PipeChina geht auf Einkaufstour

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Die staatliche PipeChina übernimmt Pipelines im Wert von 55,9 Mrd. Dollar von den 3 größten Erdölgesellschaften des Landes. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Es kommt eher selten vor, dass ich Ihnen ein Übernahmegeschäft aus dem „Reich der Mitte“ präsentieren kann. Doch in der letzten Woche ist in China ein Megadeal bekannt gemacht worden, den ich Ihnen nicht vorenthalten will.

Die erst Ende 2019 gegründete staatliche Gesellschaft China Oil and Gas Piping Network Corp. (kurz: PipeChina) hat in der vergangenen Woche bekannt gegeben, dass sie Öl- und Gaspipelines sowie Lagerkapazitäten im Gesamtwert von 391,4 Mrd. chinesischen Yuan (CNY), was etwa 55,9 Mrd. US-Dollar (USD) bzw. 48,16 Mrd. Euro entspricht, übernehmen wird.

Verkäufer der Pipelines und Lagerkapazitäten sind die 3 größten chinesischen Energiekonzerne China National Petroleum Corp. (CNPC), China Petroleum and Chemical Corp. (Sinopec Group) und China National Offshore Oil Company (CNOOC), die alle in Peking ansässig sind.

Die beteiligten Konzerne im Kurzporträt

Da Ihnen die am Megadeal beteiligten Unternehmen wahrscheinlich nicht bekannt sein dürften, möchte ich sie Ihnen kurz vorstellen. Beginnen möchte ich dabei mit PipeChina.

PipeChina wurde 2019 von der chinesischen Regierung gegründet, um den chinesischen Energiemarkt zu reformieren. Durch das Unternehmen soll ein neutraler Zugang zur Pipeline-Infrastruktur des Landes geschaffen werden. Dadurch soll auch kleinen und nicht staatlichen Unternehmen ein Zugang zum Energiemarkt des Landes ermöglicht werden.

Sinopec beschäftigt gut 400.000 Mitarbeiter, die 2019 einen Umsatz von 348,9 Mrd. Euro erwirtschafteten. Damit liegt Sinopec im Ranking der weltweit umsatzstärksten Unternehmen auf Platz 3.

CNPC hatte Ende 2019 460.742 Beschäftigte, die einen Umsatz von 311,38 Mrd. Euro erwirtschafteten. Damit liegt CNPC im Ranking der weltweit umsatzstärksten Unternehmen auf Platz 4.

CNOOC ist nach Sinopec und CNPC der drittgrößte Ölkonzern Chinas. Das Unternehmen beschäftigt 18.103 Mitarbeiter, die einen Jahresumsatz von knapp 28 Mrd. Euro erwirtschafteten.

Zahlung in Barmitteln und Eigenkapital

PipeChina will die erworbenen Pipelines, Speicheranlagen und Erdgasannahmestellen sowohl in Cash als auch durch Eigenkapitalanteile begleichen. CNPC gab über seine in Hongkong börsennotierte Tochter PetroChina bekannt, dass es Pipeline- und Lagereinrichtungen, ein Flüssiggas-(LNG) Terminal in Shenzhen und Nebenanlagen für 268,7 Mrd. CNY an PipeChina ausgliedern wird. Dafür erhält CNPC Anteile an PipeChina sowie rund 120 Mrd. CNY in bar.

Ferner teilte PetroChina mit, dass es mit einem Gewinn von 45,82 Mrd. CNY aus der Veräußerung der Vermögenswerte rechne und diesen Gewinn für die Auszahlung von Dividenden und für Investitionsausgaben verwenden werde.

Sinopec gab am Donnerstag bekannt, dass es Vermögenswerte in Höhe von 122,6 Mrd. CNY an PipeChina verkaufen werde. Dazu gehören diverse Pipelines und ein Flüssiggas-(LNG)-Terminal in Beihai.

Nach Abschluss der Transaktionen, die voraussichtlich Ende September abgewickelt sein sollen, werden PetroChina mit 29,9% und Sinopec mit 14% an PipeChina beteiligt sein. Auch die CNOOC Group wird über seine Tochter CNOOC Gas and Power 2,9% an PipeChina halten.

Aktienkurse reagieren uneinheitlich

Die Aktienkurse der an der Hongkonger Börse gelisteten chinesischen Ölkonzernen reagierten am Tag der Bekanntgabe des Übernahmedeals am 23.07.2020 uneinheitlich. Während der Kurs der PetroChina-Aktie um +3,2% auf 2,89 Hongkong-Dollar (HKD) anstieg, verloren die anderen beiden Öl-Papiere leicht an Boden.

Der Kurs der CNOOC-Papiere fielen um -0,15% auf einen Kurs von 8,65 HKD. Leichte Kursverluste mussten auch die Sinopec-Aktien hinnehmen. Sie fielen um -0,6% und gingen mit 3,43 HKD aus dem Handel.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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