Peloton will mit Zukauf Wachstum weiter ankurbeln

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Peloton schluckt Rivalen Precor und drückt beim Wachstum auf die Tube: Deal soll für bessere Verfügbarkeit der boomenden Fitnessbikes sorgen (Foto: BobNoah / shutterstock.com)

Der Heimtrainerhersteller Peloton gehört zu den klassischen Profiteuren der Corona-Pandemie. Auf Grund der zahlreichen Schließungen von Fitnessstudios boomt die Nachfrage nach den Fitnessbikes für die eigenen vier Wände wie nie zuvor. Das macht sich auch in den zuletzt vorgelegten starken Geschäftszahlen bemerkbar. Auch für die Zukunft rechnet Firmenboss John Foley mit einem anhaltend hohen Wachstum. So sollen im laufenden Geschäftsjahr die Umsätze mindestens verdoppelt werden. Darüber hinaus setzt der US-Konzern auch auf Zukäufe: Gerade hat Peloton mit der Übernahme des Rivalen Precor den bislang größten Deal der Firmengeschichte in trockene Tücher gebracht.

Die Anleger freut es. Konnte man zum letzten Jahreswechsel noch Peloton-Papiere zu knapp unter 30 Dollar je Anteil einsammeln, muss man mittlerweile über 140 Dollar pro Aktie auf den Tisch legen. Nach der rasanten Kursrally im letzten Jahr liegt der Börsenwert bei über 36 Milliarden Dollar.

Peloton im Portrait

Falls Ihnen Peloton noch nicht bekannt ist: Das Unternehmen wurde 2012 in New York gegründet. Nachdem der Firmengründer John Foley keine anfangs keine Investoren für sein Geschäftsmodell begeistern konnte, hat er Peloton zunächst über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter und Privatinvestoren finanziert. Das erste Fitnessgerät kam 2014 auf den Markt. Das erfolgreichste Produkte ist ein hochwertiges Spinning-Bike, das für über 2.000 Euro verkauft wird. Dazu benötigen Nutzer eine monatliche Mitgliedschaft, um Zugriff auf die Kurse zu bekommen. In den letzten Jahren hat Peloton sein Sortiment um ein Laufband und eine standalone App erweitert.

Aus Studios in New York und London werden täglich zahlreiche Fitness-Kurse live ausgestrahlt, zu denen man sich anmelden kann und bei denen man auch individuell angesprochen und motiviert wird. Wem das Live-Angebot zeitlich nicht passt, der kann sich aus einer Auswahl von mittlerweile über 10.000 Trainingseinheiten in der Mediathek bedienen.

Anhaltend hohe Wachstumsdynamik

Auch im abgelaufenen erstem Quartal (Juli bis September 2020) hielt die hohe Geschäftsdynamik unverändert an. Der Umsatz kletterte um 232% auf 757,9 Millionen Dollar. Das erste Quartal endete mit einem Anstieg der Fitness-Abonnements um 137 % auf über 1,33 Millionen. Nach einem Verlust von 50 Millionen Dollar im vergleichbaren Vorjahresquartal stand nun sogar ein Gewinn von 69 Millionen Dollar in den Büchern.

Peloton schluckt Precor für 420 Millionen Dollar

Weiteres Wachstum ist laut Firmenboss Foley programmiert. Im laufenden Geschäftsjahr soll sich der Umsatz auf mindestens 3,9 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Ein Baustein in der zukünftigen Wachstumsstrategie spielt die Übernahme des finnischen Rivalen Precor für 420 Millionen Dollar. Peloton erhält mit dem Zukauf Zugriff auf Precors Werke in Whitsett in North Carolina und Woodinville in Washington. Zudem arbeiten bald unter anderem 100 Top-Leute aus dem Ressort Forschung und Entwicklung für Peloton.

Deutliche Verkürzung der Wartezeiten

Der Hintergrund des Deals liegt auf der Hand: Trotz der Beliebtheit seiner Heimtrainer und Laufbänder, die bis zu 4.300 Dollar kosten können, wurde Peloton in letzter Zeit dafür kritisiert, dass die Produkte bis zu zwei bis drei Monate für die Auslieferung benötigen. Diese Verzögerung hat einige Kunden verärgert oder die Suche nach Alternativen beflügelt. Mit den erhöhten Produktionskapazitäten sollten das größte Hindernis für das geplante massive Wachstum beseitigt werden können.

Zudem wird die Übernahme den kommerziellen Fitnessmarkt erschließen, wo Precor den Großteil seines Geschäfts macht, während die Peloton-Benutzer fast alle ihr Training zu Hause absolvieren. Anfang letzten Jahres gab Precor bekannt, dass seine eigene Cloud-basierte Fitness-Plattform den Meilenstein von einer Milliarde Workouts überschritten hat, und zwar mit über 140.000 angeschlossenen Geräte in über 13.000 Einrichtungen. Analysten gehen davon aus, dass sich durch den Precor-Deal die jährlichen Peloton-Umsätze um 500 Millionen Dollar erhöhen könnten.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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