Pernod Ricard: Schnapshersteller geht auf Einkaufstour und lässt Aktienkurs von Castle Brands explodieren

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Pernord Ricard: Franzosen zahlen Megaprämie für Premium-Spirituosen-Firma Castle Brands. Aktienkurs schießt um 90% nach oben. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Dass bei Übernahmen oft hohe Aufschläge gezahlt werden, ist allgemein bekannt. Doch die Prämie, die der Schnapsries Pernod Ricard für den kleinen Nischenplayer Castle Brands auf den Tisch legt, ist wirklich gewaltig. Im Rahmen der gerade präsentierten Offerte bieten die Franzosen einen satten Preisaufschlag von 92%. Solch hohe Übernahmeprämien kennt man sonst eher aus dem Technologiebereich oder der Biotechnologie, nicht aber in der Getränkeindustrie.

Pernod Ricard im Porträt

Bevor ich auf den Deal eingehe, möchte ich Ihnen beide Firmen erst einmal näher vorstellen. Pernod Ricard ist eine französische Unternehmensgruppe, die in der Produktion und im Verkauf von Weinen und Spirituosen international tätig ist. Zu den bekanntesten nationalen und internationalen Marken zählen Ballantine’s, Chivas Regal, Jameson, The Glenlivet, ABSOLUT, Beefeater, Havana Club, Ricard, Pernod, Malibu, Kahlúa, Martell, Suze, Amaro und Ramazzotti.

Mit über 100 Produktionsstätten und Niederlassungen ist der Konzern international präsent. Im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen bei einem Umsatz von 9,2 Milliarden Euro einen Gewinn in Höhe von 1,43 Milliarden Euro.

Vor allem die Geschäfte in Asien laufen rund

Die Geschäfte der Franzosen liefen zuletzt vor allem wegen der hohen Nachfrage in China und Indien extrem gut. Meist verkauftes Getränk des Konzerns blieb die Wodkasorte Absolut. Getrieben wurden die guten Zahlen von stark wachsenden Verkäufen in China (+ 21%) und Indien (+ 20%). Dabei bevorzugen die Chinesen vor allem Cognac der Marke Martell (plus 18%), während die Inder Whisky bevorzugen. In Europa und den USA stagnierten die Erlöse.

Nachdem der Gewinn im Geschäftsjahr 2018/19 so kräftig wie seit sieben Jahren nicht mehr gestiegen ist, rechnet der Konzern mit einer anhaltenden Geschäftsdynamik. Im laufenden Jahr wird beim operativen Ergebnis ein um Sondereffekte bereinigtes Plus zwischen 5 und 7% erwartet.

Franzosen schnappen sich Spezialisten für hochpreisige Spirituosen

Jetzt will der Konzern den Spirituosenspezialist Castle Brands schlucken und sein Produktsortiment damit erweitern. Das Objekt der Begierde ist im Vertrieb von hochwertigem Getränkealkohol tätig. Zu den Getränkealkoholkategorien gehören Rum, Whiskey, Liköre, Wodka und Tequila.

Zuletzt erzielte das Unternehmen einen Jahresumsatz von 95,84 Millionen Dollar. Damit hat Castle Brands seine Umsätze in den zurückliegenden sechs Jahren verdoppeln können. Auch auf der Gewinnseite macht die Firma Fortschritte und erreichte in 2018 erstmals die Gewinnzone. Unter dem Strich blieb ein Reingewinn in Höhe von 5,66 Millionen Dollar übrig, was einer Gewinnspanne von 5,91% entspricht.

Pernod Ricard zahlt Aufschlag von 109%

Für den kleinen Nischenplayer zahlen die Franzosen 1,27 Dollar je Aktie in Cash. Das entspricht einem Unternehmenswert von 223 Millionen Dollar. Damit liegt der Kurs um 92% über dem Schlusskurs des Vortages und beeindruckende 109% über dem gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage. Dabei hat es Pernod Ricard vor allem auf das starke Markenportfolio, insbesondere Jefferson’s Bourbon Whiskey abgesehen.

Damit die Transaktion über die Bühne gehen kann, müssen mindestens 50% + eine Aktie angedient werden. Auf Grund des signifikanten Aufpreises stehen die Chancen, dass der Großteil der Aktionäre das Angebot annimmt, sehr hoch. Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal 2019 erwartet.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.