Philip Morris-Aktie: Tabak-Branche im Umbruch

Dass der Zenit der Tabak-Branche erreicht ist, dürfte den meisten Anlegern klar sein.

Dass aber jetzt der größte Tabak-Konzern der Welt, Philip Morris, sogar offen über den Abschied von der Zigarette nachdenkt, dürfte doch den Einen oder Anderen überrascht haben.

Im englischen Radio prophezeite Firmenchef André Calantzopoulos nämlich gerade das baldige Ende des traditionellen Glimmstengels.

Damit scheint sich der Trend zunehmend zu bestätigen:

Vor wenigen Tagen kündigte das französische Tabak-Unternehmen Seita an, im kommenden Jahr seine letzte große Zigaretten-Fabrik in Frankreich zu schließen.

Was sich vielleicht nicht sonderlich spektakulär anhört, hat eine immense Reichweite.

Immerhin gehört Seita zum Weltkonzern Imperial Brands und ist Kennern der Szene als Hersteller der Gauloises-Zigaretten bekannt.

Traditionelle Zigarette vor dem aus?

Für Branchen-Experten steht fest: Rauchen ist nicht mehr en vogue.

Gingen im Jahr 2002 in Deutschland noch knapp 145 Mrd. Glimmstengel über den Tresen, waren es laut Angaben des Statistischen Bundesamts im letzten Jahr nur noch 81 Mrd.

Besonders eklatant für die Tabak-Industrie: Der Raucher-Nachwuchs geht massiv zurück.

Griff im Jahr 2001 noch fast jeder 3. bis zum 18. Lebensjahr zur Zigarette, so ist es heute nicht einmal jeder 10. – kein Wunder, dass sich die Tabak-Konzerne Gedanken über Alternativ-Produkte machen.

Alternativ-Produkte gesucht

Philip Morris, zu dem u. a. die Marke Marlboro gehört, hat inzwischen mehrere alternative Produkte zur Zigarette im Sortiment, die weitaus weniger schädlich sein sollen als herkömmlicher Tabakrauch.

Angesichts des weltweit sinkenden Zigaretten-Konsums setzen Tabak-Produzenten immer stärker auf Ersatz-Produkte, bei denen eine aromatisierte Flüssigkeit erhitzt wird.

Dabei hat die allseits bekannte E-Zigarette, die es seit 2007 auf dem Markt gibt, nicht so recht den Durchbruch geschafft.

Leidenschaftlichen Rauchern fehlte oft mangels Tabak der Tabak-Geschmack. An diesem Punkt setzt Philip Morris mit iQOS an:

Hierbei handelt es sich um ein Zwischending zwischen herkömmlichem Glimmstängel und E-Zigarette, weshalb die Innovation auch als Hybrid-Zigaretten bezeichnet wird.

iQOS soll es richten

Dabei wird der Tabak nicht mehr verbrannt, sondern in einem elektronischen Halter nur noch erhitzt.

Der Tabak wird also nicht mehr, wie gewöhnlich, mit 800 °C verglüht, sondern „nur“ noch mit rund 350 °C erhitzt, wodurch ein Dampf entsteht.

Philip Morris geht davon aus, dass dies deutlich weniger schädlich ist als traditionelle Zigaretten und startet nächsten Mittwoch auch in Großbritannien mit dem Vertrieb der neuen E-Zigarette.

Der Tabak-Riese verspricht sich einen kräftigen Absatz. Immerhin sind in den letzten 10 Jahren 3,5 Mrd. Dollar in die Entwicklung risikoreduzierter Tabak-Produkte geflossen.

Wer die neuartige E-Zigarette benutzen möchte, muss sich erst einmal für 65 € die Hardware zulegen (Verdampfer und Ladekabel).

Befüllt wird es mit einem rund 5 cm langen Tabakstift mit Filter – eine Packung mit 20 Marlboro HeatSticks kostet 6 €.

In etwa 3 – 4 Jahren soll IQOS dann Gewinne für den Konzern einfahren.

Forscher warnen vor E-Zigaretten

Ob die E-Zigaretten unterdessen wirklich gesünder sind, wird von vielen Experten immer noch heiß diskutiert. Viele wittern Gefahren in den oftmals verwendeten Liquids.

Was sich die Konsumenten durch das Inhalieren der Chemie-Cocktails wirklich antun, kann offenbar niemand so richtig einschätzen.

Denn wesentlicher Bestandteil der Liquids ist Propylenglycol, ein in Kosmetika, Lebensmitteln und Medikamenten gebräuchliches Konservierungs- und Lösemittel.

Die Nikotin-Aufnahme ist ohnehin identisch wie bei einer herkömmlichen Zigarette.

Noch sprudeln die Gewinne

Auch wenn die Erlöse seit 2012 um 14,5% auf 26,79 Mrd. Dollar zusammengeschmolzen sind, ertragsstark ist Philip Morris noch immer.

Immerhin blieben im letzten Geschäftsjahr Gewinne von 6,87 Mrd. Dollar hängen. Das entspricht einer beachtlichen Gewinnmarge von 25,17%.

Für das kommende Jahr rechnen die Analysten mit einem Gewinn-Zuwachs auf 4,85 € je Aktie. Damit wird der Tabak-Gigant mit dem 18-Fachen der erwarteten Profite bewertet.

2. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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