PillPack-Übernahme: Amazon wirbelt nächste Branche durcheinander

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Erst Nahrungsmittel, dann Logistik und jetzt auch noch Drogerie: Amazon wirbelt mit seinen Expansionskurs mehrere Branchen durcheinander. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Gestern hatte Ihnen der Übernahme-Sensor berichtet, dass Amazon im Vorjahr mit dem Kauf von Whole Foods Markets die Nahrungsmittelbranche durcheinander wirbelte.

Die Aktienkurse der etablierten Supermarktketten gerieten daraufhin stark unter Druck, denn der Markteintritt des Online-Versandriesen ist eine große Gefahr für das Geschäft.

Im Moment kaufen zwar nur 2,5% der US-Bürger Nahrungsmittel online, doch das Wachstum ist hoch. Daher reagieren die Supermarktketten mit Online-Strategieplänen gegen den drohenden Kundenschwund und mit Übernahmen, um die Kosten zu senken.

Ich rechne damit, dass die Nahrungsmittelindustrie 2018 weiterhin eine hohe Übernahme-Aktivität zeigen wird. Der gestrige Deal von Pinnacle Foods und Conagra Brands dürfte nur der Auftakt mehrerer Milliarden-schwerer Deals gewesen sein.

Amazon mit konkretem Logistik-Plan: UPS- und FedEx-Aktie unter Druck

Amazon setzt aber nicht nur in der Nahrungsmittelbranche die Spieler unter Druck. Gestern gab das Unternehmen bekannt, dass es ein eigenes Logistik-System etablieren will. Die steigende Nachfrage erfordere zusätzliche Kapazitäten teilte Amazon mit.

Amazon setzt dabei auf Start-Ups, die für 10.000 Dollar Amazon-Trucks kaufen können. Um den Anreiz zu erhöhen, ließ das Unternehmen wissen, dass Zusteller im Dienste von Amazon bis zu 300.000 Dollar Gewinn pro Jahr machen können.

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Offiziell ist der Logistik-Plan kein Angriff auf die Vertragspartner FedEx und UPS. Doch mittelfristig dürfte den Paket-Diensten Geschäft verloren gehen. Daher gerieten gestern auch in einem freundlichen Marktumfeld die Kurse der beiden Zustelldienste unter Druck. 

PillPack-Übernahme sorgt für scharfe Kursrückgänge bei Drogerieketten

Die größten Sorgenfalten bescherte Amazon gestern jedoch den Drogerieketten. Der Konzern gab die Übernahme von PillPack bekannt, einer Versandapotheke. Die Aktien von Branchenprimus CVS gaben daraufhin 6% nach, Wallgreens-Aktien verloren 9,9% und die Aktien der kleineren Kette Rite Aid fielen um 11,1%.

In der Branche hingen die Gewinnspannen schon vorher nicht hoch, wenn jetzt noch Amazon in den Markt kommt, dann ist das sicher schädlich für die Unternehmen. PillPack generierte im Vorjahr zwar nur 100 Mio. Dollar Umsatz, doch auf der Amazon-Plattform könnten die Umsätze schnell deutlich ansteigen – immerhin ist der US-Medikamentenmarkt 300 Mrd. Dollar groß.

Amazon nutzt Reichweitenvorteil und sticht Walmart aus

Es ist nicht bekannt, wie viel Amazon für PillPack bezahlt hat, doch es wird vermutet, dass der Preis bei rund 1 Mrd. Dollar gelegen hat. Der Preis ist mit Blick auf die Umsätze kaum gerechtfertigt, mit Blick auf das Potenzial im Amazon-Distributionsnetzwerk jedoch allemal.

Es heißt, dass Amazon im Rennen um PillPack Wallmart ausgestochen haben soll. Der Supermarkt-Riese arbeitet mit Hochdruck am Ausbau seines Online-Angebots und wollte Pillpack für 700 Mio. Dollar übernehmen. Doch Amazon konnte locker mehr bieten ohne zu viel zu zahlen, da die Amazon-Online-Plattform deutlich größer und frequentierter ist als die von Wallmart.

Auch die Amazon-Investoren begrüßen den nur augenscheinlich teuren Deal. Im starken Marktumfeld stieg die Aktie gestern weitere 2,5%.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.