Pfizer kauft Biosimilar-Hersteller Hospira: Übernahme mit Weitsicht

Genauso wie der Januar in der Pharma-Branche startete, beginnt auch der Februar. Und zwar mit Milliarden-Übernahmen. Diesmal ist es Branchen-Größe Pfizer, die sich für 17 Mrd. US-$ den Konkurrenten Hospira einverleiben möchte.

Die Managements beider Unternehmen haben den Übernahme-Bedingungen bereits zugestimmt. Wenn jetzt auch noch die Aktionäre und die Wettbewerbsbehörden keine Einwände haben, kann der Deal planmäßig über die Bühne gehen. Pfizer rechnet mit Deal-Abschluss in der zweiten Jahreshälfte.

40% Prämie für Übernahme-Spekulanten

Aktionäre des Übernahme-Kandidaten sind die großen Gewinner der Milliarden-Übernahme. Pfizer bietet ihnen 90 Dollar je Anteilsschein, was einem Aufschlag von 40% auf den Aktienkurs vom Vortag entspricht.

Die Aktie schoss gestern nach Bekanntgabe der Übernahme bis knapp unter den Angebotspreis. Dies zeigt, dass der Markt einen reibungslosen Deal erwartet.

Positiv gestimmt waren auch die Pfizer-Investoren. Die Aktie rückt fast 3% auf 32,99 Dollar vor. Die Kursdelle, die den Pharma-Riesen infolge der Geschäftszahlen wiederfuhr, ist inzwischen wieder ausgebügelt.

Übernahme füllt nicht die Forschungspipeline – passt aber trotzdem

Die Übernahme passt nicht nur zur rollenden Übernahme-Welle in der Pharma-Branche sondern auch zu Pfizer. Obwohl der Deal nicht darauf abzielt, die Forschungspipeline aufzufüllen, um dann mit neuen Medikamenten Umsatz zu generieren, ist diese Übernahme zu begrüßen.

Denn Hospira ist im Generika-Geschäft zu Hause. In dem Bereich sind die Margen schwächer, doch gibt es keine zeitlichen „Klumpenrisiken“ aufgrund auslaufender Patente. Von diesen Risiken kann Pfizer ein Lied singen.

Im Vorjahr von den Generika-Unternehmen unter Druck gesetzt, konnte Pfizer auch für dieses Jahr keine Besserung ankündigen. Auslaufende Patente und Generika-Konkurrenz knabbern an Umsatz und Gewinn.

Gutes Timing, richtige Strategie: Ein guter Tag für Pfizer-Investoren

Wen wundert anhand der schwachen Geschäftsperspektive dieser Zukauf. Schon lange wurde spekuliert, für welches Ziel Pfizer die 33 Mrd. $ schwere Kriegskasse einsetzen würde. Mit Hospira wurde ein würdiges Übernahme-Ziel gefunden.

Der Generika-Hersteller produziert nämlich nicht nur Generika, sondern ist auch in einem noch kleinem Markt mit großem Potenzial aktiv: Biosimilars. Biosimilars sind auch Nachahmerpräparate, die allerdings nicht chemische Produkte, sondern Biotech-Produkte nachbilden.

Pfizer setzt also mit der Übernahme nicht nur auf eine Umsatzglättung durch Generika, sondern auch auf ein Wachstumsfeld. Marktforscher gehen davon aus, dass der Markt in fünf Jahren ein Volumen von 20 Mrd. $ annimmt.

Es lohnt sich dort frühzeitig positioniert zu sein. Denn Anfangs ist der Konkurrenzdruck geringer, sodass sich die frühen Biosimilar-Hersteller ein großes Stück vom Kuchen abschneiden können.

Auch das Timing ist günstig. Aktuell sind Biosimilars in den USA – anders als in Europa – noch nicht genehmigt. Das soll sich jedoch noch dieses Jahr ändern. Im Januar wurde der Zulassungsbehörde erstmalig die Genehmigung eines Amgen-Medikaments empfohlen.

Übernahme gilt als Indiz für Unternehmenssplit

Zugegeben: Billig ist der Zukauf nicht. Doch Pfizer hat mit der Übernahme Weitsicht bewiesen und sich erst einmal Luft verschafft. Alle erwarteten einen Deal. Daher wurde befürchtet, dass die Manager unter dem Druck leiden und hektisch das falsche Ziel für zu viel Geld erwerben. Diese Furcht war unbegründet.

Zudem sollte im Hinterkopf behalten werden, dass Pfizer unter Umständen einen Unternehmenssplit anstrebt. Dieses Szenario wird Analysten zufolge durch den Zukauf noch wahrscheinlicher.

Sollte es dazu kommen, ist ein genauerer Blick auf die Aktie nicht verkehrt. Verschiedene Studien zeigen, dass sich ein Unternehmenssplit nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Anteilseigner bezahlt macht.

6. Februar 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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