Pharma-Branche: Onyx lehnt Amgen-Angebot ab und stellt sich selbst zum Verkauf

Das amerikanische Biotech-Unternehmen Onyx Pharmaceuticals hat am Sonntag das Übernahme-Angebot des Branchen-Riesen Amgen im Gesamtwert von 10 Mrd. US $ abgelehnt.

Nach Ansicht des Managements spiegelt die Offerte das Potenzial des Unternehmens nicht ausreichend wider.

Dabei ist die Übernahme-Prämie für die Aktionäre verlockend. Amgen bietet den Onyx-Investoren 120 US $ je Aktie in bar.

Noch am Freitag der Vorwoche ging das Onyx-Papier mit 86,82 US $ aus dem Handel. Die Aktionäre würden eine 38%-ige Übernahme-Prämie bekommen.

Doch die Prämie allein sagt nichts darüber aus, ob ein Angebot fair ist oder nicht. Daher kann angenommen werden, dass die Manager berechtigte Gründe haben, warum sie mehr wollen.

Offenbar rechnen auch die Investoren, dass es noch zu höheren Angeboten kommen wird.

Am Montag wird die Onyx-Aktie vorbörslich bei 130 US $ gehandelt. 10 Dollar oberhalb des Angebots und ein Plus von 49,73% im Vergleich zum Schluss-Kurs vom Freitag.

Langer Patentschutz macht das Unternehmen höchst interessant

Das kalifornische Unternehmen ist in vielen Bereichen der Medikamenten-Forschung tätig. Wie auch andere Biotech-Unternehmen arbeiten die Amerikaner mit großen Pharma-Unternehmen zusammen.

Im Bereich der Krebs-Behandlung ist das deutsche Unternehmen Bayer wichtigster Partner. Zusammen Vertreiben die beiden Unternehmen das Nieren- und Leberkrebs-Medikament Nexavar.

Onyx verkauft das Medikament in den USA exklusiv und bekommt von Bayer einen Anteil der globalen Verkaufserlöse.

Kronjuwel der Amerikaner ist jedoch nicht Nexavar sondern das erst im vergangenen Jahr gegen Knochenmark-Krebs entwickelte Medikament Kyprolis.

Experten schätzen, dass Onyx in wenigen Jahren einen Umsatz von 2 Mrd. US $ mit dem Medikament erwirtschaften kann.

Insgesamt sind die Onyx-Medikamente noch relativ jung und die Patente der Medikamente noch lange Zeit geschützt.

Wenig verwunderlich, dass Amgen daher ein Auge auf Onyx geworfen hat. Das Unternehmen steht seit über einem Jahr bei Übernahme-Experten hoch oben auf der Liste potenzieller Ziele (der Übernahme-Sensor berichtete im April 2012).

Neue Interessenten schnell gefunden

Nachdem sich Onyx am Sonntag offiziell selbst zum Kauf gestellt hat, wurde die Investment-Bank Centerview engagiert, um mögliche Interessenten anzusprechen.

In den Medien werden schon heiß die Namen der möglichen Bieter gehandelt. Als potenzielle Käufer gelten die Pharma-Riesen Pfizer Inc., Bayer, Novartis AG und Celgene Corp.

Bayer arbeitet bereits mit Onyx zusammen und der deutsche Pharma-Konzern ist sicherlich einer der ersten Ansprechpartner der Amerikaner.

Eigentlich könnte angenommen werden, dass Bayer aktuell nicht bereit ist, über 10 Mrd. Dollar für Onyx auszugeben.

Auf der anderen Seite: Onyx istjetzt eine attraktive Chance und nicht morgen. Wenn ein direkter Konkurrent den Zuschlag erhält, dürften die Leverkusener keine lukrativen Anschlussverträge erhalten.

Daher könnte Bayer sich gezwungen sehen, umzudisponieren und zuzugreifen.

Biotech-Sektor bleibt Übernahme-reif

Der zukünftige Käufer von Onyx Pharmaceuticals wird es bei den Verhandlungen sicherlich nicht einfach haben.

Der Onyx-Vorstand lehnte die Amgen-Offerte ohne mit der Wimper zu zucken ab und dürfte nach Ansicht des Übernahme-Sensors auch gute Chancen auf eine höhere Offerte haben.

Fraglich bleibt, wer letztendlich den Zuschlag erhält. Klopft ein neuer Kandidat wie Pfizer oder Bayer an die Onyx-Tür oder meldet sich Amgen mit einem besseren Angebot zurück?

Bei Übernahmen wird öfters zunächst vorgefühlt, wo die „Schmerzgrenze“ des Managements liegt.

Onyx wird vermutlich vom Kurszettel verschwinden. Daneben dürfte es auch weitere Übernahmen geben.

Die Pharma-Branche ist eine der aktivsten Übernahme-Sektoren. Allein in der ersten Jahreshälfte hatte die Pharma-Branche ein Deal-Volumen von 93,5 Mrd. US $ – 13% mehr als in der ersten Jahreshälfte 2012.

Wenn Sie noch Ausschau nach internationalen Übernahme-Kandidaten im Biotech-Sektor halten, lohnt ein Blick auf die Unternehmen Vertex, Alexion und Regeneron, die heute im Zuge des Deals kräftig mitsteigen (keine Kaufempfehlung!).

1. Juli 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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