PNE-Übernahme fällt ins Wasser – Großaktionär verfehlt die Mehrheit

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PNE-Aktie: Übernahme des Windparkspezialisten durch Morgan Stanley fällt ins Wasser. Mindestannahmeschwelle trotz Fristverlängerung nicht erreicht (Foto: katjen / Shutterstock.com)

Dass die Übernahme von PNE durch den Infrastrukturfonds der Investmentbank Morgan Stanley kein Selbstläufer werden würde, hatte sich bereits abgezeichnet. Wegen der schleppenden Nachfrage im Rahmen des 306 Millionen Euro schweren Übernahmeangebots war die Annahmefrist Ende November nochmals um zwei Wochen verlängert worden.

Die Offerte über 4 Euro je PNE-Aktie wurde aber unter die Bedingung gestellt, dass mehr als 50% der Anteile angedient werden. Doch nach Abschluss der zweiten Frist herrscht Gewissheit: Der Bieter hat die Mindestschwelle nicht erreicht und die geplante Übernahme fällt damit ins Wasser.

Morgan Stanley verfehlt die Mindestannahmeschwelle

Dass war es wohl vorerst mit der Übernahme des Windparkprojektierers PNE aus Cuxhaven durch den Infrastrukturfonds von Morgan Stanley. Nach Abschluss der zweiten Annahmefrist kommt der Fonds nur auf 39 % der Anteile und lag damit deutlich unter der avisierten 50%-Marke.

Großanleger triumphieren

Damit triumphieren vorerst die Gegner der Übernahme. Für Sie zum Hintergrund: Auch wenn die Offerte vom PNE-Vorstand unterstützt wurde, einigen Großanlegern war der 21%-Aufschlag auf den gewichteten Durchschnittskurs vor der Übernahmemeldung nicht genug.

Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger hielt den Preis von 4 Euro für deutlich zu niedrig. Basierend auf den Unternehmensangaben und den ermittelten Transaktionspreisen für bereits fertiggestellte Anlagen ermittelten die Experten einen Bruttowert des Portfolios von rund 470 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung der Nettoverschuldung läge der Nettounternehmenswert bei rund 415 Millionen Euro, womit sich ein Wert von deutlich über 5 Euro je Aktie ergibt.

Die Großaktionäre Active Ownership Capital und Enkraft haben das Übernahmeangebot ebenfalls als zu niedrig abgelehnt. Enkraft taxierte den fairen Preis für die PNE-Aktie sogar auf 6,90 bis 7,10 Euro.

Wer hinter PNE steckt

Die PNE AG ist ein führender deutscher Windpark-Projektierer. Das Unternehmen deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Entwicklung, Projektierung und Realisierung, über Finanzierung und Betrieb bis hin zum Vertrieb und Repowering von Windparks an Land im In- und Ausland. Auf See werden zusätzlich Offshore-Windparks bis zur Baureife entwickelt.

Die Gesellschaft realisierte seit der Gründung 1990 international mehr als 200 Onshore-Windparks mit einer Gesamtnennleistung von mehr als 2.500 MW. Über Tochtergesellschaften und Joint Ventures ist die PNE AG in Europa, Südafrika und Nordamerika aktiv.

Windparkspezialist bestätigt Jahresziele

In den ersten neun Monaten gingen bei PNE Umsätze in Höhe von 72,6 Mio. Euro durch die Bücher. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Plus von 81,9%. Die Gesamtleistung lag mit 98,7 Millionen Euro ebenfalls deutlich über dem Vorjahresniveau (57,7 Millionen Euro). Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) blieben unterdessen 9,9 Millionen Euro hängen. Damit lag die Vorsteuergewinnmarge bei 13,6%. Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Profitabilität also um 4,4 Prozentpunkte verbessert.

Nach dem bisherigen Jahresverlauf zeigt sich Firmenboss Markus Lesser zuversichtlich und bestätigte die Jahresplanung. Unter dem Strich peilt das Unternehmen ein EBITDA im Konzern in Höhe von 25 bis 30 Millionen Euro und ein Vorsteuerergebnis (EBIT) in Höhe von 15 bis 20 Millionen Euro an.

Die Aktionäre scheinen von den Wachstumsplänen überzeugt. Trotz der abgeblasenen Übernahme notieren die Aktien mit 4,04 Euro über dem Niveau der Morgan Stanley-Offerte.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.