Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Pfeiffer Vacuum: Übernahme-Spekulanten könnten leer ausgehen

Stift Kurse Geld – shutterstock_458336038 William Potter

Bei Pfeiffer Vacuum wird es wahrscheinlich eine Übernahme geben. Doch das bedeutet nicht, dass auch eine satte Prämie fließt. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Aktionäre des Pumpen- und Messgeräte-Herstellers Pfeiffer Vacuum haben im Jahr 2015 eine tolle Performance erzielt. Kostete das Papier zu Jahresbeginn noch 68 Euro – wechselt die Aktie inzwischen zu Preisen von über 100 Euro den Besitzer.

Schaut man auf die starke Kursentwicklung und vergleicht diese mit der Benchmark (TecDAX), könnte man annehmen, dass die Aktie hoffnungslos unterbewertet gewesen sein muss.

Dass dem nicht so ist, zeigen jedoch die aktuellen Geschäftszahlen im Verhältnis zum Preis des Papiers. Was also verleiht dem Aktienkurs des Pumpenherstellers aktuell Flügel? Es ist die Chance auf eine Übernahme nebst Aufschlag auf den Aktienkurs.

Aktuelle Geschäftszahlen zeigen hohes Wachstum und Effizienzverbesserung

Pfeiffer Vacuum hat vorgestern die Geschäftszahlen für den Zeitraum Januar bis September vorgelegt. Die Zahlen waren stark. Bereits jetzt hat das Unternehmen operativ mehr verdient als im Gesamtjahr 2014.

Bei einem Umsatzwachstum von 14,4% stieg das Ergebnis auf 45,7 Mio. Euro. Unter dem Strich sind bereits 3,22 Euro je Aktie verdient worden – im Vorjahreszeitraum erwirtschaftete das Unternehmen 2,16 Euro je Aktie.

Für das letzte Quartal 2015 zeigt sich die Führungsspitze optimistisch. Das volle Auftragsbuch soll dazu führen, dass die Prognose erreicht wird.

Aktie bereits fundamental anspruchsvoll bewertet

Starke Zahlen und hohes Wachstum rechtfertigen hohe Aktienbewertungen. Die fundamentalen Kennzahlen bei Pfeiffer Vacuum lassen allerdings aufhorchen. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 20 und nachlassender Wachstumsdynamik darf nicht allzu viel schief gehen.

Zudem stellt sich für Neu-Investoren die Frage: Was ist ausgehend vom jetzigen Preisniveau überhaupt noch an Kurspotenzial drin und welches Risiko gehe ich dafür ein?

Übernahme-Chance sehr groß – doch gibt es auch eine Prämie?

Die Pfeiffer Vacuum-Aktie hat einen schönen Trumpf: Eine mögliche Übernahme durch den Konkurrenten Busch. Der hat heute angekündigt, dass er „strategische Ziele“ verfolge und weiter aufstocken will.

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Vieles spricht dafür, dass sich der Bieter über 30% der Anteile sichern wird. Dann wird auch ein Pflichtangebot für die außenstehenden Aktionäre fällig. Genau deswegen ist die Aktie auch so hoch bewertet.

Der Übernahme-Sensor erwartet jedoch nicht, dass es dann eine Prämie gibt. Busch hat meiner Ansicht nach kein Interesse daran, jetzt schuldenfinanziert bei der Bewertung im großen Stil aufzustocken und auch noch eine Prämie zahlen.

Vielmehr dürfte es den Mindestpreis (3-Monats-Durchschnittskurs) geben, um dann im ersten Schritt die „lästige“ Pflichtangebotsschwelle hinter sich zu haben. Weitere Aufstockungen haben dann Zeit. Eine Übernahme wie damals bei Hochtief also.

Darum könnte kein Einstieg die bessere Entscheidung sein

Dies berücksichtigt, kommen wir zurück zur Frage: Was ist ausgehend vom jetzigen Preisniveau überhaupt noch an Kurspotenzial drin und welches Risiko gehe ich dafür ein?

Pfeiffer Vacuum ist hoch bewertet. Die Deutsche Bank kommt zu dem Schluss, dass die Aktie bei 68 Euro fair bewertet ist – das Papier also gute 30% zu teuer ist. Andere aktuelle Analysen kommen ebenfalls zu dem Resultat, dass der hohe Preis nicht gerechtfertigt ist.

Die Mehrzahl der Analysten rechnet im kommenden Jahr mit einer deutlichen Gewinnverlangsamung. Gerade aus der Halbleiter-Industrie könnten schlechte Neuigkeiten kommen.

Im Augenblick wird der Aktienkurs noch von der Busch-Anteilsaufstockung und der Chance auf eine Übernahme-Prämie gestützt. Doch schon bald fallen die beiden Kursstützen weg.

Wenn Sie dann der Aktie aufgrund der hohen Dividendenrendite und der Übernahme-Story einen Aufschlag auf den fundamental fairen Preis beimessen, bleibt das weitere Kurspotenzial meiner Ansicht nach jedoch äußerst gering. Vielleicht zu gering, um eine Investition auf dem Kursniveau zu rechtfertigen.

Gut möglich, dass sich im kommenden Jahr deutlich bessere Chancen ergeben, um von der schrittweisen Übernahme durch Buscher zu profitieren. Interessant sind das Unternehmen und der Übernahme-Hintergrund. Aber im Moment ist eine Investition nicht sehr gewinnversprechend.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.