Pfleiderer-Aktie: Unternehmenszahlen nach Beinahe-Insolvenz

Der angeschlagene Groß-Holzverarbeiter Pfleiderer veröffentlicht bald seine Unternehmenszahlen.

Die Analysten bewerten die Lage vorab jedoch weiterhin als sehr risikohaft.

Lage bei Pfleiderer bleibt spannend

Die Lage bei Pfleiderer bleibt weiterhin spannend – und angespannt. Im ersten Halbjahr 2011 steigerte sich das Geschäft auf vor allem in Ost- und Westeuropa. Für das fortgeführte Geschäft wies Pfleiderer einen um fast zehn Prozent höheren Halbjahresumsatz von 595 Millionen Euro aus.

Der operative Gewinn kletterte um 15 Prozent auf gut 44 Millionen Euro. Im dritten Quartal und im Oktober setzte sich der positive Trend zwar fort, aber das zum Verkauf stehende Geschäft in Nordamerika blieb weiterhin stark defizitär.

Insolvenz nur knapp abgewehrt

Noch im Sommer dieses Jahres sah es so aus, als wenn der große Holzverarbeiter Pfleiderer eine Insolvenz kaum würde verhindern können. Durch eine hart und schwer diskutierte Sanierungsmaßnahme gelang dies aber wider Erwarten dennoch, doch vor allem Vorstandschef Hans Overdiek musste harsche Kritik einstecken.

Nur durch die Zustimmung des Großaktionärs One Equity Partners und einiger weiterer Anleger mit umfangreicheren Aktienpaketen kam es dann schließlich doch zum Deal. Für die Verabschiedung des Rettungskonzepts waren 75 Prozent Ja-Stimmen des anwesenden Aktienkapitals nötig.

Nach heftigen Debatten auf dem Krisengipfel stimmten letztlich sogar 93,4 Prozent der anwesenden Aktionäre in München für eine Rettung. Mehrere Kleinanleger kündigten daraufhin im Sommer Klage gegen den Beschluss an.

Gericht gab Klage der Aktionäre statt

Einige Monate später überraschte dann aber das Landgericht Frankfurt mit der Entscheidung, der Klage der Aktionäre und Hybdridanleihegläubigern stattzugeben. Nach Meinung der Analysten seien die Rekapitalisierungs- und Sanierungspläne dadurch in ernster Gefahr.

Im schlimmsten Fall könnte dies nun doch noch zu einem Insolvenzantrag des Unternehmens führen. Selbst im Falle einer erfolgreichen Sanierung, würden Altaktionäre davon kaum profitieren. Ihr Anteil an dem sanierten Konzern werde auf nur 0,89% verwässert.

Pfleiderer-Ausverkauf

Das umstrittene Restrukturierungskonzept sieht im Kern so aus: die Banken verzichten auf Kreditrückzahlungen, die Zeichner einer Hybridanleihe auf ihre Ansprüche und durch Hedgefonds soll frisches Geld garantiert werden. Fraglich ist jedoch, ob diese Maßnahmen noch rechtzeitig kommen, um die Zahlen im ersten Quartal 2012 zu retten.

Der eigentliche Rettungsplan, für den Vorstandchef Hans Overdiek so starke Kritik erntete, stammt ursprünglich aus der Feder von Pfleiderer-Vorstand Hans-Joachim Ziems, der sich als Sanierer nach der Pleite des Medienmoguls Leo Kirch einen Namen gemacht hat.

Nach dessen Einschätzung sollte es Pfleiderer durch die Schließung mehrerer Werke bis 2012 gelangen, wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Zudem will Ziems das defizitäre Nordamerika-Geschäft abstoßen und dann im Frühjahr oder Sommer 2012 aus dem Unternehmen ausscheiden. Ebenfalls auf der Verkaufsliste steht die Beschichtungstochter Thermopal.

Ob sich Ziems Maßnahmen ausgezahlt haben, wird sich sicherlich in den schon bald vorliegenden Unternehmenszahlen niederschlagen. Für Firmenchef Overdiek wird aber wohl jedwede Erholung der Zahlen zu spät kommen, um seine Ablösung noch zu verhindern.

20. Dezember 2011

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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