Petrobras – die Könige der Tiefsee (Teil 2)

Petrobras – der Name ist in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Aber das kann sich schon bald ändern. Immerhin hat der brasilianische Ölkonzern erst kürzlich die Entdeckung des zweitgrößten Ölfeldes seit der Jahrtausendwende gemeldet. Das Ölfeld Libra liegt wie alle wichtigen Vorkommen von Petrobras vor der brasilianischen Küste in der Tiefsee. Laut der nun vorliegenden Schätzung umfasst das Vorkommen rund 8 Mrd. Barrel Öl. Das entspricht der ungeheuren Menge von 1.272 Billionen Liter. Bis Anfang August lag die Schätzung bei nur 5,5 Mrd. Barrel.

Wie groß aber der tägliche Ölbedarf weltweit ist, wird an folgendem Vergleich deutlich: selbst mit der zweitgrößten Entdeckung seit 2000 kann man den weltweiten Öldurst nur für knapp 100 Tage stillen. Derzeit liegt der weltweite Ölverbrauch bei rund 83 Mio. Barrel pro Tag.

Diese Nachricht kommt zum richtigen Zeitpunkt. Petrobras ist aktuell dabei, eine riesige Kapitalerhöhung durchzuführen. Das Gesamtvolumen der Transaktion liegt bei fast 78 Mrd. Dollar, nachdem auch noch eine Mehrzuteilungsoption eingelöst worden ist. Der Großteil der Aktien mit einem Wert von mehr als 42 Mrd. Dollar geht an den brasilianischen Staat. Dafür erhält Petrobras die Förderrechte für fünf Milliarden Barrel.

Das Volumen der Kapitalerhöhung ist so groß, denn das Investitionsvolumen für die neuen Tiefseeprojekte ist enorm. In den nächsten fünf Jahren will Petrobras 224 Mrd. Dollar investieren, um in die erste Liga der weltweiten Ölkonzerne aufzusteigen.

Bei diesen großen Zahlen verliert man fast den Überblick. Fakt ist aber, dass Petrobras im Pre-Salt Vorkommen nun mit dem Pilotprojekt Tupi anfängt. Laut der internen Planung soll dort eine Produktion von zunächst 30.000 Barrel am Tag noch in diesem Jahr starten.

Noch liegt der Anteil der Tiefseevorkommen aus einer Tiefe von mehr als 1.500 m bei Petrobras nur bei 19%. Den größten Anteil mit 57% haben die Vorkommen aus einer Tiefe zwischen 300 und 1.500m. Ölvorkommen auf dem Festland machen hingegen nur 14% der Gesamtproduktion aus. Ähnlich sieht es mit den nachgewiesenen Reserven aus. Hier verfügt Petrobras laut der aktuellen Angaben über rund 14 Mrd. Barrel. Der Anteil der extrem tiefen Vorkommen aus mehr als 1.500m Tiefe liegt hier sogar bei 24%.

Die Expertise von Petrobras in diesem speziellen Geschäftsfeld verdeutlicht auch folgende Zahl: So betreibt der brasilianische Ölkonzern 22% aller weltweit aktiven Tiefseeplattformen. BP kommt in diesem Bereich nur auf einen deutlich kleineren Anteil von 8%.

Die Gesamtziele von Petrobras sind ohne Frage ambitioniert. Bis zum Jahr 2020 sollen die Reserven mehr als 25 Mrd. Barrel betragen. Bei der Gesamtproduktion will Petrobras einen Bereich zwischen 5,5 und bei 6 Mio. Barrel pro Tag erreichen.

Der Anteil der brasilianischen Ölproduktion soll sich dabei von 2009 bis 2020 auf 3,92 Mio. Barrel mehr als verdoppeln. Aber die erfolgreiche Umsetzung dieser Pläne hängt auch ganz klar davon ab, ob es größere Zwischenfälle bei den neuen Projekten gibt oder nicht. Nun hat die Deepwater Horizon Katastrophe sicherlich den Blick geschärft für die Vorgänge bei Tiefseeprojekten. Aber ob in Brasilien auch so offen damit umgegangen würde wie jetzt am Golf von Mexiko ist doch zu bezweifeln. Immerhin ist der brasilianische Staat nach der Kapitalerhöhung immer noch der größte Aktionär bei Petrobras. Pro Jahr fließen Milliarden Dollar an den brasilianischen Staat aus der Ölförderung.

Aber mittelfristig ist die Erschließung der Ölfelder ein wichtiger Faktor zum Wachstum des Landes. Aktuell liefern die Ölquellen so viel, dass sich Brasilien selbst versorgen kann. Aber das wird sich, nach den Planungen von Petrobras, schon in einigen Jahren deutlich ändern. Dann wird Brasilien in die Riege der erdölexportierenden Länder aufsteigen.

Neben den massiven Investitionen in die Förderung (im Fachjargon Upstream) setzt Petrobars auch auf die Ausweitung bei der Weiterverarbeitung des Öls (im Fachjargon Downstream genannt). Hier lag das Investitionsvolumen im Krisenjahr 2009 bei rund 10 Mrd. Dollar. Diese Investitionen in Raffinerien und auch Tankstellen zahlen sich aus. So wächst die Treibstoffnachfrage in Brasilien laut Petrobras-Prognosen von 2008 bis 2020 jährlich um 3,3%. Positiv ist auch zu bewerten, dass Petrobras im Vergleich zur US-Konkurrenz deutlich höhere Margen erzielt. Im 4. Quartal 2009 lag die Petrobras Marge bei 12,6 Dollar pro Barrel, während die US-Hersteller im Durchschnitt nur auf eine Marge von knapp 5 Dollar pro Barrel kamen.

Klar ist: Petrobras hat die Reserven und auch das technische Know-How, um in die erste Riege der Ölkonzerne vorzustoßen. Aber das Restrisiko der Vorkommen in Tiefen von mehr als 2.000m bleibt bestehen. Die weiteren Fortschritte des Unternehmens werde ich an dieser Stelle regelmäßig aufgreifen, denn noch ist Petrobras zwar in Deutschland unbekannt, aber das wird nicht mehr lange so bleiben. Verpassen Sie nichts davon. Hier erfahren Sie, wie.

23. September 2010

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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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