso den Preis von 3,20 Euro je Aktie.

Liquidität deutlich höher als der Börsenwert

In einem Statement am Dienstag hat sich der Aufsichtsrat jetzt wohlwollend zu der Offerte geäußert und den Aktionären empfohlen, das Angebot anzunehmen. Aktuell notiert die Aktie mit 3,27 Euro knapp über dem vorgelegten Angebot. Operativ dürfte Parrot auch in den kommenden Quartalen harte Zeiten bevorstehen. Vielleicht hat es der Firmengründer auf den hohen Cash-Bestand der Firma abgesehen. Zum Jahresende überstieg der Nettocashbestand mit 160 Millionen Euro deutlich den aktuellen Börsenwert (98 Millionen Euro).

Ob Parrot allerdings schnell in die Gewinnzone zurückkehren kann, ist ungewiss. Bereits vor zwei Jahren haben sich die Franzosen von einem  Drittel ihrer Mitarbeiter im Drohnenbereich getrennt. Ein Ende des Preiskampfs ist jedenfalls momentan nicht absehbar.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.