PayPal übernimmt schwedische iZettle für 2,2 Mrd. Dollar

PayPal entert den Markt für mobile Bezahlsysteme. Was für den Online-Bezahldienst eine große Wachstumschance ist, ist für Marktführer Square eine nicht zu unterschätzende Gefahr. (Foto: BigTunaOnline / Shutterstock.com)

Es ist die bislang größte Übernahme der Unternehmensgeschichte. Der US-amerikanische Online-Bezahldienst PayPal übernimmt für 2,2 Mrd. Dollar das schwedische Startup iZettle.

iZettle ist ein Anbieter mobiler Bezahlsysteme, die es Privatpersonen und Kleingewerbebetreibende ermöglichen, per Smartphone- oder Tablet-Zusatz Kartenzahlung zu akzeptieren.

Der Markt ist in Deutschland noch sehr klein, erfreut sich aber wachsender Beliebtheit. In Nordeuropa und den USA wird ein mobiles Zahlsystem bereits häufiger genutzt.

Markteintritt in den stationären Handel erntet viel Beifall

Für PayPal, bekannt als Online-Bezahldienst, ist die Übernahme der Schritt in den stationären Handel. Investoren und Analysten begrüßen den Deal als strategisch richtig.

Kurz nach Handelsbeginn an der Wall Street notierte die PayPal-Aktie 2% fester, diverse Analysten bestätigten in einer Ersteinschätzung zur Übernahme ihre positive Einschätzung zur PayPal-Aktie.

PayPal kennt den Markt und das Unternehmen: 2,2 Mrd. Dollar trotz fehlender iZettle-Gewinne nicht zu viel

Die Übernahme ist eine Wette, dass sich die Technologie der Schweden durchsetzen wird. iZettle wurde 2010 gegründet und hat bislang noch keine Gewinne erwirtschaftet, operativ soll das Geschäft erst 2020 profitabel sein.

Für PayPal ist iZettle jedoch kein Unbekannter. Die beiden Unternehmen haben an verschiedenen Projekten zusammen gearbeitet.

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Auch eine gute Marktindikation wird PayPal haben. In den USA ist Square das iZettle-Gegenstück. Square konnte in den vergangenen 2 Jahren den Umsatz um 70% auf 2,2 Mrd. Dollar steigern und ist bereits profitabel. An der Börse wird Square mit 21,7 Mrd. Dollar bewertet.

iZettle hatte eigentlich anderes vor – doch Übernahme-Angebot war zu gut

Die Übernahme ist eine Überraschung. iZettle arbeitete seit Mitte 2017 am Börsengang und bekräftigte erst vor wenigen Tagen, dass der Gang aufs Parkett näher rückt.

An der Börse wäre iZettle voraussichtlich mit 1,1 Mrd. Dollar bewertet worden. Es ist daher aus finanzieller Sicht verständlich, dass sich die Unternehmenseigner gegen den Börsengang entschieden haben und stattdessen das doppelt so hohe PayPal-Übernahme-Angebot bevorzugten.

Der iZettle-Gründer wird nach der Übernahme Chef „seines“ Unternehmens bleiben, sodass auch vor diesem Hintergrund der Schritt verständlich ist. Eine iZettle-Expansion unter dem Dach von Paypal dürfte mit Blick auf die enorme Reichweite des Unternehmens und des riesigen finanziellen Spielraums vieles deutlich vereinfachen.

Square-Geschäft könnte mittelfristig vom Paypal-Markteintritt belastet werden

Während bei PayPal und iZettle die Sektkorken knallen, ist man bei Square weniger begeistert von der Übernahme. Bislang interessierte sich PayPal nicht für das Geschäft, mit der iZettle-Übernahme entsteht ein gewaltiger Konkurrent, der die Square-Marktstellung mittelfristig bedroht.

Als gestern die ersten Berichte einer iZettle-Übernahme auftauchten, geriet die Square-Aktie dann auch unter Druck. Noch ist nicht absehbar, inwiefern PayPal Square gefährlich wird, doch viel Wachstumsphantasie ist im Square-Aktienkurs bereits enthalten.

Nach 450% Kurssteigerung in 2 Jahren ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen, um die Square-Gewinne mitzunehmen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.