Pharma Aktien: Meiden Sie Mega-Blockbuster

Pharma-Aktien stehen schwierige Jahre bevor. Diversifikation ist Trumpf. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Angesichts von zahlreichen Patentabläufen umsatzstarker Medikamente stehen Pharma-Aktien vor schwierigen Zeiten.

Zudem werden die Ergebnisse durch Gesundheitsreformen belastet, was die Konzerne zu weiteren Einsparungen zwingt.

Pharma-Aktien stehen schwierige Jahre bevor

Wir raten vor allem darauf zu achten, dass die Abhängigkeit von einzelnen Produkten nicht zu hoch ist. Unternehmen, die über eine breit diversifizierte Produkt-Pipeline verfügen, werden mit Patentabläufen besser fertig.

Diversifikation ist Trumpf

Ein Paradebeispiel für eine breit aufgestellte Produkt-Pipeline bietet GlaxoSmithKline (2218). Mit dem Asthma-Mittel Seretide/Advair hat das Unternehmen noch 1 Produkt, das mit 5,1 Mrd £ einen beträchtlichen Teil zum Konzernumsatz von 28,4 Mrd £ beiträgt.

Die übrigen 23,3 Mrd £ werden mit 48 Produkten aus 9 Therapiebereichen erwirtschaftet, von denen kein einziges mehr als 5% zu den Einnahmen beisteuert. Darüber hinaus verfügt Glaxo über eine prall gefüllt Forschungs-Pipeline, womit der bevorstehende Patentablauf von Seretide/Advair gut verdaut werden dürfte.

„Mega-Blockbuster“ meiden

Deutlich schwerer haben es Konzerne, die sich auf einige wenige Medikamente mit Milliardenumsätzen – sog. „Blockbuster“ – konzentriert haben. „Blockbuster“ sichern den Herstellern hohe Gewinnmargen und Wachstumsraten, jedoch nur solange der Patentschutz reicht, was in der Regel auf 20 Jahre hinausläuft.

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Erfahrungsgemäß sind wirklich bahnbrechende Innovationen jedoch nicht im 20-Jahres-Rhythmus möglich.

Ein prominentes Beispiel für dieses Dilemma ist der Cholesterinsenker Lipitor, der mit einem Jahresumsatz von über 10 Mrd $ das meist verkaufte Medikament weltweit darstellt. Das von Pfizer (2202) vertriebene Produkt verliert noch dieses Jahr den Patentschutz in den USA, bevor mit Xalatan, Viagra, Geodon, Detrol und Zyvox 5 weitere Blockbuster in den kommenden Jahren folgen.

Bei AstraZeneca (2222) stehen mit Seroquel, Symbicort, Nexium und Crestor 4 Blockbuster mit einem kumulierten Jahresumsatz von über 17 Mrd $ vor dem Patentablauf.

Auch für Actelion (2221) ist der Druck enorm, Ersatz für sein Produkt Tracleer zu finden. Das Medikament zur Behandlung von Lungenbluthochdruck verliert 2015 den Patentschutz und steht aktuell für rund 85% des Konzernumsatzes.

Wasser auf die Mühlen der Generikafirmen

Des einen Leid ist bekanntlich des anderen Freud. Verlieren Medikamente den Patentschutz, werden sie von Generikaherstellern kopiert und günstig vertrieben. Der Generikamarkt weist seit jeher höhere Wachstumsraten als der Markt für patentgeschützte Produkte auf.

Das wird sich so schnell auch nicht ändern, denn allein bis 2015 verlieren Medikamente mit einem Umsatz von 150 Mrd $ den Patentschutz. Davon profitieren Generikafirmen die langfristig gute Kursaussichten bieten.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.