Pharmaindustrie: Japanischer Pharmakonzern Astellas geht auf Einkaufstour

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Japans Astellas Pharma Inc. hat zwei Übernahmen angekündigt: nach Gentherapie-Spezialisten Audentes nun auch das Biotechnologie-Unternehmens Xyphos Biosciences Inc. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Auch während der Feiertage hat das Übernahmekarussell keine Pause eingelegt: Am zweiten Weihnachtsfeiertag gab der zweitgrößte Pharmakonzern Japans, die Astellas Pharma Inc., bekannt, dass er das in San Francisco ansässige Biotechnologie-Unternehmen Xyphos Biosciences Inc. übernommen hat. Für den Kauf des im Privatbesitz befindlichen US-amerikanischen Unternehmens ist Astellas bereit, bis zu 665 Mio. US-Dollar auf den Tisch zu legen.

Xyphos ist Spezialist für Immun-Onkologie

Astellas ist bereits im Bereich der Immun-Onkologie aktiv. In diesem medizinischen Sektor werden körpereigene Abwehrsysteme zur Bekämpfung von Krebs genutzt. Durch die Übernahme erwirbt Astellas nun die innovative Zelltherapie-Plattform von Xyphos. Kenji Yasukawa, Präsident und CEO von Astellas, sieht in der Fusion große Chancen bei der Bekämpfung von Krebserkrankungen:

“Die innovative Technologie, die bei Xyphos entwickelt wird, passt perfekt in unsere Immun-Onkologie-Strategie, Mehrwert für die Patienten zu schaffen. Durch die Kombination dieser Technologie mit unseren Kompetenzen in der Zelltherapie, können wir Hochfunktionszellen der nächsten Generation schaffen und den Wert unserer Technologie maximieren.“

Leichte Kurssteigerung

Am 26.12.2019, dem Tag der Verkündigung der Xyphos-Übernahme, stieg der Kurs der Astellas-Papiere um +0,7% auf 1.871 Yen. Auch am 27.12. legte der Astellas-Kurs um +0,18% leicht zu.

Zweiter Übernahme-Deal in kürzester Zeit

Bereits zehn Tage vor der Übernahme von Xyphos hatte der in Tokio ansässige Astellas-Konzern ein weiteres Übernahmeangebot für die ebenfalls in San Francisco ansässige Audentes Therapeutics, Inc. veröffentlicht. Darin erklärte sich Astellas bereit, den Audentes-Aktionären für jede Aktie 60 USD in bar zu bezahlen.

Stolze Übernahmeprämie

Insgesamt ist Astellas die Übernahme des amerikanischen Gentherapie-Spezialisten stolze 3 Mrd. USD wert. Das Barangebot beinhaltet eine satte Übernahmeprämie von +110%.

Seit Veröffentlichung des Übernahmeofferte hat sich der Kurs der Audentes-Papiere dem Angebotspreis von 60 USD immer mehr genähert und lag am 27.12. bei 59,835 USD. Der Markt geht also von einem reibungslosen Ablauf des Übernahmegeschäfts aus, was bei der hohen Prämie auch nicht verwunderlich ist.

Viele Übernahmen durch japanische Pharmaunternehmen

Allein im laufenden Jahr haben japanische Pharmakonzerne laut Daten des Marktforschungsunternehmens Refinitv mehr als 30 Übernahmen im Gesamtwert von etwa 6 Mrd. USD vereinbart. Bereits im vergangenen Jahr hatte der japanischen Marktführer Takeda Pharmaceutical Co. Ltd. mit der Übernahme der britischen Shire Plc. für Schlagzeilen gesorgt. Allein dieser Mega-Deal belief sich auf einen gigantischen Kaufpreis von 59 Mrd. USD.

Auch der Astellas-Konzern hatte bereits in 2010 einen großen Übernahme-Deal getätigt. Damals erwarb Astellas das US-amerikanische Pharmaunternehmen OSI Pharmaceuticals Inc. für 3,8 Mrd. USD. Auch in den Folgejahren tätigte Astellas weitere Zukäufe, wie z.B. die Übernahme von Ocata Therapeutics für 379 Mio. USD (2016), Ganymed Pharmaceuticals für 1,4 Mrd. USD (2016), die belgische Ogeda für 800 Mio. USD (2017), Mitobridge für 390 Mio. USD (2017), Quethera Limited für 109 Mio. USD (2018) sowie Potenza Therapeutics, Inc. für 405 Mio. USD (2018).

Moody‘s prüft Herabstufung

Die Rating-Agentur Moody’s Corporation prüft jetzt im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Audentes, ob das Rating von Astellas herabgestuft werden muss. Astellas zahlt für Audentes das Achtfachen des buchmäßigen Eigenkapitals des Unternehmens und will diesen teuren Deal auch noch durch Kredite finanzieren.

“Diese Übernahme zeigt, dass Astellas seine langfristige Produktpipeline nach einer Welle von Patentabläufen in diesem Jahr dringend auffüllen muss und signalisiert einen Anstieg des Risikos von Übernahmen”, so Akifumi Fukushi, Vizepräsidentin und Senior Analystin von Moody’s.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.