Philips: Elektronik-Konzern schluckt Rivalen in Milliardendeal

Die Neuausrichtung des niederländischen Elektronik-Riesen und Weltkonzerns Philips wird ungebremst fortgesetzt. Hier alle Infos dazu: (Foto: oleschwander / shutterstock.com)

Die Übernahmewelle rollt ungebremst weiter:

  • Das niedrige Zinsniveau,
  • der Drang nach mehr Rendite,
  • nach einer besseren strategischen Aufstellung
  • oder einfach einem schnelleren Wachstum,

all diese Faktoren gehören zu den maßgeblichen Treibern der aktuell hohen Übernahme-Aktivität.

Mit Philips hat jetzt ein holländisches Schwergewicht (Börsenwert knapp 30 Mrd. €) zugeschlagen.

Niederländischer Weltkonzert durchläuft Umwandlungs-Prozess

Damit setzt der niederländische Großkonzern seine Neuausrichtung konsequent fort.

Sie haben den Konzern vielleicht noch als einen Riesen in der Unterhaltungs-Elektronik im Gedächtnis – doch das war einmal…

Mittlerweile fokussiert sich das Unternehmen immer stärker auf die Bereiche Medizintechnik und Gesundheits-Produkte.

Dem Aktienkurs hat die Neuausrichtung ganz und gar nicht geschadet:

Mit einem Kurs-Plus von 46% auf Sicht der vergangenen 12 Monate haben die Papiere den Euro Stoxx 50 Index deutlich hinter sich gelassen.

Für Sie zum Vergleich: Der Index für groß kapitalisierte europäische Werte, in dem auch die Philips-Aktie enthalten ist, konnte im gleichen Zeitraum „nur“ um 24% an Wert zulegen.

Philips: Mit Milliarden-Zukauf Siemens auf den Fersen

Der Deal ist ein ordentlicher Schluck aus der Pulle. Immerhin legt Philips rund 1,9 Mrd. € für die US-Firma Spectranetics auf den Tisch.

Das Angebot erfolgt in bar und liegt 27% über dem Schlusskurs der Papiere.

Dafür erhalten die Holländer eine Firma mit mehr als 900 Mitarbeitern und einem geplanten Jahres-Umsatz von 306 Mio. Dollar.

Spectranetics stellt Geräte für minimalinvasive Eingriffe am Herz-Kreislauf-System her.

Konkret handelt es sich um Verfahren zur Säuberung verstopfter Venen und Arterien (sogenannte Venenkatheter).

Dazu werden u. a. Laser eingesetzt und kleine, mit Medikamenten umhüllte Kapseln.

Mit der Transaktion will Philips v. a. Boden gegenüber dem direkten Konkurrenten Siemens gut machen.

Stolzer Kaufpreis

Zwar mag die Ergänzung der Produkt-Palette ein sinnvoller Schritt sein, aber der Preis, den die Niederländer auf den Tisch legen müssen, ist keinesfalls ein Schnäppchen.

Lassen Sie uns die Zahlen von Spectranetics näher ansehen: Auf den 1. Blick sieht es nach einer strammen Wachstums-Story aus.

Immerhin kletterten die Erlöse seit 2002 von 28,1 Mio. Dollar auf zuletzt 270,8 Mio.

Mit einem Umsatz-Wachstum von gut 13% für dieses Jahr sind die Zuwächse mittlerweile aber alles andere als spektakulär.

Zugleich verharrt die US-Firma seit 4 Jahren in der Verlustzone. Insgesamt wurden in dem Zeitraum 158,9 Mio. Dollar verbrannt.

Die höchste Gewinnmarge seit 2008 lag bei gerade einmal 1,59% im Jahr 2012.

Mit der Bewertung von 1,9 Mrd. Dollar in bar blättert Philips immerhin das 6,2-Fache der für dieses Jahr erwarteten Umsätze hin.

Zusätzlicher Aktienrückkauf sorgt für Jubelstimmung

Neben dem Zukauf machte der Elektronik-Riese mit einer weiteren Meldung auf sich aufmerksam: In den kommenden beiden Jahren sollen bis zu 1,5 Mrd. € in Aktienrückkäufe fließen.

Beim derzeitigen Aktienkurs könnten damit knapp 46 Mio. Aktien vom Markt verschwinden; das wären knapp 5% aller ausstehenden Aktien.

Leisten kann sich das Philips allemal, denn die Kassen sind prall gefüllt. Im Laufe dieser Woche soll der Verkauf des LED-Bauteile-Geschäfts Lumileds abgeschlossen werden.

Philips hatte im vergangenen Jahr die Mehrheit der Tochter für rund 1,5 Mrd. Dollar an den Finanz-Investor Apollo Global Management verkauft.

Zudem hatte der Konzern seine Tochter Philips Lighting an die Börse gebracht.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.