Pharma: Novo Nordisk übernimmt Corvidia Therapeutics

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Der dänische Insulinspezialist Novo Nordisk will das US-amerikanische Pharma-Startup Corvidia Therapeutics übernehmen. Die Dänen wollen ihr Produktportfolio erweitern. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Nachdem ich in der letzten Woche noch auf die Gerüchteküche zurückgreifen musste, kann ich Ihnen heute einen konkreten Megadeal aus dem Pharmasektor präsentieren:

Der dänische Insulinspezialist Novo Nordisk A/S (A/S dänisch für Aktieselskab; deutsch: Aktiengesellschaft) hat am vergangenen Donnerstag bekannt gegeben, dass er mit dem US-amerikanischen Startup Corvidia Therapeutics Inc. eine verbindliche Übernahmevereinbarung abgeschlossen hat.

Für das in Waltham/Massachusetts ansässige Forschungsunternehmen wollen die Dänen zunächst eine Vorauszahlung von 725 Mio. US-Dollar (USD) in bar hinblättern. Novo Nordisk wird die Übernahme laut Presseinformationen aus seinen Reserven finanzieren. Das derzeit laufende Aktienrückkaufprogramm bleibe von dem Deal unbeeinträchtigt. Auch die für das laufende Jahr gesetzten Ziele bleiben durch die Übernahme unberührt, so das Unternehmen.

Wenn bestimmte, festgelegte Zielgrößen erreicht werden, können sich die Gesamtzahlungen an die Eigentümer von Corvidia Therapeutics auf bis zu 2,1 Mrd. USD in bar erhöhen. Zu den Eignern des US-Startups gehören die Gründer des Unternehmens sowie diverse Investoren wie z. B. die französische Sofinnova Partners, die deutsche Fresenius Medical Care Ventures, die US-amerikanische Investmentfirma Venrock HealthCare Partners sowie die schweizer Beteiligungsgesellschaft HBM Healthcare Investments.

Novo Nordisk will Produktportfolio erweitern

Wie so häufig bei Übernahmen will Novo Nordisk seine Produktpalette durch den Zukauf erweitern. Dabei haben es die Dänen auf Produkte abgesehen, die eng mit dem Kerngeschäft des Unternehmens, wie z. B. die Bekämpfung von Diabetes und Fettleibigkeit, verbunden sind. Dies trifft insbesondere auf das von Corvidia Therapeutics entwickelte und noch in der klinischen Erprobung befindliche Antikörper-Präparat Ziltivekimab zu.

„Wir glauben, dass Ziltivekimab das Potenzial hat, zu einer erstklassigen und führenden Behandlungsmethode zu werden, um die Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in einer Patientengruppe zu senken, die ein hohes Risiko für schwerwiegende unerwünschte Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat“, so Mads Krogsgaard Thomsen, Executive Vice President und Chief Science Officer von Novo Nordisk.

Die beteiligten Unternehmen im Überblick

Die 2015 gegründete Corvidia Therapeutics ist ein Unternehmen, das sich auf die Erforschung, Entwicklung und Kommerzialisierung von Therapien für Herz- und Nierenerkrankungen spezialisiert hat. Das Unternehmen konnte in zwei Finanzierungsrunden Kapitaleinlagen in Höhe von 86 Mio. USD einwerben.

Novo Nordisk wurde bereits im Jahr 1923 gegründet und hat seinen Hauptsitz im dänischen Bagsværd, dass etwa 10 km nordwestlich von Kopenhagen liegt. Das Unternehmen liefert etwa die Hälfte des weltweiten Insulinbedarfs. Es entwickelt aber auch Medikamente zur Bekämpfung anderer chronischer Krankheiten wie Fettleibigkeit und Hormon- und Stoffwechselerkrankungen. Novo Nordisk beschäftigt rund 43.100 Mitarbeiter in 80 Ländern und vermarktet seine Produkte in rund 170 Ländern. Novo Nordisk erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 122 Mrd. Dänischen Kronen (DKK) (= 16,37 Mrd. Euro).

Kaum Kursreaktionen

Die Bekanntgabe der Übernahmevereinbarung hatte auf die an der Nasdaq Kopenhagen gehandelte Novo-Nordisk-B-Aktie keine größeren Auswirkungen. Der Kurs verlor am Donnerstag leicht um -0,25% und ging mit 435,7 DKK aus dem Handel.

Insgesamt hat sich die Novo Nordisk Aktie in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Nach relativ leichten Verlusten auf dem Höhepunkt der Corona-Krise Mitte März liegt sie aktuell wieder in der Nähe ihres Allzeithochs von 448,48 DKK.

Die Übernahme von Corvidia Therapeutics soll innerhalb der vom US-amerikanischen Gesetzgeber vorgeschriebenen Wartezeit von 15 – 30 Tagen einer fusionskontrollrechtlichen Prüfung unterzogen werden. Stimmen die zuständigen Aufsichtsbehörden der Übernahme zu, kann diese in absehbarer Zeit umgesetzt werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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