Pensionsverpflichtungen – ungedecktes Billionenrisiko für deutschen Staat

Derzeit wird in den Medien Deutschland ja als „reiches“ Land dargestellt. Leider ist jedoch das Gegenteil der Fall. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Dem deutschen Staat geht es so gut wie. So ist zumindest der mediale Grundtenor in diesen Tagen. Die Steuereinnahmen sprudeln, die Verschuldung sinkt und die neue Große Koalition streitet schon vor der offiziellen Installierung über neue milliardenschwere Ausgabenprojekte.

Selbst die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler wird erstmals in ihrer 22-jährigen Geschichte rückwärtslaufen – und zwar um 78 Euro pro Sekunde. Dieser sekündliche Schuldenabbau ergibt sich überwiegend aus den aktuellen Haushaltsplänen der 16 Bundesländer für das Jahr 2018.

Teure Pensionierungswelle

Momentan mag der deutsche Staat zwar noch halbwegs passabel dastehen. Das wird sich aber schon relativ rasch ändern. Fakt ist nämlich, dass sage und schreibe 1,5 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst bis 2030 in den Ruhestand gehen werden. Das hat zur Folge, dass die Pensionsverpflichtungen des Staates gravierend hochschnellen werden. Schon jetzt sind diese Lasten gewaltig und extrem teuer für uns Steuerzahler.

Die Pensionen für die Staatsdiener verschlangen allein im Jahr 2016 gewaltige 63,91 Milliarden Euro. Im Jahr 2006, also zehn Jahre zuvor, waren es nur 44,46 Milliarden Euro. Professor Bernd Raffelhüschen vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg hat im Auftrag des Bundes der Steuerzahler errechnet, dass der deutsche Staat bis zum Jahr 2050 gewaltige 1,3 bis 1,4 Billionen Euro für die Versorgung seiner Beamten wird ausgeben müssen.

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Der Großteil davon, etwa 870 Milliarden Euro, müsse für die Alterspensionen zur Verfügung stellt werden. Der Bund allein muss für die Verpflichtungen für Pensionen knapp 478 Milliarden Euro ausgeben. Hinzu kommen noch verpflichtende Ausgaben für Beihilfen im Volumen von gut 169 Milliarden Euro.

Ja, liebe Leser, das sind gewaltige Kosten, die uns Steuerzahlern da aufgebürdet werden. Leider, ja wirklich leider hat der deutsche Staat erst seit dem Jahr 2007 damit begonnen, zumindest winzige Rückstellungen für die Pensionierungswelle zu machen. Angesichts der Billionen-Verpflichtung ist die aktuelle Summe, die im Rückstellungstopf liegt, wahrlich „peanuts“.

Hier sprechen wir über einen momentanen Stand von um die 14 Milliarden Euro, die tatsächlich zurückgelegt worden sind. Besser als nichts möchte man da sagen. Aber unter dem Strich sind die 14 Milliarden nicht einmal der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Fraglich und spannend wird werden, wie der in Wahrheit klamme deutsche Staat mit uns Steuerzahlern und den Staatsdienern umgehen wird. Wahrscheinlich wird es am Ende dann doch zu Einschränkungen bei den Pensionen kommen müssen und gleichzeitig werden die Steuerzahler wieder zur Kasse gebeten werden.


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.