Pleitewelle: Warum 2021 richtig hart werden könnte

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Die volle Wucht der Corona-Folgen wird die Wirtschaft wohl erst im Herbst zu spüren bekommen – 2021 dürfte ebenfalls schwierig werden. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Dieser Sommer bildet die Ruhe vor dem Sturm, oder besser gesagt: das Auge des Hurrikans, eine kurze Phase der Windstille.

Im Frühjahr hat Corona mit voller Wucht zugeschlagen. Unverschuldet und unvorbereitet gerieten etliche Unternehmen quasi über Nacht in finanzielle Schwierigkeiten. Die beschränkenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie kamen schnell und umfassend. Vom Solo-Selbständigen bis zum Dax-Konzern gerieten etliche Unternehmen nahezu jedweder Branche in Schieflage.

Immerhin: Fast genauso schnell wie die Beschränkungen brachte die Bundesregierung auch Milliardensummen in Form von Konjunkturpaketen auf den Weg, um die wirtschaftlichen Folgen zumindest abzumildern und eine zeitweise Überbrückung des Ausnahmezustands zu ermöglichen. Vielen Firmen hat das geholfen und etwas Luft zum Atmen verschafft, doch wie so häufig gab es auch in diesem Verfahren Lücken und Branchen, die durchs Raster fielen. Sie müssen sich mit ihren Rücklagen über Wasser halten, was eine Zeit lang funktionieren kann, aber eben nicht auf Dauer.

Pleitewelle ab Herbst?

Seit März ausgesetzt ist außerdem die Insolvenzantragspflicht. Die greift voraussichtlich erst wieder im Herbst – dann aber könnte es richtig dicke kommen. Sollten nicht weitere stützende Finanzmaßnahmen durch die Bundesregierung beschlossen werden, stehen viele Firmen wohl im Herbst, spätestens aber im kommenden Jahr vor der Pleite. Schätzungen zufolge könnte die Zahl der Firmeninsolvenzen im Vergleich zu den Jahren vor Corona um mehr als ein Drittel in die Höhe schnellen.

Neben der wiederkehrenden Insolvenzantragspflicht und der Rückkehr zu einer Mehrwertsteuer von 19 Prozent ab Januar gibt es zudem eine große Unbekannte: die Gefahr einer zweiten Infektionswelle, mit neuen Lockdown-Maßnahmen und damit einhergehend neuen Schwierigkeiten für die Unternehmen.

Gefahr einer zweiten Infektionswelle nicht gebannt

Nicht wenige Gesundheitsexperten halten eine zweite Infektionswelle im Herbst für wahrscheinlich, auch wegen der Reiserückkehrer, die aktuell in ganz Europa ausströmen. Parallel zur üblichen Grippesaison dürften die Belastungen für das Gesundheitssystem sogar noch gravierender ausfallen als im Frühjahr, die Gefahr von unzureichenden Versorgungsmöglichkeiten steigen, die Beschränkungen dementsprechend verschärft werden.

Nicht zuletzt aufgrund all dieser Unwägbarkeiten könnte die Pleitewelle auch erst 2021 mit voller Wucht zuschlagen. Hinzu kommt, dass es in zahlreichen anderen Ländern noch viel verheerender aussieht als in Deutschland. So rechnen Experten vor allem in China, Brasilien und den USA mit einem erheblichen Anstieg an Firmenpleiten – was indirekt wiederum deutsche Unternehmen treffen würde, Stichwort Exportnation.

Mit einem zügigen Aufschwung, wie ihn einige Optimisten zunächst für wahrscheinlich hielten, ist dementsprechend nur bedingt zu rechnen, und wohl auch nicht vor 2022 oder 2023. Gut beraten ist daher, wer den ruhigen Sommer genießt, ohne dabei zu vergessen, dass wir womöglich erst die erste Hälfte des ersten Hurrikans in der weltweiten Pandemie überstanden haben.

Das bittere Ende kommt erst noch.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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