Platzende Blase durch steigende Zinsen? – Unsinn!

Fast jeder glaubt, dass das Platzen einer Blase bevor steht. Ursachen kann es viele geben. Steigende Zinsen gehören aber nicht dazu. (Foto: Brian A Jackson / Shutterstock.com)

Die Nachrichten um eine möglicherweise existierende und bald platzende Blase begleiten mich täglich. Glauben Sie mir, ich beschäftige mich mit dieser Thematik intensiv, hängen doch auch einige meiner Vorhaben sehr von der Entwicklung der nächsten Monate und Jahre ab. Unabhängig vom privaten Sektor meine ich damit auch den Erfolg meiner Fix & Flip-Geschäfte und vor allem der Neubau-Projekte, die sich mit allem Drum und Dran über ca. 24 Monate erstrecken.

Stark steigende Zinsen wird es gar nicht geben

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass mancher Investor in Bezug eine platzende Blase zu kurz denkt und es sich zu einfach macht. Eine gängige Überlegung, so habe ich es festgestellt, ist folgende:

„Wenn die Zinsen extrem steigen, werden einige verkaufen müssen, weil sie die Raten nicht mehr bezahlen können. Dann kaufe ich nach. Und mir passiert nichts, weil ich die Zinsen fest geschrieben habe (/ genügend entschuldet bin / genügend Kapital in der Hinterhand habe).“

Was für ein Unsinn. Was uns blühen wird, ist eine Wirtschaftskrise. Manche Experten gehen davon aus, dass sie noch stärker als die von 2008 sein könnte. Schon eine Erhöhung des Leitzinses durch die EZB um 1 % könnte laut mancher Studien die ganze Eurozone ins wanken bringen. Aber nicht, weil die Immobilienbesitzer plötzlich Ihre Raten nicht mehr zahlen können, sondern weil endlich die ganzen unproduktiven, aber Kapital und Arbeitskraft bindenden „Zombiefirmen“ Pleite gehen und aus dem Markt gedrängt werden. Diese Entwicklung ist schon seit Jahren überflüssig, wird aber durch günstiges Geld hinausgezögert.

Unternehmen werden verschwinden, Menschen werden arbeitslos und die Banken mit den ganzen faulen Krediten in den Büchern werden wieder massiv wanken. Europa- oder gar weltweit. Was dann genau passiert? Das weiß keiner. Dazu müsste man schon voraus sagen können, wann es genau passiert und wie die Politik darauf reagieren wird.

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Es steht keine platzende Blase, sondern eine Wirtschaftskrise ins Haus

Eine platzende Immobilienblase wird aber nicht als solche isoliert stattfinden. Eine Wirtschaftskrise wird sich auch auf den Immobiliensektor auswirken. Das ist klar. Arbeitslosigkeit und Existenzangst statt Nachfrage nach Immobilieneigentum. Und dabei geht es dann nicht um DEN Immobilienmarkt, sondern um die lokalen Märkte.

Manche Immobilienbesitzer werden ihre Raten nicht mehr zahlen können, einige nicht mehr nach Immobilien Ausschau halten (können). Das wird mancherorts die Nachfrage extrem drücken und die Preise purzeln lassen.  Das kommt auch aktuell vor, nur nicht so konzentriert.

Ich höre regelmäßig, dass es dann endlich die „überteuerten“ Märkte am stärksten treffen wird. Das ist absolut unlogisch. Eine solche Krise werden A-Standorte wie München, Frankfurt, Hamburg deutlich besser wegstecken als Gelsenkirchen, Duisburg oder Zwickau. Stagnation statt Verfall.

Es wird die Leute aus den zukünftigen Verlierer-Regionen noch stärker dorthin ziehen, wo eine gute Arbeitsmarktsituation und hohe Wirtschaftskraft vorherrschen. Stellen Sie sich vor, in Zwickau würde VW sein Werk schließen. Dann ist es vorbei. Selbst wenn in München BMW als größter Arbeitgeber nicht mehr vorhanden wäre, gibt es noch unzählige andere, stark vertretene Firmen und Global Player.

Fazit:

Ein signifikanter Zinsanstieg, insbesondere in Regionen von gar 5 oder 6% , ist seit Einführung der Währungsunion keine Option mehr. Durch den gemeinsamen Euro hatte man den einzelnen Ländern ein wichtiges Instrument zur Regulierung genommen: Die Ab- bzw. Aufwertung der eigenen Währung.

Eine wirtschaftlich starke Nation wie Deutschland hätte vor Jahren schon aufwerten können, für Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal oder Italien wird das auf Jahre keine Option sein. Und damit auch für die Eurozone nicht. Sinkende Preise entstehend durch sinkende Nachfrage und Kaufkraft. Und diese wird mancherorts mit der nächsten großen Krise durch die Hintertür kommen.


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Von: Christian Marchner. Über den Autor

Christian Marchners Start in den Immobilienmarkt liegt nun fast 10 Jahre zurück. Heute konzentriert er sich vor allem auf Wachstumsmärkte. Dort setzt er vor allem auf eine langfristig positive Entwicklung in Bezug auf Miet- und Kaufpreise.

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