Platin: Das müssen Sie aktuell über das Edelmetall wissen

Ebenso wie Gold steht auch Platin unter Druck. Das sind die Gründe für die Schwäche und die Chancen auf eine Trendwende. (Foto: Eisenhans - Adobe.com)

Erst gestern ging es an dieser Stelle um die aktuelle Entwicklung beim Goldpreis. Kurz nachdem ich die Ausgabe verschickt hatte, rutschte der Goldpreis tatsächlich unter die maßgebliche Marke von 1.200 Dollar pro Unze. Hier gab es aber schnell eine Erholung. Doch am weiterhin schwachen Ausblick für Gold hat das nichts geändert.

Ich habe aber die aktuelle Entwicklung beim Gold als Anlass genommen genau zu schauen, wie es denn beispielsweise beim Platin aussieht. Dieses Edelmetall wird an den Märkten ganz anders wahrgenommen. Platin ist ein wichtiger Bestandteil von Abgaskatalysatoren und weniger ein Kriseninvestment.

Genau das hat zuletzt schon zu deutlichen Preisabschlägen beim Platin geführt. Viele Automobilunternehmen gerieten wegen des Dieselskandals unter Druck und somit wurde auch eine schwächere Nachfrage beim Platin angenommen. Das hat den Preis schon Anfang Juli massiv gedrückt und in einem Bereich von 800 Dollar pro Unze sinken lassen. Das war ein neuneinhalb Jahrestief. Dabei erreichte der Preisabschlag zum Gold einen Wert von 440 Dollar und damit ein Rekordniveau.

Platin ist im Vergleich zu Gold so billig wie selten in der Geschichte

Durch den zuletzt erlebten Preisrutsch beim Gold hat sich jetzt der Abstand auf knapp 400 Dollar verringert. Dennoch bleibt die Lage beim Platin weiterhin angespannt. Eine große Sorge bereitet vor allem die rückläufige Nachfrage nach Diesel-PKW eben speziell in Europa. Auch hier ist keine schnelle Wende zu erwarten ist und so bleibt die Nachfrage wohl erst einmal auf niedrigem Niveau und das dürfte den Preis nicht wirklich unterstützen. So ist es gut möglich, dass sich die internationalen Handelskonflikte wegen der jetzt bestehenden Strafzölle in vielen Regionen am Ende auch auf die Automobilindustrie auswirken wird.

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Wichtig ist aber auch immer der Blick auf die fundamentalen Lage des Marktes. Auch hier bietet sich ein interessantes Bild. Nach Angaben der Marktexperten von Johnson Matthey ist der Markt weiterhin reichlich versagt und für das Jahr 2018 werden sogar weiterhin Angebotsüberschüsse erwartet.

Doch es gibt auch noch positive Prognosen zur weiteren kurzfristigen Entwicklung beim Platin. So erwartet beispielsweise die Commerzbank bis zum Jahresende einen Platinpreis von 925 Dollar pro Unze. Ein Auslöser sollte der Stein aufsteigende Goldpreis sein. Im Schlepptau des Goldpreises solles dann mit dem Platinpreis wieder deutlich nach oben gehen.

Eine Sache ist derzeit sicherlich ganz besonders: Der Preisunterschied von Platin zu Gold war in der Geschichte selten so hoch wie jetzt. Lange Zeit war es so, dass Platin immer mehr kostete als Gold. Die ist jetzt nicht mehr so. Daraus aber zu schließen, dass sich das Verhältnis kurzfristig wieder umkehren muss, ist doch zu kurz gegriffen. Wer auf ein solche Handelsstrategie setzt, musste in den vergangenen Jahren hohe Verluste einstreichen. Daher gilt ganz klar beim Platin: Auf dem aktuellen niedrigen Niveau bietet sich dieses Edelmetall nicht für den Einstieg an. Dafür sind die Risiken einfach zu groß und es fehlen die positiven Katalysatoren für eine schnelle Trendwende.


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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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