PayPal mit cleverem Übernahme-Schachzug

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PayPal hat die Übernahme von Honey abgeschlossen. Trotz hohem Kaufpreis dürfte sich der Deal langfristig auszahlen. (Foto: BigTunaOnline / Shutterstock.com)

Vor wenigen Tagen hat PayPal die Übernahme von Honey unter Dach und Fach gebracht. Die meisten Anleger schenken den im November 2019 angekündigten Deal keine allzu große Beachtung. Manche fragen sich gar, was PayPal überhaupt mit der Rabattplattform will. Aus meiner Sicht ist die Übernahme von PayPal aber ein cleverer Schachzug. Im Folgenden möchte ich Ihne erläutern, warum.

Größte Übernahme in PayPals Geschichte

Mit einem Kaufpreis von 4 Mrd. US-Dollar ist Honey die größte Übernahme in der noch jungen Geschichte von PayPal. Kernprodukt von Honey ist eine Browsererweiterung, die automatisch nach verfügbaren Rabattkupons sucht und eingibt, wenn der Nutzer Online-Einkäufe tätigt. Das spart den Nutzern ohne Aufwand bares Geld. Eine weitere Funktion liegt in einer nachträglichen Rückerstattung eines kleinen Anteils des Kaufpreises in Form eines Bonuspunkteprogramms.

Außerdem informiert Honey die Nutzer auf Wunsch über Preissenkungen ausgewählter Ware. Geld verdient Honey mit Vermittlungsgebühren, die inzwischen rund 30.000 Online-Shops an Honey zahlen. Honey ist in Australien, Großbritannien, Indien, Kanada und den USA tätig und zählt insgesamt 17 Mio. Nutzer mit steigender Tendenz.

Kaufpreis erscheint nicht als Schnäppchen

Wie bei fast jeder Übernahme gibt es neben positiven Kommentaren auch Kritik über den hohen Kaufpreis. Pro Nutzer zahlt PayPal für die Übernahme somit 235 US-Dollar. Das ist in der Tat ein stolzer Preis. Ist Honey so viel wert? Für sich allein genommen eher nicht. Aber ein Gigant wie PayPal besitzt viel größere Möglichkeiten, daraus etwas zu machen, indem die Honey-Funktionen mit dem Kerngeschäft vernetzt werden.

Warum sich die Investition für PayPal lohnen dürfte

PayPal verfügt über das wohl weltgrößte Händlernetzwerk im Internet-Shopping. Diese Kontakte können dazu genutzt werden, den Händlern die Honey-Funktionen schmackhaft zu machen. Bislang hat Honey alleine gerade mal 30.000 Shops erreicht. PayPal zählt hingegen über 20 Mio. Shops zu seinen Kunden. Wenn es PayPal gelingt, nur 5% dieser Shops von Honey zu überzeugen, würde dies die Zahl der Honey-Shops mehr als verdreißigfachen.

Ein weiterer Hebel wartet bei der Anzahl der Nutzer. Diese werden automatisch mit der Anzahl der Shops steigen. Außerdem verfügt PayPal selbst über inzwischen fast 300 Mio. Nutzer, bei denen sich sicherlich ein Teil von Honey überzeugen lässt.

Honey steht also in den nächsten Jahren dank der Zugehörigkeit zu PayPal vor einem gewaltigen Wachstumsschub. Insofern sehe ich die 235 US-Dollar pro heutigem Nutzer nicht kritisch.

Ein weiterer Vorteil, den die Übernahme PayPal bietet, ist der Gewinn an zusätzlichen Daten. Das Nutzerverhalten von Internetkäufern ist heute bekanntlich Gold wert. Mit Honey kann PayPal diesen Datenschatz nochmals aufwerten

Wachstum durch Übernahme statt Dividendenzahlung

Laut dem jüngsten Quartalsbericht sitzt PayPal auf über 10 Mrd. US-Dollar Cash. Und ich schätze es grundsätzlich, wenn dieses Geld für das weitere Wachstum (und somit für langfristig weitere Kurssteigerungen) investiert wird, statt es beispielsweise in Form von Dividenden auszuschütten. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass PayPal seine Erfolgsgeschichte mit Honey fortsetzen wird.

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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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