Peinliche Corona-Panne: Ausgerechnet Bayern!

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900 Infizierte laufen ahnungslos umher, womöglich schon seit Wochen, weil Bayern mit der Informationsverarbeitung nicht hinterherkommt. (Foto: g0d4ather / Shutterstock.com)

Die Corona-Pandemie stellt die Verantwortlichen in Bund und Ländern vor ungekannte Herausforderungen. Innerhalb kürzester Zeit müssen sie Entscheidungen treffen, über die im Normalfall jahrelang zwischen den politischen Lagern gerungen worden wäre.

Nun aber geht auf einmal alles ganz schnell – und ist dementsprechend fehleranfällig, zumal in der praktischen Umsetzung nicht alles so reibungslos verläuft, wie man es sich auf politischer Führungsebene am Schreibtisch ausgemalt hat.

900 Infizierte wohl wochenlang ahnungslos

Ausgerechnet Bayern, häufig als Musterschüler in Sachen Corona-Bekämpfung tituliert, musste in dieser Woche eine ebenso peinliche wie gefährliche Panne eingestehen. Seit dem Wochenende sind Corona-Tests bekanntlich verpflichtend für Rückkehrende aus Risikogebieten, Bayern bietet darüber hinaus freiwillige Testkapazitäten an und bedient damit auch mehrere Grenzübergänge an Autobahnen.

An der Leistungsfähigkeit der eingebundenen Labore scheint es auch nicht zu mangeln, sehr wohl aber an der Kommunikation der Ergebnisse. So musste die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml nun einräumen, dass rund 44.000 Personen über ihre Testergebnisse bislang nicht informiert wurden – darunter auch etwa 900 nachweislich positiv Getestete, die also das Coronavirus in sich tragen und ahnungslos womöglich etliche weitere Personen infiziert haben könnten.

Wie lang die Tests im Einzelnen zurücklagen, konnte die Ministerin nicht beantworten – und damit auch nicht ausschließen, dass diese möglicherweise nicht erst Tage, sondern auch Wochen in der Vergangenheit liegen können. Womöglich haben also Infizierte das Virus unwissentlich während der hochinfektiösen zwei Wochen weiterverbreitet.

Kratzer in Söders Saubermann-Image

Die meisten dieser liegengebliebenen Tests wurden an den drei Autobahnstationen durchgeführt, die Ergebnisse bislang jedoch manuell erfasst, was zu einer erheblichen Verzögerung in den Bearbeitungsabläufen geführt hat. Man will nun auf ein digitalisiertes Vorgehen umstellen, so die Versicherung der bayerischen Landesregierung. Auch sollen die Getesteten und insbesondere die Infizierten nun zeitnah über ihre Testergebnisse informiert werden.

Dass es ausgerechnet Bayern ist, das eine solche Panne einräumen muss, ist gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Immerhin rühmt sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der immer wieder auch als potenzieller Kanzlerkandidat der Union für die Wahl im kommenden Jahr gehandelt wird, seit Monaten mit seinem erfolgreichen Vorgehen in der Pandemie, gilt als geradlinig und entschlossen, wenn es um die Durchsetzung unbequemer Maßnahmen geht.

Häufig trat Söder in den vergangenen Monaten persönlich in Erscheinung, um die frohen Botschaften aus dem gelobten Bayer zu verbreiten. Auf der denkbar unangenehmen Pressekonferenz seiner Gesundheitsministerin ließ er sich hingegen nicht blicken, sagte aber einen eigentlich geplanten zweitägigen Besuch in Norddeutschland ab, um sich vor Ort um die Probleme zu kümmern.

Man kann sich vorstellen, dass Söder tobt, hatte er doch so ausgiebig und erfolgreich am Saubermann-Image seines Freistaats gefeilt, in dem alles so glatt zu laufen schien. Doch offenkundig kann selbst in Bayern mal etwas schiefgehen.

Dezentrales Infektionsgeschehen zum Ferienende

Wie verheerend die Auswirkungen sein werden, muss sich erst noch zeigen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Reiserückkehrer aus bestimmten Regionen das Virus wieder vermehrt in die Bundesrepublik einschleppen und damit zu dezentralem Infektionsgeschehen beitragen. Eine lokale Eingrenzung, wie sie beispielsweise im Fall von Betrieben, Pflegeheimen oder Schulen gelingen kann, wird dadurch nahezu unmöglich.

Ein weiteres Detail der Pressekonferenz macht zusätzlich stutzig: Zähneknirschend musste die bayerische Regierung einräumen, die Vielzahl an Testungen wohl schlichtweg unterschätzt zu haben. Da kann in den kommenden Wochen noch einiges auf uns zukommen, wenn auch der Rest der Republik nach und nach aus den Sommerferien zurückkehrt.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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