Patrizia Immobilien steigt in den japanischen Immobilienmarkt ein

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Der demografischer Wandel hinterlässt in Japan leere Häuser. Dennoch will Patrizia Immobilien in den japanischen Immobilienhandel einsteigen. (Foto: JFL Photography/AdobeStock)

Gestern hat Patrizia Immobilien die Übernahme der japanischen Kenzo Capital Corporation, einer in Tokio ansässigen Immobilienberatungs- und Vermögensverwaltungsgesellschaft, bekannt gegeben. Dem Vernehmen nach ist die Übernahme Teil der Unternehmensstrategie, das steigende Interesse außereuropäischer Investoren an den europäischen Immobilienmärkten besser bedienen zu können.

Kurios: Nach eigenen Angaben ist Kenzo Capital eine Plattform für Asset Management und Investmentberatung in japanischen Immobilien. Zielgruppe sind also europäische Immobilieninvestoren, die japanische Immobilien erwerben wollen, nicht umgekehrt. In dieser Rolle verfügt Kenzo nach eigenen Angaben über langjährige Erfahrung, u. a. über einen eigenen Fonds, der 2017 in Zusammenarbeit mit Patrizia aufgelegt wurde.

Patrizia Immobilien wiederum bezeichnet sich selbst als „führenden globalen Partner für pan-europäische Immobilien-Investments“. Wer darin einen Widerspruch entdeckt, hat vermutlich nicht ganz unrecht. Was das Augsburger nun ausgerechnet am japanischen Immobilienmarkt ausgemacht haben wollen, bleibt ebenfalls unklar.

Ein Preisanstieg macht noch keinen Trend

Zwar sind laut einer aktuellen Umfrage des Ministeriums für Boden, Infrastruktur und Verkehr die Grundstückspreise im ersten Halbjahr 2018 landesweit um 0,1 % angestiegen – erstmals seit 2012. Zurückzuführen war dies allerdings auf eine Kombination aus stärker steigenden Preisen für Gewerbeimmobilien und weniger stark fallenden Preisen für Wohnimmobilien – dem Spezialgebiet von Patrizia Immobilien.

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Dass die Preise für Gewerbeimmobilien angestiegen sind, ist nun nicht darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung nun plötzlich an eine konjunkturelle Aufhellung glaubt. Vielmehr versuchen die Anleger, ihr Geld vor einem anhaltenden Werteverfall in Sicherheit zu bringen. Was durch den Erwerb von Immobilien in Einzelfällen prima funktioniert.

Die demographische Keule

Dennoch hat die Sache einen Haken. Denn Japans Bevölkerung schrumpft. Und dieser Trend wird sich eher noch verstärken: Für die kommenden zwei Jahrzehnte prognostizieren Forscher einen Bevölkerungsrückgang von etwa 16 Mio. Menschen. Hinzu kommt, dass der demographische Wandel die japanische Bevölkerung voll im Griff hat, mit der Folge, dass immer weniger junge Menschen Eigentumsimmobilien suchen – insbesondere in den Vororten oder auf dem Land.

Dabei stehen bereits heute Millionen von Immobilien leer. Jüngsten Erhebungen zufolge gibt es mehr als 8 Mio. unbewohnte Immobilien, so dass diese nun sogar verschenkt werden. Was angesichts der katastrophalen Baumethoden, die während des Nachkriegsbooms gängig waren, noch zu teuer sein dürfte.

Aktie hoch bewertet

Trotz dieser Widersprüche hat die Aktie von Patrizia Immobilien mit einem 6%igen Kursfeuerwerk reagiert. Mit einem KGV auf Basis der 2019er Gewinnschätzungen von mehr als 17 erscheint die Aktie angesichts der überschaubaren Wachstumsaussichten und vor dem Hintergrund einer unklaren Portfoliostrategie allerdings als fair bewertet. Allenfalls für kurzfristige Spekulanten dürfte sich ein Einstieg anbieten.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.