Phosphatvorkommen: Weltweite Spekulationen um Ressourcen-Knappheit

Droht der Welt ein zukünftiger Mangel an Phosphat? Eine lebhafte Diskussion unter Experten ist entbrannt. (Foto: Rob Bayer / shutterstock.com)

Derzeit steht ein Rohstoff im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, der ansonsten zumeist ein Schattendasein fristet.

Die Rede ist von Phosphat. Phosphat ist ein wichtiger Grundstoff für die Herstellung von Düngemitteln.

Das starke Anwachsen der Weltbevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten rückt die Nahrungsmittelproduktion immer stärker ins öffentliche Bewusstsein.

Pro Tag verhungern weltweit etwa 50.000 Menschen und in vielen Ländern gehen gleichzeitig die landwirtschaftlich nutzbaren Anbauflächen zurück. Der Einsatz von Düngemitteln gewinnt vor diesem Hintergrund zunehmend an Bedeutung.

Seit BHP Billiton ein feindliches Übernahmeangebot in Höhe von 39 Mrd. US Dollar für Potash Corp. abgegeben hat, dominiert der Kalisektor die Schlagzeilen.

Durch die Übernahmeschlacht, die inzwischen auch die Gerichte beschäftigt, geraten neben der Pottasche zwangsläufig auch Stickstoff und Phosphat, die anderen Hauptbestandteile des Kunstdüngers, in den Blickwinkel der Investoren.

So schnell wird der Welt das Phosphat nicht ausgehen

Die Finanzmärkte scheinen die Aufregung zu lieben, auch wenn es manchmal eine Aufregung um nichts ist. Das gilt zumindest für die aktuelle Diskussion um die Reichweite der weltweiten Phosphatvorkommen.

Einzelne Investoren gehen bereits davon aus, dass der Welt ähnlich wie bei anderen Rohstoffen auch beim Phosphat eine gefährliche Knappheit drohen könnte. Die Horrorszenarien, die diesbezüglich an die Wand gemalt werden, haben es in sich.

Ein Leben ohne Kupfer oder Öl, mag für viele Zeitgenossen eine schreckliche Vorstellung sein, doch eine Erde ohne ausreichende Phosphatvorkommen ist eine viel schrecklichere Vorstellung, weil sie mit mehr Hunger und einer höheren Anzahl von Toten einhergehen wird.

Doch die ganze Aufregung scheint nichts anderes als ein Sturm im Wasserglas zu sein, denn die weltweiten Phosphatvorkommen reichen noch für mehrere Jahrhunderte aus.

Das entzieht der aktuellen Spekulation über einen zukünftig drohenden Phosphatmangel den Boden.

Ausreichende Reserven und Ressourcen

Geschätzt werden die aktuellen Phosphatreserven auf 60 Mrd. Tonnen. Ergänzt werden sie durch weitere Reserven in der Größenordnung von 290 Mrd. Tonnen.

Reserven sind zu den aktuellen Preisen wirtschaftlich abbaubar. Bei den Reserven ist die Frage der Wirtschaftlichkeit noch nicht geklärt. Für sie wurde allein die Existenz des Rohstoffs selbst nachgewiesen.

Auch wenn für 290 Mrd. Tonnen Phosphat derzeit noch nicht abgeschätzt werden kann zu welchen Preisen sie am Ende abgebaut werden können, so sichert ihre pure Existenz dennoch den Bedarf der Menschheit für einige Hundert Jahre.

Im schlimmsten Fall werden die Preise stark steigen, eine Hungerkatastrophe aufgrund von Phosphatmangel ist jedoch zunächst nicht zu befürchten.

Diese positive Nachricht wird jedoch dadurch etwas getrübt, dass die Forscher sich über die exakte Höhe der Reserven und Ressourcen nicht ganz einig sind. Das Internationale Zentrum für die Düngemittelentwicklung (IFDC) taxiert die Phosphatreserven und -resourcen deutlich höher als das US Geological Suryey (USGS).

Die Spekulationen um einen Phosphatmangel sind haltlos

In einer von der US Agentur für internationale Entwicklung in Auftrag gegebenen Studie kommt die IFDC zwar zu dem Schluss, dass die Phosphatvorräte insgesamt begrenzt sind.

Anzeichen für ein Fördermaximum ähnlich dem Peak Oil sieht die Organisation jedoch nicht. Zwar sei die Entdeckung neuer Phosphatvorkommen ganz gewiss kein Selbstläufer, doch einen zukünftigen Mangel kann die Organisation nicht erkennen.

Der Schlüssel zu den unterschiedlichen Zahlen des USGC und der  IFDC liegt in der Bewertung der Phosphatvorkommen Marokkos.

Die IFDC schätzt die Phosphatressourcen des nordafrikanischen Staates basierend auf den 1998 veröffentlichen staatlichen Daten auf 51 Mrd. Tonnen, während das USGS die marokkanischen Vorkommen nur auf 5,7 Mrd. Tonnen schätzt.

Anhand der extremen Abweichung der Zahlen wird das Problem der gesamten Branche schnell deutlich. Es fehlen allgemein zugängliche, verlässliche Zahlen. Wie viel Phosphat nun wirklich vorhanden ist, das wissen im Grunde nur die großen Produzenten.

Agrarrohstoffe bleiben trotzdem interessant

Trotz dieser verbleibenden Unsicherheit dürfte die Diskussion um eine der Welt kurzfristig ins Haus stehende Knappheit an Phosphat jedoch bald abebben, denn für einen kurz- oder mittelfristigen Mangel an Phosphat, den die Börse heute bereits in die Preise einarbeiten könnte, fehlen die Indizien.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.