Pharma-Aktien: Das Übernahmekarussell hat wieder Fahrt aufgenommen

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Die Pharma-Branche hat durch mehrere Großübernahmen, Kooperationen und Joint Ventures auf sich aufmerksam gemacht. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Anders als 2018 hat die Pharma-Branche im vergangenen Jahr wieder durch mehrere Großübernahmen, Kooperationen und Joint Ventures auf sich aufmerksam gemacht. Bristol- Myers Squibb zahlt für Celgene 74 Mrd. $, AbbVie für Allergan 63 Mrd. $ und die hier nicht besprochene japanische Takeda für die irische Shire 62 Mrd. $. Auch Pfizer, Novartis und Eli Lilly haben 8 bis 11 Mrd. $ für Zukäufe ausgegeben. Die Konzerne wollen nicht nur das lukrative Krebsgeschäft ausbauen, sondern auch vom Boom bei den Biopharmazeutika profitieren.

Wie erfolgreich diese sind, zeigt die Entwicklung in Deutschland: Während der Gesamtmarkt für Medikamente 2018 um 6% gewachsen ist, stiegen die Biopharmazeutika-Umsätze um 12% auf 11,4 Mrd. € und haben sich gegenüber 2009 mehr als verdoppelt. Zudem lassen sich mit Übernahmen Umsatzrückgänge kompensieren, die durch Patentabläufe bei wichtigen Medikamenten bereits eingetreten sind, respektive in naher Zukunft drohen. Von den Übernahmen versprechen sich die Konzerne aber auch Einsparungen bei Forschung und Entwicklung, Verwaltung und Vertrieb.

Das Angriffsziel heißt Roche

Die Übernahmen treffen vor allem Roche. Jahrelang haben die Schweizer den Markt für Krebsmedikamente beherrscht. Doch die Spitzenposition ist gefährdet, nachdem Kassenschlager wie MabThera und Herceptin ihren Patentschutz verloren haben oder, wie Avastin, bald verlieren wird. Ob Roche die Umsatzeinbußen mit neuen Produkten schnell und vollständig kompensieren kann, bleibt abzuwarten.

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Tatsache ist jedenfalls, dass Bristol-Myers Squibb, Merck & Co. sowie AstraZeneca dem Noch-Branchenprimus die Führungsrolle streitig machen wollen. Es ist nicht auszuschließen, dass Bristol-Myers Squibb schon 2020 die Schweizer bei den Krebsumsätzen überholen wird. Wie es um Roche steht, zeigen diese Zahlen: Seit 2010 ist der Marktanteil im Krebs-Segment von 33 auf 22,5% gesunken. Und glaubt man den Branchenexperten, werden es 2024 nur noch 11% sein.

Die Pharma-Branche steht für Konjunkturunabhängigkeit und kontinuierliches Wachstum

Denn weil die Menschen immer älter werden, steigt der Bedarf an Medikamenten und Gesundheitsdienstleistungen. Das trifft nicht nur auf die wohlhabenden Regionen Nordamerika, Europa und Australien/Neuseeland zu. Mit steigendem Wohlstand können sich auch in den Schwellenländern immer mehr Menschen eine bessere medizinische Versorgung leisten. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die meisten Konzerne auf ein starkes Jahr zurückblicken. 12 der 19 von mir und meinem Team beobachteten Branchenvertreter haben im Jahresverlauf ihre Prognosen angehoben, zum Teil sogar mehrfach.

Mein Favorit Nummer 1 bleibt Novo Nordisk. Aber auch bei Fresenius haben sich die Aussichten wieder deutlich verbessert. Bei Bristol-Myers Squibb und AbbVie hängt die weitere Kursentwicklung davon ab, wie schnell und erfolgreich die Großübernahmen integriert werden.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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